800 Konzertbesucher

Rabenschrey komponiert „Scheinheilig"

ALTENA ▪ Rabenschrey hat die Pressung einer gerade eingespielten CD gestoppt. Ohne kirchenkritisches Lied gehe es wohl doch nicht, hatte die Gruppe angesichts der Diskussionen vor ihrem Auftritt Freitagabend auf der Burg beschlossen und mit „Scheinheilig“ ein entsprechendes Stück komponiert.

Es erlebte beim Konzert in Altena eine Welturaufführung. Dir Gruppe singt über brave Schäflein, die nur glauben und akzeptieren, aber nicht hinterfragen oder kritisieren dürfen.

Zu allen Zeiten sei es Aufgabe von Künstlern gewesen, öffentlich Kritik zu äußern – so Bandleader Donar von Rabenschrey vor dem Konzert im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei Fakt, dass die Kirche im Mittelalter und auch danach zahlreiche Verfehlungen begangen habe.

Bilder vom Mittelaltermarkt und dem Konzert:

Mittelaltermarkt: Eröffnung und Rabenschrey-Konzert

Deshalb dürfe und müsse es zu den Prinzipien einer sich an dieser Epoche orientierenden Band gehören, den Finger in diese Wunden zu legen. „Ich habe schon vor Pfarrern gespielt, die haben darüber schallend gelacht“, sagte er.

Mittelaltermarkt Altena 2012

Mittelaltermarkt Altena

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Auch in den Ansagen zu den einzelnen Stücken nahm Donar von Rabenschrey immer wieder Bezug auf die Kirchen-Kritik. Immerhin habe das Konzert die Ökumene vorangebracht, sagte er mit einem Augenzwinkern – wie berichtet, hatten sich sowohl die katholische als auch die evangelische Kirchengemeinde in einem Brief an die Veranstalter kritisch zu dem Auftritt geäußert.

Um die 800 Leute waren zu dem Rabenschrey-Konzert erschienen. Es erinnerte mehr an Burgrock als an Mittelaltermarkt. Rabenschrey begann zwar vor über zehn Jahren als „klassische“ Mittelalter-Musikgruppe, entwickelte sich dann aber immer mehr in Richtung Heayv Metal. Aus Mittelalter wurde so im Laufe der Jahre Metalalter, wie die Band ihre Musikrichtung heute selber nennt. Rammstein, In Extremo, Subway to Sally – das sind Bands, an die man sich beim Besuch des Konzertes durchaus erinnert fühlen konnte.

Allerdings: Inhaltlich geht es auch heute noch ums Mittelalter, zum Beispiel beim Stück „Walhalla“. Die „Walhall“ war in der nordischen Mythologie der Ruheort der in einer Schlacht gefallenen Kämpfer. Das Stück beschreibt den Kampf der Wikinger gegen die (historisch nachweisbaren) gewaltsamen Versuche, sie zu missionieren: „Wir töteten sie alle, die mit dem Kreuz auf der Brust. Sie hoben gegen uns das Schwert . Wir kämpften hart und hatten kaum Verlust“. Im „Hurenlied“ geht es um die „fröhlich Weibsleut mit dem gelben Bändel um das Ärmelein“.

Ein Resumee? Wem die Musik gefiel, der hatte erkennbar einen netten Abend. Wie textet Rabenschrey doch in „Tanz Dir die Seele aus dem Leib“ so schön: „Auch heute noch von Zeit zu Zeit könnt ihr die Spielleut hören, die leuchtende Melodie mit der sie euch betören. Vergesst die Sorgen um euch rum, erwecket sie zum Leben. Ein bisschen Freiheit für die Seele werden sie euch geben....“

Von Thomas Bender

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