Die zweite Miete ist in Altena Realität

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Die Kosten für Wasser und Abwasser sind moderat gestiegen.

ALTENA ▪ Beispiel Bismarckstraße: Eine 80 Quadratmeter große Baugesellschaftswohnung ist dort zu vermieten – für 307 Euro im Monat. Und dann kommen die Nebenkosten: Mit fast 230 Euro im Monat schlagen Wasser, Heizung, Müll und Schornsteinfeger zu Buche. Strom ist (außer der für Treppenlicht) darin noch nicht einmal enthalten, dafür zahlt ein Zweipersonenhaushalt bei der Mark-E zurzeit rund 60 Euro im Monat.

„Leider“ sei die so genannte zweite Miete inzwischen beinahe schon Realität, bedauert Joachim Effertz von der Baugesellschaft. Carsten Wendt vom Mieterverein in Hagen glaubt, dass das nicht besser wird – schließlich sei auch zukünftig mit steigenden Energiekosten zu rechnen. Hinzu kommt die in Altena für das nächste Jahr angekündigte Erhöhung der Grundsteuer.

2,30 Euro pro Quadratmeter – so laute die ungefähre Faustformel für die Ermittlung der Betriebskosten einer Wohnung, heißt es in einer Mitteilung des Mietervereins. Dessen Mitarbeiter müssen sich häufig mit Nebenkostenabrechnungen befassen und attestieren der Baugesellschaft, dass ihre Abrechnungen „in aller Regel fehlerfrei“ seien. Kleinere, private Vermieter hingegen seien mit der Materie häufig überfordert.

Die Energiekosten sind zwar nicht die einzigen, mit Sicherheit aber die größten Kostentreiber, wenn es um die Nebenkosten geht. Das geht aus einer Übersicht hervor, die die Baugesellschaft für das AK zusammengestellt hat. Danach stiegen die Ausgaben für Strom von 2001 bis 2011 um statte 75 Prozent. 12 Cent pro Kilowattstunde zahlte die Baugesellschaft vor zehn Jahren, heute sind es 21 Cent – und das, obwohl das Unternehmen mit Mark-E einen Rabatt ausgehandelt hat.

Um fast 60 Prozent gestiegen sind die Kosten fürs Gas – wobei die Baugesellschaft das längst nicht für alle ihre Häuser selber kauft. Vielfach verfügen die Wohnungen mit Gasetagenheizung, in diesen Fällen sind die Mieter selber Kunden der Stadtwerke oder anderer Anbieter und können frei wählen, woher sie ihr Gas beziehen.

Erstaunlich moderat haben sich zwischen 2001 und 2011 die Kosten für Wasser und Abwasser entwickelt. Sie stiegen um 18,1 Prozent auf 7,11 Euro pro Kubikmeter. Dieser Wert liegt deutlich unter dem, der für ein durchschnittliches Eigenheim anfällt – Folge der 2009 eingeführten Niederschlagsgebühr und der Tatsache, dass die versiegelten Flächen eines Mietshauses vergleichsweise gering sind.

Gesunken sind in den vergangenen zehn Jahren die Kosten für die Müllabfuhr: 2001 schlug eine 240 Liter-Tonne mit 461,40 Euro im Jahr zu Buche, aktuell sind es 457,80 Euro. Dafür langten die Schornsteinfeger kräftig zu. 25,48 Euro pro Haus bezahlte die Baugesellschaft im Jahr 2001, 2011 waren es schon 41,22 Euro.

Natürlich bemühe sich sein Unternehmen, die Kosten für die Mieter möglichst niedrig zu halten, versichert Effertz. Beispiel Müll: Wo der Eindruck entstand, dass es zu viele Tonnen gebe, wurde deren Zahl in den vergangenen Wochen reduziert. „In vielen Fällen hat das funktioniert“, weiß der Vorstand – und wo es nicht geklappt hat, wurden die Tonnen wieder aufgestellt. Auch die Kosten für Gebäude- und Haftpflichtversicherungen hat das Team der Baugesellschaft kürzlich überprüft – mit dem Ergebnis, dass der Anbieter nicht gewechselt werden musste.

Keinen Handlungsbedarf sieht Effertz, wenn es um Strom und Gas geht – schließlich habe man mit den lokalen Anbietern Sonderkonditionen ausgehandelt, außerdem verstehe sich die Baugesellschaft als stark lokal ausgerichtetes Unternehmen. Unausgesprochen blieb seitens des Vorstandes ein weiterer Punkt: Der Stadt als größter Anteilseigner des Unternehmens gehören 75 Prozent der Stadtwerke-Aktien, auch an Mark-E ist sie beteiligt. Bräche diesen beiden Unternehmen ein Großkunde wie die Baugesellschaft weg, wäre das sicher nicht im Interesse der Stadt.

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