Kommunalwahl 2020

Wenig Personal im Rathaus: Wie soll es weitergehen? Parteien in Altena antworten

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Stundenlang standen die Bürger vor dem Bürgerservice am Markaner und warteten, um ihre Angelegenheiten erledigen zu können.

Innenstadt, Lennepark, Stadtentwicklung: Wie stehen die Parteien und Gruppierungen zu den Themen, die Altena bewegen? Wir haben sie befragt.

Vier Fragen stellen wir den für den Altenaer Stadtrat kandidierenden Parteien beziehungsweise der Wählergemeinschaft SDA stellen. 

Das vierte Thema lautet: Vor dem Bürgerbüro standen die Leute stundenlang Schlange, weil drinnen nur ein Mitarbeiter der Verwaltung im Dienst war. Das Jugendzentrum bleibt geschlossen, weil der einzige hauptamtliche Mitarbeiter langzeiterkrankt ist. 

Halten Sie die Stadtverwaltung noch für handlungsfähig und welche Vorschläge zur weiteren Personalpolitik haben Sie – gerade auch vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren viele Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden werden?

Kommunalwahl in Altena: Die Antwort der CDU

"Ja, das ist nicht akzeptabel. Wir verstehen Verwaltung als Dienstleistung am Bürger. Die Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führt zu Engpässen, deshalb wird die Personalplanung zukünftig breiter aufgestellt und Allrounder bei Bedarf im Bürgerservice eingesetzt. 

Das Ziel ist die Sicherstellung der Dienstleistung für den Bürger. Es wird zukünftig eine telefonische und internetgestützte Terminvereinbarung eingeführt. 

Auf Kernaufgaben konzentrieren

Die Digitalisierung ist in diesem Punkt an Altena etwas vorbeigegangen, und viele Dinge könnten auch heute schon online erledigt werden. Die personelle Leistungsfähigkeit der Verwaltung ist an den Grenzen angekommen. Viele Aufgaben werden uns vorgeschrieben, und die müssen einfach erfüllt werden. 

Damit das gelingt, soll sich die Verwaltung auf Kernaufgaben konzentrieren. Das heißt aber nicht, dass wir zukünftig mit weniger Personal auskommen. Wir sind den Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung für ihren Einsatz sehr dankbar. 

Mitarbeiter nicht schuld

Wir halten auch nichts davon, den „Schwarzen Peter“ an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterzugeben. Wir in der Politik sind verantwortlich. Was wir tun können, ist eine vorausschauende Personalpolitik: Dazu gehört ein Personalentwicklungskonzept, das auch Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten beinhaltet. Wir werden kontinuierlich und rechtzeitig Stellen ausschreiben und auch selbst ausbilden. 

Keinen Personabbau

Es wird mit der CDU keinen weiteren Personalabbau geben, und wir werden alle freien Stellen wieder besetzen. Wir freuen uns auf jede neue Kollegin oder jeden Kollegen, den wir in Altena begrüßen können."

Kommunalwahl in Altena: Die Antwort der SPD

"Die aktuelle Situation zeigt, worauf wir schon länger hinweisen. Die Verwaltung wurde aufgrund des Diktats einer Stärkungspaktkommune in der Haushaltssicherung über die Grenze der Belastung dezimiert. 

Zeitnah Nachfolgen regeln

Neben dem Bürgerbüro hat dies auch die Probleme mit den Tagesmüttern Anfang des Jahres gezeigt. Ein neuer Azubi in diesem Jahr wird bei weitem nicht ausreichen, um die Schieflage in der Personaldecke zu beheben. Hier müssen wir gemeinsam schauen, welche Stellen wie stark belastet sind und wo zeitnah Nachfolger für ausscheidende Mitarbeiter aufgebaut werden müssen. 

Es bleibt auch abzuwarten, welchen Führungskurs der neue Bürgermeister einschlägt. Hier sollte dringend auf eine nachhaltige Motivation der Mitarbeiter gesetzt werden."

Kommunalwahl in Altena: Die Antwort der Grünen

"Der Sparkurs der vergangenen Jahre hat die Mitarbeiter im Rathaus besonders belastet und von den Bürgerinnen und Bürgern an manchen Stellen Geduld verlangt. Wir müssen in der Zukunft bereit sein, bei finanziellen Spielräumen auch Stellen wieder neu zu schaffen und mehr in die Ausbildung zu investieren. 

Auch Online-Dienstleistungen müssen wir ausbauen, um kundenfreundlicher zu werden. Bei der Ausbildung wollen wir auch den originären Bereich der Verwaltung stärker berücksichtigen. 

Bessere Vertretungsregelungen

Wir brauchen in der Verwaltung klarere Prioritätensetzungen und funktionierende Vertretungsregelungen. Es darf nicht wieder passieren, dass durch Krankheit oder Urlaub ganze Arbeitsbereiche der Verwaltung geschlossen werden müssen. 

Als Arbeitgeber konkurriert die Stadtverwaltung mit anderen Verwaltungen um wertvolle Arbeitskräfte. Wir wollen die Stadtverwaltung als Arbeitgeber attraktiver machen. Dies kann über die Bereitstellung eines bezuschussten Jobtickets für den ÖPNV geschehen.

Homeoffice und E-Bikes

Auch eine Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Leasing einen E-Bikes wollen wir ermöglichen. Bestehende rechtliche Bedenken wollen wir ausräumen und eine Regelung rechtssicher ausgestalten. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass die Bereitstellung von Heimarbeitsplätzen ausgebaut werden kann, ohne dass die Qualität leidet. 

