Dem Dieb keine Chance geben

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Frank Enser gab seinen Zuhörerinnen Broschüren mit auf den Weg. Das Kommissariat Vorbeugung kommt auch ins Haus.

ALTENA -   Die Seniorin hat noch mal nachgezählt, ob es wirklich 300 Euro sind, die ihr am Bankschalter ausgezahlt wurden. Dafür hat sie sich nur ein wenig zur Seite geneigt und dem Dieb in der Schalterhalle freien Blick auf ihr Bargeldvermögen gewährt.

Auf dem Wochenmarkt passt er sie ab und bekleckert sie. Während er sie so in ein Gespräch verwickelt, greift ein Komplize in ihre Tasche, fischt das Portemonnaie heraus und gibt es blitzschnell an eine dritte Person weiter. „Das sind ganz typische Tricks von Straßenkriminellen!” erklärte Frank Enser am Dienstag acht Frauen in der Burg Holtzbrinck.

Der Hauptkommissar aus der Service-Dienststelle Vorbeugung überraschte seine Zuhörer mit zahlreichen Fallbeispielen wie diesem im Rahmen des VHS-Seminars für Senioren. Wer dem Dieb gar nicht erst den Blick auf seine Finanzen gewähre, der wecke auch nicht sein Interesse an einem Überfall. Ein weiteres Beispiel sei die Masche mit dem Euro: Wer von Fremden auf dem Weihnachtsmarkt um eine kleine Bargeldspende gebeten werde, sollte sie nie aus dem Portemonnaie ziehen. „Wenn Sie etwas geben wollen, dann aus der Jackentasche. Da wird sie mancher Trickdieb sogar noch schief für angucken…”

Auch fürs Geldziehen am Automaten hat Frank Enser nützliche Tipps: Gemieden werden sollten Geräte im ungeschützten Raum. Ein neuer Trick von „Klau-Kids” sei, sich mit einem Klemmbrett in der Nähe zu postieren und im Moment der Geldausgabe dieses vor die Nase des Bankkunden zu halten. Oft komme bei diesen Maschen nicht nur der Bargeldbetrag, sondern auch noch die Karte weg. „Wenn Leute in der Nähe des Geldautomaten lungern, dann ziehen Sie bitte kein Geld”, rät Enser nicht nur Menschen im Seniorenalter. Wurde der Kartenschlitz mit Klebeband manipuliert und die Karte kommt nicht mehr raus, sollte man sich keinesfalls vom Geldautomaten wegbewegen, sondern sofort die Polizei rufen und auf ihr Eintreffen warten. Betrüger ziehen die Karte nämlich sonst samt ausgelesener Pinnummer heraus und plündern das Konto.

Lässt sich die Nutzung eines Geldautomaten nicht vermeiden, dann könne der Kunde durchaus mal am Bedienfeld rütteln und auf kleine, gerade mal Daumennagel große Webcams achten, die von Kriminellen installiert werden. Wer größere Bargeldbeträge abheben will, der kann in jeder Bank um Auszahlung in einem Nebenzimmer bitten.

Wer trotz Vorsicht und Misstrauen in die Fänge Krimineller gerät, sollte Öffentlichkeit schaffen: Pöblern im Bus sollte laut und deutlich gesagt werden, dass ihre Straftat soeben aufgezeichnet wird. „Jeder moderne MVG-Bus hat Video- und Mikrofonaufzeichnungen an Bord”, klärte Enser auf. Den Busfahrer kann jeder Kunde bitten, die Bänder zur weiteren Strafverfolgung zu sichern. In einer stark frequentierten Bahnhofshalle gelten folgende Regeln: Die Straftat müsse beim Hilferuf genau benannt werden: „Wer Feuer schreit, wenn er gerade Überfallen wurde, bekommt keine Hilfe. Sprechen Sie gezielt einen Menschen an, der ihnen helfen soll. Und wenn Sie mit einem Täter diskutieren müssen, dann duzen Sie ihn nicht. Jeder Umstehende würde denken, dass Sie ihren Gesprächspartner kennen.”

Vornehme Zurückhaltung sei nicht angebracht bei Straftätern. Buchstäblich darf jeder Bürger die Notbremse ziehen, wenn er bedroht wird: In einem leeren Zugabteil zum Beispiel.

Frank Enser weiß, dass es dafür eine hohe Hemmschwelle gibt. „Aber die Notbremse heißt nicht umsonst Notbremse. Sie selbst entscheiden, wann sie in Not sind und nicht die Deutsche Bahn”, gab Enser seinen Zuhörerinnen mit auf den Weg. Unabhängig von Vorträgen wie diesen hilft das Kommissariat Vorbeugung jederzeit in Fragen der Kriminalitätsprävention: Zu erreichen ist es unter 02373/9099-5513. Auch kostenlose Hausbesuche werden von den Beamten angeboten.

von Ina Hornemann

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