Krankenhaus-Debatte St. Vinzenz: „Erschreckend, wie wenig man hier als Chefarzt zu sagen hat“

ALTENA - „Dafür stehe ich nicht zur Verfügung“ – klare Worte fand der neue St. Vinzenz-Chefarzt Jens Linderhaus am Dienstag zu den Plänen von Aufsichtsrat und Geschäftsleitung. Ein Krankenhaus ohne Akutversorgung sei „für mich als Altenaer nicht tragbar“. Das habe er auch mitgeteilt, als ihm dieses Konzept vor einigen Tagen in einem kurzen Gespräch von Geschäftsführerin Bettina Schmidt und Aufsichtsratsvorsitzendem Ulrich Schmalenbach mitgeteilt worden sei. Diese Pläne seien „nicht tragbar“, es werde „zu Recht“ massiven Widerstand dagegen geben, prophezeit Linderhaus und betont, dass alle bisher getroffenen Entscheidungen ohne Zutun oder auch nur Anhörung der ärztlichen Leitung des Hauses getroffen worden seien.

 Die Kommunikation mit der Geschäftsführung sei „schlecht“. Und weiter: „Es ist erschreckend, wie wenig man hier als Chefarzt zu sagen hat“. Grundsätzlich ist Linderhaus dafür, im Krankenhaus auch den geriatrischen Bereich (also den der Altersheilkunde) abzudecken – er hat entsprechende Zusatzqualifikationen, sieht hier sein Hauptbetätigungsfeld. Er könne sich die Geriatrie aber nur als zusätzliches Standbein vorstellen, um das Haus mitsamt seinen bisherigen Strukturen zu stärken, sagte er. Dem AK vorliegende Dokumente zeigen, dass genau das das Anliegen der „alten“ Geschäftsführung mit Michael Kaufmann und Barbara Bieding war. Sie und der damalige Aufsichtsrat schalteten danach vor gut eine Jahr die Kölner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Solidaris ein, die die Bildung einer gemeinsamen Betriebsführungsgesellschaft mit dem Plettenberger Krankenhaus empfahl. Über die praktische Umsetzung dieser Pläne seien 2009 bereits intensive Verhandlungen mit der AOK und dem Verband der Ersatzkassen geführt worden. Ziel sei es gewesen, in Altena sowohl Reha-Betten als auch die Akutversorgung aufrecht zu erhalten, was nur im Zusammenspiel mit dem Plettenberger Haus möglich gewesen wäre, wie es in den Papieren heißt. Die damaligen Planungen scheiterten nach dem AK ebenfalls vorliegenden Informationen am Veto des Bistums, wo das gleichberechtigtes Miteinander mit den Plettenbergern in einer Holding nicht erwünscht war. Bistumsvertreter waren auch am Dienstag wieder in Altena – zu einer Sitzung mit der Geschäftsführung und Bankenvertretern. Für Mittwoch sind eine Mitarbeiterversammlung und eine Pressekonferenz geplant. Gerade mit Blick auf die Mitarbeiter sei er tieftraurig über die Entwicklung, sagte Linderhaus gestern – neben einer „tollen Immobilie“ habe er in Altena ein motiviertes Team aus Ärzten und Pflegern vorgefunden. Er sei fest davon überzeugt, dass auf dieser Grundlage eine vernünftige Entwicklung des Krankenhauses möglich sei. Dass es finanzielle Probleme gebe, sei ihm bewusst – „wir brauchen mehr Patienten“. Abgesehen von einem nicht erklärbaren Rückgang der Fallzahlen im Mai habe es in allen übrigen Monaten des Jahres 2010 Zuwächse bei der Auslastung der Betten gegeben. Hier gelte es anzusetzen. „Aber das kann man nur gemeinsam“, mahnte der Chefarzt. Verbesserungen seien kaum zu erreichen, „wenn man ständig in der Defensive ist“. - ben.-

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