Koslowski singt – und gibt den Sinatra

Erst dann ist alles gut: Wenn Nico Koslowski auf der Bühne steht und das Mikro in der Hand hat, fällt die Anspannung von ihm ab – auch bei ganz großen Auftritten wie hier mit Bigband und Kammerorchester.

ALTENA - Tagesüber ist er Maurer beim Baubetriebshof, abends wird gesungen. „Eigentlich schon ganz lange”, berichtet Nico Koslowski. Allerdings: Was mit dem Liedchen und der Dusche begann und dann „ganz privat” mit Karaoke im heimischen Wohnzimmer seine Fortsetzung fand, ist längst zur ernsthaften Passion geworden.

Neulich fand sie ihren vorläufigen Höhepunkt, der 39-Jährige Altenaer stand in Wipperfürth mit fast drei Dutzend Musikern der Big Band Kierspe und des Wipperfürther Kammerorchesters auf der Bühne.

2005 stieß Koslowski auf die Anzeige einer Lüdenscheider Band - „Sänger gesucht”. Er rief an, stand bald zum ersten Mal auf der Bühne. Mit der Band wurde er nicht warm. Aber das Gefühl, vor Publikum zu singen, das ließ ihn fortan nicht mehr los. „Das macht mir einfach Spaß,” sagt er.

Findungsphase

Es folgte das, was Koslowski heute „meine Findungsphase” nennt. Er sang mal mit diesem, mal mit jenem, arbeitete mit den verschiedensten Musikern und Bands zusammen. Bis dann vor etwa einem Jahr der Anruf von Ralf Holder kam. Er und Koslowski kennen sich vom Kanufahren, haben beide ein Faible für Musik und deshalb schon „just vor fun” auf Freizeiten des Altenaer Canu-Vereins abends zu Liederbuch und Gitarre gegriffen und ganze Campingplätze unterhalten. Holder spielt in der Big Band Kierspe, der war ein paar Monate später der Sänger ausgefallen: „Hast Du Lust, da einzuspringen?” Koslowski hatte...

„Music” war das erste Stück, das der Altenaer mit der Big Band sang. „Das ist einfach mein Lied”, sagt er über den Song von John Miles. Für Sänger ist das eine alles andere als leichte Kost, wegen der ständig wechselnden Höhen. In Wipperfürth musste er es gleich zweimal singen, einmal im Hauptprogramm und später dann als Zugabe. „Das habe ich gut hinbekommen”, freut er sich heute noch und erklärt, dass ihm der schwierige Wechsel zur Kopfstimme gut gelungen sei. Das hat er sich selber beigebracht. „Ich habe mal Unterricht genommen, zwei Stunden lang - dann war mir das zu teuer,“ erklärt der Autodidakt, der bis heute allein aus Spaß an der Freude singt und nicht, um damit Geld zu verdienen.

Die Zusammenarbeit mit der Big Band bringe ihn voran, ist der Altenaer sich sicher. Da ist zum einen die musikalische Leitung durch Dirk Pawelka, der seit über 30 Jahren im Geschäft ist und sehr professionell agiert. Zum anderen gibt es neben Koslowski noch zwei Sängerinnen, man lernt voneinander. Mit einer von ihnen - Michaela Neunz - sang er in Wipperfürth den durch Frank und Nancy Sinatra bekannt gewordenen Klassiker „somethin’ stupid” und sorgte auch damit beim Publikum für Gänsehaut-Feeling. Die Zusammenarbeit mit der Big Band sei toll, sagt der Altenaer - und deren gemeinsames Konzert mit dem klassischen Orchester eine weitere Steigerung: „Da sind dann noch mehr Emotionen drin”.

Emotionen pur

Apropos Emotionen. Die fahren bei solchen Auftritten bei Koslowski Achterbahn. Fürchterlich nervös sei er vor seinen Auftritten, gesteht er. Ansprechen darf man ihn dann nicht, er verkriecht sich irgendwo hinter der Bühne. Erst wenn er sie betritt und das Mikro in der Hand hat, dann fällt die Anspannung von ihm ab.

Übrigens stand der 39-Jährige auch schon mehrfach in anderer Mission auf der Bühne: Seit 2005 als Akteur bei Aufführungen des Amateurtheaters „Auf Draht“. Gesang und Schauspielerei zu verbinden, das wäre noch was, träumt er so ein bisschen von einer Musical-Rolle. Aber natürlich nur abends, nach Feierabend im Baubetriebshof... - Von Thomas Bender

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