Klangschönes und Romantisches von Roberto Legnani

Seine Deutschland-Tournee mit 49 Terminen begann am Mittwochabend Roberto Legnani in der Stadtbücherei. Neben Eigenkompositionen lud er unter anderem zu musikalischen Exkursionen nach Argentinien, Uruguay und in den deutschen Barock ein.

Altena -  Roberto Legnani ist kein Mann großer Worte. Nach der Begrüßung durch Bibliotheks-Leiter Antonius Gusik absolvierte der Gitarrist am Mittwochabend fast ein ganzes Konzert ohne ein einziges Wort.

Erst vor der Zugabe schilderte er die Umstände seines Auftritts: eine Stunde Schlaf, Aufstehen um drei Uhr morgens, lange Anfahrt nach Altena. Dieser Hinweis lieferte einen weiteren Grund, über die Virtuosität und klangliche Präzision des Gitarristen zu staunen, der alle Stücke ohne Noten spielte. Er selbst zeigte sich am Ende erfreut darüber, dass er nicht eingeschlafen war.

Der Auftritt in der Stadtbücherei war der erste seiner Deutschland-Tournee 2018 mit stattlichen 49 Terminen. Das Programm war anspruchsvoll und abwechslungsreich. „Stimmungen aus dem Leben von König David“ nannte Legnani eine Eigenkomposition in der Tradition altjüdischer Melodien, die in die Musik Andalusiens eingingen. Vertraute Klänge stammten von Francisco Tarrega, Isaac Albéniz und Manuel de Falla.

Musik zum Kennenlernen boten mehrere Kompositionen von Agustín Barrios Mangoré. Er ließ sich durch die Kathedrale von Montevideo zu seinem Werk „La Catedral“ inspirieren, dessen Schlusssatz viel Spieltechnik erforderte. Sportliche Virtuosität stand an diesem Gitarrenabend allerdings nicht im Vordergrund: Legnani pflegte das entspannte, klangschöne Spiel ansprechender Melodien, die durch die Ohren wohlig durch den Leib zu perlen schienen. So empfand es wohl nicht nur eine Besucherin.

Neben musikalischen Exkursionen nach Argentinien und Uruguay ging die Reise auch zeitlich zurück in die Welt des deutschen Barock, wo Dietrich Buxtehude ansprechende Kompositionen für Zupfinstrumente schuf. Sein dreisätziges Werk unterschied sich deutlich von den ansonsten eher romantischen Gitarrenkompositionen. Gut 100 Jahre nach Buxtehude erlag Mauro Giuliani dem grassierenden Rossini-Fieber und schrieb „Le Rossiniane“. Das Werk hätte einen wunderbaren Gitarrenabend abgeschlossen, wenn nicht noch die einem Trauernden gewidmete Zugabe gewesen wäre: Seine Melodie war das letzte Band zur verlorenen Geliebten, die einst Sonne in sein Leben gebracht hatte.

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