Krankenhaus verkauft - das ist der neue Besitzer

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Das leerstehende Krankenhaus ist nun verkauft.

Altena – Das Krankenhaus in Altena ist verkauft. Der neue Besitzer kommt aus dem Ausland. An dessen Firmensitz gibt es ein pikantes Detail.

Viel zu tun gab es am 15. April im Grundbuchamt des Altenaer Amtsgerichts: 19 Flurstücke im Bereich Steinstraße, Bornstraße und Kesselbrink wechselten an diesem Tag den Besitzer. 

Seither ist die luxemburgische Firma Lone Ranger Investments S.A. Eigentümerin des ehemaligen Krankenhauses, des angrenzenden Ärztehauses und des ehemaligen Schwesternwohnheims. 

Der neue Eigentümer der rund 11 000 Quadratmeter großen Immobilie hat seinen Sitz an der Rue Beaumont 23 im luxemburger Stadtteil Lëtzebuerg. Diese Adresse taucht in den Panama-Papers mehrfach als Sitz von zur Steuerersparnis gegründeten Briefkastenfirmen auf. Die Lone Ranger Investments ist dort allerdings nicht gelistet. 

Infos zum neuen Besitzer

Das Unternehmen hält sich sehr bedeckt: Eine Homepage gibt es nicht, auch eine Telefonnummer lässt sich nicht herausfinden. Das luxemburgische Handelsregister verrät immerhin den Geschäftszweck: „Location et exploitation de biens immobiliers propres ou loués“. Also die Vermietung und die Bewirtschaftung von eigenen oder geleasten Immobilien. 

Das Unternehmen wurde 2007 gegründet und verfügt über ein Stammkapital von 31 000 Euro. Was die Luxemburger mit dem Altenaer Krankenhaus wollen? Eine entsprechende schriftliche Anfrage des AK blieb bis heute unbeantwortet. 

Schweigen auf vielen Seiten

Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein berichtet von Gesprächen mit dem neuen Eigentümer, mag sich zu deren Inhalten aber nur insoweit äußern, dass die Stadt die neuen Eigentümer kontaktierte habe, wenn Missstände aufgetreten seien. Seines Wissens werde das Krankenhaus auch schon wieder auf dem Markt angeboten, sagte der Bürgermeister auf Anfrage. Auch das Grundbuchamt kann keine Angaben dazu machen, was die Luxemburger mit dem Komplex vorhaben. 

Gebaut wurde das Krankenhaus von der katholischen Kirchengemeinde. Sie tat sich schon in den 1990er Jahren schwer mit der Finanzierung. Zunächst sollte die Zusammenarbeit mit einem Wuppertaler Krankenhaus die Probleme lösen. 

Insolvenz 2016

Als das nicht funktionierte, erfolgte 2011 der Verkauf an die Deutsche Klinik-Union, die eine Sankt-Vinzenz-Altena-GmbH gründete. Die Hoffnung, dass sie das Vinzenz-Schiff in ruhigeres Fahrwasser bringen könnte, währte nur kurz: Anfang 2016 eröffnete das Amtsgericht Hagen wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren für die St.-Vinzenz- Altena-GmbH. 

Damit begann der letzte Akt: Die Schweizer Gesellschaft Palanx aus Steckborn am Bodensee übernahm das Haus – überraschend vor allem deshalb, weil dieses Unternehmen bis dahin mit Krankenhäusern nichts am Hut hatte, sondern Softwarelösungen für die Parkraumbewirtschaftung herstellte. Geschäftsführer wurde unter diesem Eigentümer Michael Kaufmann, der schon von 1996 bis 2009 Geschäftsführer war. 

Turbulente Monate

Die letzten Monate waren besonders turbulent: Der ehemalige Chefarzt Dr. Balbach kam für einige Monate zurück, überwarf sich dann aber mit Kaufmann. Chef-Chirurg Dr. Ernst, der kurz zuvor noch über eine Übernahme nachgedacht hatte, verließ das Haus ebenfalls – damit war die Chirurgie quasi tot, operiert wurde nur noch ambulant. 

Am 26. Oktober 2016 stellte das Krankenhaus erneut einen Insolvenzantrag, zum Insolvenzverwalter wurde die Dortmunder Wirtschaftskanzlei Husemann und Partner bestimmt. Sie stellte Anfang 2017 zunächst den Krankenhausbetrieb ein, wenig später folgte das Aus für das Altenpflegeheim. 

Seitdem steht der gesamte Komplex mit Ausnahme von einigen vermieteten Altenwohnungen in den oberen Stockwerken leer. Im März 2017 gab es Kontakte zwischen der Stadt und einem potenziellen Käufer, der neben einem Altenpflegeheim auch ein Medizinisches Versorgungszentrum gründen wollte. Er sprang aber wenig später wieder ab.

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