Für die Kosten des Autos kann man viel Taxi fahren

Die beteiligten Partner an der Info-Aktion.

ALTENA ▪ Das Jahr fängt gut an: Bisher wurde in Altena nur eine Verkehrsteilnehmerin über 65 Jahre bei einem Unfall verletzt – und die war an dem Zusammenstoß ihres Fahrrads mit einem Auto auch noch völlig unschuldig. Trotzdem bleibt das Thema Senioren für Polizei und Verkehrswacht aktuell: Zwischen 2007 und 2010 habe es einen kontinuierlichen Anstieg verletzter Autofahrer im Rentenalter gegeben, berichtete gestern Matthias Radtke, der Leiter der Polizeiwache Altena.

2010 wurden in Altena insgesamt 51 Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt. 15 von ihnen waren über 65 Jahre alt. Und: Zu etwa 70 Prozent wurden sie Opfer eines von ihnen selbst verschuldeten Unfalls. Verkehrswacht-Vorsitzender Dieter Richter spricht von einem bundesweit zu beobachtenden Trend, der in Altena wegen des hohen Altersdurchschnitts der Bevölkerung etwas schneller vonstatten gehe. Und es müssen ja auch nicht immer Unfälle sein: Radtke erinnerte gestern noch einmal an den Fall jenes 82-Jährige Altenaers, der im März wegen einer Baustelle auf dem gewohnten Weg zum Baumarkt völlig die Orientierung verlor und mehrere Stunden durch den Märkischen Kreis irrte

Deswegen ziehen seit Jahresbeginn viele Organisationen an einem Strang, um gemeinsam gegen Seniorenunfälle vorzugehen. Federführend sind Polizei und Verkehrswacht – Radtke und Dieter Richter waren bereits in zehn Seniorenkreisen zu Gast, um dort über das Thema zu reden. Aber auch der Motorsportclub macht mit. Er baut im Juli auf dem Parkdeck am Behördenparkhaus einen Parcours auf, auf dem ältere Autofahrer testen können, ob sie zum Beispiel beim Einparken oder auch beim Befahren enger Gassen noch fit sind.

Das sei ein Pilotprojekt, teilt MSC-Verkehrsreferent Heinz Wagener stolz mit. Der ADAC Westfalen habe seinen Plan sehr interessiert aufgenommen und um eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltung gebeten.

Zurück zu Dieter Richter und Matthias Radtke: Sehr interessiert seien die Besucher der Seniorenkreise, berichtete Richter. Allerdings: Wenn es ernst wird, machen viele einen Rückzieher. In einem der Kreise sei die Idee aufgekommen, im Nachklang der Veranstaltung auch einen Seh- und Reaktionstest anzubieten – „dafür haben sich dann aber nur drei Teilnehmer gemeldet“.

Merken, wann es nicht mehr geht – das ist wichtig für ältere Autofahrer. Deshalb holen Radtke und Richter jetzt auch Ärzte und Apotheker mit ins Boot. Einige hundert Exemplare einer Broschüre des Deutschen Verkehrssicherheitsrates werden an sie verteilt. „Fit und Auto-Mobil“ soll ganz gezielt an ältere Menschen verteilt werden, bei denen sich die Frage nach deren Fahrtüchtigkeit stellt (siehe Kasten).

„Es geht nicht darum, älteren Menschen den Führerschein abzunehmen“, betont Radtke immer und immer wieder. Zwar gebe es Situationen, die das Autofahren wirklich unmöglich machen, zum Beispiel eine Demenzerkrankung. Oft aber seien die Einschränkungen noch so gering, dass es ausreiche, sich bestimmten Situationen nicht mehr auszusetzen, meint Radtke – „dann sollte man vielleicht darauf verzichten, in unbekannte Großstädte zu fahren“.

Und was ist mit regelmäßigen, verbindlichen Tests für Autofahrer ab einem gewissen Alter? „Ganz privat“ wäre Radtke dafür, Richter erinnert daran, dass Taxifahrer und andere Berufsgruppen ja auch regelmäßig zur Untersuchung müssen. Dass man ohne Führerschein in eher ländlich geprägten Gebieten wie Altena aufgeschmissen sei, lässt er nicht gelten: Für die Fixkosten eines Pkw könne man locker zwei, drei Mal pro Woche mit dem Taxi in die Stadt fahren.

vonThomas Bender

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare