Ohne Baugenehmigung kein Umzug

Altes Krankenhaus im MK: Einzug der Pflegeheime auf der Kippe?

St. Vinzenz Altena
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Die drei oberen Etagen des ehemaligen St. Vinzenz-Krankenhauses sollen als Pflegeheim genutzt werden.

Die drei oberen Etagen des ehemaligen St. Vinzenz-Krankenhauses sollen als Pflegeheim genutzt werden. Steht der Einzug nun auf der Kippe?

Altena - Irgendwo zwischen erstaunt und verärgert – so lässt sich die Reaktion des Altenaer Bauamtes auf die Ankündigung beschreiben, dass in naher Zukunft rund 160 Senioren ins ehemalige Vinzenz-Krankenhaus einziehen sollen. Das hatte das Perthes-Werk am Mittwoch und am Donnerstag nicht nur der Presse, sondern auch den Mitarbeitern des Ellen-Scheuner-Hauses und des Evangelischen Altenzentrums Neuenrade mitgeteilt. Schriftliche Benachrichtigungen an die Angehörigen der dort lebenden Senioren sind unterwegs.

m Moment ziehe niemand ein ins ehemalige Krankenhaus: Recht kategorisch fällt das Statement von Roland Balkenhol zu dieser Angelegengheit aus. Der Abteilungsleiter Planen und Bauen der Altenaer Stadtverwaltung ist der Ansicht, dass vor dem Umzug der Senioren ins ehemalige Krankenhaus zunächst einmal ein Bauantrag zu stellen ist. Aktuell gebe es nämlich keine gültige Baugenehmigung für den Gebäudekomplex zwischen Stein- und Bornstraße, erklärt er-.

Nun gab es natürlich eine Baugenehmigung für das St.- Vinzenz-Krankenhaus. Die sei aber erloschen, weil inzwischen die Brandmeldeanlage nicht mehr funktionsfähig sei, erklärt Balkenhol. Deswegen müsse jetzt eine neue Baugenehmigung beantragt werden – und für die müsse ein Brandschutzkonzept vorgelegt werden, das dem aktuellen Stand entspreche, betont Balkenhol.

Brandschutzkonzept muss her

Seit der Eröffnung des St.-Vinzenz-Krankenhauses in den 1980-er Jahren hat sich in dieser Hinsicht vieles verändert. Welche Probleme das mit sich bringen kann, zeigte sich zuletzt am Beispiel des Bandschutzzentrums im Gewerbepark Rosmart: Dort musste beim Bandschutz nachgebesssert werden, weil zwei Jahre nach Erteilung der Baugenehmigung Veränderungen an der Statik erforderlich wurden. Das führte dazu, dass die Baugenehmigung erneuert werden musste und dabei auch strengere Auflagen zum Brandschutz berücksichtigt werden mussten.

Zurück zu Roland Balkenhol und seinem Erstaunen über die Pläne des Perthes-Werkes: Sowohl mit dem als auch mit Vertretern der Eigentümer des Krankenhauses habe es Gespräche über das Vorhaben gegeben, in dem Gebäude temporär zwei Altenheime unterzubringen, schildert der. Dabei sei seitens der Bauaufsicht immer wieder betont worden, dass dazu ein Bauantrag erforderlich sei. „Das letzte Gespräch in dieser Sache war im Oktober, seitdem habe ich nichts mehr davon gehört“, sagt der Stadtplaner. Umso überraschter sei er vom jetzigen Vorstoß des Perthes-Werkes. Nebenbei: Ob das als Mieter von Teilen des Komplexes oder Lone Ranger Investments S.A. aus Luxemburg als Eigentümerin den Bauantrag stelle, sei egal.

Das letzte Gespräch in dieser Sache war im Oktober, seitdem habe ich nichts mehr davon gehört.

