Aufbruchstimmung verpufft

Kommentar: Für Urbact kann man sich nichts kaufen

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„Schöner schenken“ – auch dieses kleine Geschäft schließt an der Lennestraße. Große Abschläge erwarten die letzten Kunden.

Altena - Null Euro-Scheine auf der Burg der Renner, in der Innenstadt in absehbarer Zeit wieder zwei Geschäfte weniger – es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Fakt ist, dass die mit der Aufzugseröffnung verbundene Aufbruchstimmung längst verpufft ist.

Schlimmer als je zuvor sei die Lage, findet die Mehrzahl der Altenaer: Der Toom leer, der Neubau der Berg-Stiftung eine Bauruine, Leerstände noch und nöcher in der Innenstadt, immer noch kein Drogeriemarkt und in der Rahmede geht es auch nicht richtig vorwärts mit dem neuen Nahversorgungszentrum. Wenn denn wenigstens erkennbar wäre, dass etwas getan würde, um das Ruder rumzureißen! 

Geld ist da

Natürlich ist es richtig, dass Politik und Verwaltung gegen Schließungen einzelner Läden machtlos sind. Aber sie könnten eine Vision haben, eine Vorstellung davon, wie es weitergeht. Sie könnten mit den noch verbliebenen Einzelhändlern an einem Strang ziehen und beispielsweise eine neue Pop up-Aktion auf die Beine stellen. Geld dafür ist da, es wird dieses Jahr aber aller Voraussicht nach nicht ausgegeben. 

Bei der Vorbereitung des Stadtfestes blieb der Stadtmarketingverein auf sich allein gestellt, die Verwaltung ließ sich nicht blicken, als es um die Detailplanung ging. Da fragt sich der Bürger schon, welche Prioritäten in dieser Stadt eigentlich gesetzt werden. 

Lob der Kanzlerin

Völlig faszinierend ist, dass dieses „Binnengefühl“ der Altenaer überhaupt nicht mit der Wahrnehmung durch Außenstehende in Einklang steht. Zum Beispiel die Kanzlerin: Die verlieh uns Altenaern neulich nicht nur einen Preis, sondern erwähnte uns vor wenigen Tagen noch einmal lobend in einer Rede vor dem Städtetag. 

Auszeichnung für Stadtentwicklung

Die OECD wird nächste Woche vorbeischauen und sich erklären lassen, wie man’s hier macht. Zum Jubiläum der Partnerstadt Pinsk kann Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein nicht reisen, weil er zeitgleich in Tallin den (nicht dotierten) „good practice“-Preis der EU-Initiative Urbact abholen muss. 

Während ein Laden nach dem anderen schließt, wird Altena nämlich „für vorbildliche Praxisbeispiele der nachhaltigen integrierten Stadtentwicklung“ ausgezeichnet – das verstehe, wer will. 

Unterm Strich: Kanzlerinnenlob, riesige übermediale Aufmerksamkeit, Urbact – das ist im Grunde wie der Null Euro-Schein. Man kann sich dafür nichts kaufen.

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