Wir wollen es daher auch künftig ermöglichen, tageweise im Home-Office zu arbeiten. Dies schont auch die Ressourcen bei der Bewirtschaftung des Rathauses."

Kommunalwahl in Altena: Die Antwort der Linken

"Es gibt eine Karikatur, welche in den sozialen Medien kursiert und zur aktuellen Situation in Altena gut passt: Auf einem Schiff sitzt der Kapitän zusammen mit einigen Beratern, die schicke Anzüge tragen. Niemand sitzt an den Rudern, das Schiff steht auf dem Meer und fährt nicht. 

Daraufhin sagt der Kapitän: „Wir haben nun doch alle Lohnkosten gesenkt, so wie es gefordert wurde. Aber es geht einfach nicht voran – ich verstehe das nicht.“ 

Trendwende nötig

Wie soll etwas vorangehen, wenn das Personal fehlt? Die Parteien haben das Verwaltungspersonal in den vergangenen Jahren heruntergespart – das muss man mit so drastischen Worten sagen. 

Hier braucht es eine vollständige Trendwende. Wir brauchen Ausbildungsplätze und für die Angestellten auch attraktive Karrierewege, Qualifizierungsprogramme und Arbeitszeitmodelle. 

Gerade im Bürgerbüro, der Schnittstelle von Verwaltung und BürgerInnen, darf nicht gespart werden. Die Linke meint: Der Mensch muss immer im Mittelpunkt der Politik stehen. Mehrkosten für Personal werden sich auf Dauer übrigens für die Stadt rentieren, weil dadurch die Stadt insgesamt vorangebracht wird und dann auch Mehreinnahmen entstehen. 

Altena nicht kaputtsparen

Durch ein besseres und offensiveres Stadtmarketing würden beispielsweise die Einnahmen durch die Gewerbesteuer steigen, weil mehr Unternehmen nach Altena kommen – für ein gutes Marketing wird aber auch Personal benötigt. 

Altena darf nicht kaputtgespart werden. Die Linke fordert, dass in die Zukunft von Altena investiert wird."

Kommunalwahl in Altena: Die Antwort der SDA

"Die Verwaltung ist aus unserer Sicht aufgrund der Kürzungen im Personalbereich kaum mehr handlungsfähig und zudem durch die Art der Führung weiter geschwächt worden. Hier hätten wir uns eine zukünftige neue Leitung mit viel Verwaltungserfahrung gewünscht. 

Personalneueinstellungen sind dringend erforderlich, aber die Stadt Altena konkurriert dabei mit größeren Verwaltung en, die für mögliche Bewerber*innen attraktiver sind. Eine Lösung wäre die Ausweitung der interkommunalen Zusammenarbeit auf und neben der Lenneschiene. Denn auch die Nachbarkommunen kämpfen bei Stellenbesetzungen mit dem gleichen Problem. 

Interkommunale Bürgerbüros

Jede Kommune könnte sich auf bestimmte Aufgaben konzentrieren und mit der Schaffung von einem oder zwei Bürgerbüros, die besser personell und barrierefrei ausgestattet sein müssen, verkürzen sich die Wartezeiten der Kunden. 

Zudem wäre eine bessere Digitalisierung der Verwaltungen dringend erforderlich. Denn, wenn vom Bürger gewünscht, können Anträge auch von zu Hause aus gestellt werden und man muss nicht dem Sachbearbeiter vor Ort beim Ausfüllen der Formulare zusehen. 

Zusätzliche Stellen

Nicht interkommunal gelöst werden kann das Problem im Bereich der Jugendarbeit. Hier ist es wichtig, eine oder zwei zusätzliche neue Stellen zu schaffen, damit den Altenaer Jugendlichen endlich wieder ein ansprechendes Programm geboten werden kann. 

Zudem könnte ein Streetworker auch wieder aufsuchende Jugendarbeit wahrnehmen und damit entstehende Probleme lösen, bevor diese zu einem richtigen Problem werden."

Kommunalwahl in Altena: Die Antwort der FDP

"Dass Kienbaum den Stellenplan als „ambitioniert“ bezeichnet hat, dass die Krankenzahlen steigen, zeigt, dass hier der Bogen überspannt wurde. 

Da muss sich einiges ändern. Es kann nicht sein, dass Leben in Altena erstens teuer ist und zweitens noch mit wenig Service verbunden ist. 

Digitalisierung fördern

Eine mögliche Hilfe kann hier die Digitalisierung sein. Die Digitalisierung der Verwaltung liegt nicht nur der Bundes- und Landes-FDP am Herzen, auch hier vor Ort wäre der Sprung ins 21. Jahrhundert überfällig. 

Auch wenn der scheidende Bürgermeister immer mit Langzeiterkrankungen argumentiert hatte, so erscheint der FDP das nicht schlüssig. Ausbildung ist gut und wichtig, wird aber immer schwerer, wenn es immer weniger Mitarbeiter gibt, welche die Zeit haben, auszubilden. 

Mit Nachbarn kooperieren

Ich möchte daran erinnern, dass die FDP die Einführung des digitalen Rates ins Spiel gebracht hat. Eine weitere Digitalisierung muss dringend erfolgen. 

Ein weiteres schon immer von der FDP gefordertes Mittel ist die interkommunale Kooperation. Da ist Altena zwar auf dem Weg mit Nachrodt-Wiblingwerde, aber die Möglichkeiten sind lange nicht ausgeschöpft. 

Altena liegt an der Lenne, eine Zusammenarbeit mit weiteren an der Lenne gelegenen Kommunen ist nicht nur naheliegend, sondern auch zwingend erforderlich. Auch Werdohl liegt an der Lenne und braucht Kooperation."

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