Roland Balkenhol

Als Ralf Lohscheller das Projekt der Öffentlichkeit vorstellte, hatte er noch von „guten Signalen“ aus dem Bauamt gesprochen. Das sei ihm vom Vermieter so mitgeteilt worden, ergänzte er am Freitag. Vertraglich vereinbart sei nämlich, dass sich die Lone Ranger Investments S.A beziehunsgweise deren Konzernmutter, die Comer-Gruppe, um alle notwendigen Genehmigungen kümmern muss. Dass dazu natürlich auch ein Brandschutzkonzept gehört, sei völlig klar. Das Perthes-Werk habe dem Vermieter sogar ein entsprechendes Büro empfohlen, das sich auf Brandschutz in Pflegeheimen spezialisiert habe. „Wir werden natürlich auf gar keinen Fall dort einziehen, wenn nicht zu 100 Prozent für die Sicherheit unserer Bewohner gesorgt ist“, betont Lohscheller immer wieder. Am Montag will er bei der Comer-Gruppe nachfragen, wie weit deren Verhandlungen mit dem Bauamt gediehen sind. Für den Fall, dass das Vorhaben überhaupt nicht genehmigt werde, gebe es ein Sonderkündigungsrecht.

Wir werden natürlich auf gar keinen Fall dort einziehen, wenn nicht zu 100 Prozent für die Sicherheit unserer Bewohner gesorgt ist.

Ralf Lohscheller

Immerhin macht der Bebauungsplan offenbar keine Probleme mehr. Bisher hatte die Stadt allen Plänen, die Immobilie an der Bornstraße in eine Pflegeeinrichtung umzufunktionieren, eine strikte Absage erteilt. Dazu sei eine Änderung des Bebauungsplans erforderlich, hatte Ex-Bürgermeister Andreas Hollstein stets betont und hinzugefügt, dass das mit ihm nicht zu machen sei. Ihm schwebte vor, wenigstens eine Art medizinisches Versorgungszentrum im Krankenhaus anzusiedeln, was aber nicht gelingen wollte.

Bebauungsplan muss nicht geändert werden

Inzwischen vertrete die Stadt die Auffassung, dass zumindest eine zeitweilige Nutzung des Hauses als Pflegeheim auch ohne Bebauungsplanänderung möglich sei, sagte Balkenhol auf Anfrage.

Lohscheller arbeitet seit zehn Jahren für das Pertheswerk. Seitdem beschäftigt er sich auch mit dem Thema Umbau bestehender Einrichtungen. Der Gesetzgeber verlangt, dass in den Pflegeheimen demnächst mindestens 80 Prozent der Zimmer Einzelzimmer sein müssen. Außerdem muss die Zahl der Bäder erhöht werden. Vor allem am Ellen-Scheuner-Haus mit seiner extremen, innerstädtischen Hanglage sei das nicht einfach, sagt Lohscheller. Anfangs sei überlegt worden, das Haus aufzustocken oder seitlich anzubauen, selbst eine Einbeziehung des nahegelegenen Gemeindehauses der evangelischen Kirchengemeinde sei geprüft worden. Keine dieser Optionen sei mit vertretbarem Aufwand realisierbar gewesen. Deshalb baue man den vorhandenen Baukörper um, in dem sich die Zahl der Plätze um 25 Prozent auf etwa 75 reduzieren werde.

Es fehlen nach wie vor Pflegeplätze

Ob sich das Pertheswerk auch nach Abschluss des Umbaus im Ellen-Scheuner-Haus für das ehemalige Altenaer Krankenhaus interessieren könnte, lässt Ralf Lohscheller offen. Aber er sagt auch: Es biete sich schon an, über eine Art Dependance zumindest nachzudenken. Schließlich stehen selbst nach Fertigstellung des am Linscheider Bach geplanten, privaten Pflegeheimes in Altena nur rund 160 Pflegeplätze zur Verfügung. Der Bedarf wird von Fachleuten mit über 250 Plätzen angegeben. Ob er sich vor diesem Hintergrund vorstellen könne, dass das Perthes-Werk auch dauerhaft Pflegeplätze im ehemaligen Krankenhaus anbieten könnte? Diese Frage ließ Lohscheller offen …

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