St. Vinzenz kämpft gegen den Schmerz

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So sollen sie später mal aussehen, die Zimmer für die Schmerzpatienten: Dirk Mertens, Dr. Matthias Giesel und St. Vinzenz-Verwaltungsleiter Tim Wiese in einem der Komfortzimmer.

Altena - Die neue Anästhesie-Abteilung erlaubt es dem St. Vinzenz-Krankenhaus, sein Leistungsspektrum zu erweitern. So geht Anfang Oktober eine „palliative Einheit“ an den Start. Dort kümmern sich Anästhesie-Chef Dr. Matthias Giesel und sein Team zusammen mit Spezialisten vieler anderer Fachrichtungen um die Lebensqualität unheilbar kranker Menschen.

Den Anfang macht die Haustechnik: Deren Leiter Dirk Mertens und seine Kollegen sind gerade dabei, acht Zimmern im zweiten Stock durch neue Farben und Vorhänge ein wenig den Krankenhaus-charakter zu nehmen. Neue, elektrisch verstellbare Betten werden folgen. Wenn das neue Angebot gut angenommen werde, sollten die Zimmer nach und nach so ausgestattet werden, dass sie den Komfortzimmern auf der gleichen Etage ähneln, schwebt Mertens vor.

Am Erfolg der palliativen Abteilung hat Dr. Giesel keinen Zweifel: „Es gibt da einen Riesenbedarf“. Ziel seiner Arbeit werde es sein, ein Netz zu spinnen, in dem sich Menschen mit der Diagnose „unheilbar“ gut geborgen fühlen. Neben den Anästhesisten als medizinischen „Schmerzspezialisten“ werden auch andere Krankenhaus-Ärzte (vor allem die Internisten) beteiligt sein. Hinzu kommen Ergo-und Physiotherapeuten, Seelsorger, der Sozialdienst und ein Psychologe – das St. Vinzenz-Krankenhaus arbeitet deshalb mit der Prinzhorn-Klinik in Hemer zusammen. Besondere Anforderungen werden auch an das Pflegepersonal gestellt – Pflegedienstleiterin Elisabeth Degener war eigens zur palliativ care-Fortbildung, um für die neue Aufgabe gewappnet zu sein. Nicht nur die Patienten selbst, sondern auch deren Angehörige würden betreut, betont Giesel. Rooming in sei möglich, damit sie möglichst oft und lange mit dem Kranken zusammen sein könnten, wenn sie das wollen.

Die palliative Einheit kümmere sich zwar um Patienten, die nur noch eine begrenzte Lebenserwartung hätten. Sie sei aber keine „Sterbestation“, betont Giesel. Ziel sei es vielmehr, den Patienten so einzustellen, dass er entlassen und entweder zuhause oder in einem Hospiz weiterleben könne. Dazu gehöre nicht nur die medikamentöse Behandlung seiner Schmerzen, sondern auch psychologische Betreuung – die Erkenntnis, dass eine Krankheit nicht mehr zu behandeln sei, sei für viele Betroffene nur schwer zu verkraften. Giesel: „So viel Lebensqualität wie möglich, und das in allen Bereichen – das muss Ziel unserer Arbeit sein“.

Wenn Giesel am Dienstag (16. September) um 17 Uhr in der Burg Holtzbrinck vor den Freunden und Förderern des Krankenhauses über seine Arbeit spricht, dann wird er neben der palliativen Einheit noch eine zweite Neuerung ankündigen: Das Krankenhaus richtet Anfang Oktober auch Betten zur multimodalen Schmerztherapie ein. Dort werden Patienten mit chronischen Schmerzen behandelt. - von Thomas Bender

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