Kreativität vor Gemeindeordnung

Die letzten acht Minuten sagten eigentlich alles: Zwei Minuten Zeit hatte jeder der vier Bürgermeisterkandidaten für ein „letztes Wort“ bei der Podiumsdiskussion der Kolpingsfamilie. Das wussten sie vorher und konnten sich entsprechend vorbereiten.

Katharina Hübenthal hatte das besonders gründlich getan: Juristin sei sie, habe Führungserfahrung und viele Ideen für Altena, pflege einen kollegialen Umgang und deshalb möge man sie zur Bürgermeisterin wählen – in exakt 120 Sekunden spulte die Kandidatin der Grünen ihre Bewerbungsrede runter und endete mit: „Ich brenne dafür, diese Stadt voranzubringen“.

Die Herren der Runde standen ihr deutlich nach. Frank Herbel (parteilos) fiel für das, was er noch zu sagen hätte, lediglich die Forderung nach einem neuen Standort für das Jugendzentrum und der Förderung des Ehrenamtes ein. „Hier geht mehr“ sagte der ebenfalls parteilose Volker Spitz und zeigte sich überzeugt davon, dass es „frischen Wind von außen“ geben müsse. Uwe Kober, der Bewerber der CDU, erzählte den Zuhörern eine Geschichte (so seine eigenen Worte) von einer guten Kindergartenlandschaft, günstigen Immobilien, schöner Umgebung und sicheren Arbeitsplätzen – all das finde man in Altena.

 Moderiert wurde die Diskussion von den beiden Journalisten Sabine Langenbach und Christof Hüls. Sie stellten die Kandidaten zunächst persönlich vor, dann wurde es politisch – mit einem Altena-Monopoly. Zwei Millionen Euro bekam jeder, durfte es auf ein beliebiges Feld setzen. Volker Spitz setzte auf den Lennetalradweg – wenig überraschend, ist das doch eines seiner zentralen Themen. Im weiteren Verlauf des Abends warf er der Kommunalpolitik vor, das Thema zu zögerlich angegangen zu sein: „Was ist denn in den vergangenen 20 Jahren gewesen? Mit wie viel Wollen ist man denn da dran gegangen?“.

 „Ich hätte gerne einen Lennestrand, auch wenn ich da nicht begraben werden möchte“, scherzte Uwe Kober analog zur Sauerlandhymne der Gruppe Zoff und setzte sein Spielgeld auf den Lennepark, der auf jeden Fall die Strahlkraft der Innenstadt erhöhen werde. Hübenthal setzte auf den Schwarzenstein, wo sie gerne Campingplatz, Biergarten und temporäres Wohnen in sogenannten Tiny-Houses angesiedelt wissen möchte. Herbel entschied sich für das Start-Feld: „Wir müssen endlich mal anfangen“, mahnte er und versprach, als Bürgermeister die besten Ideen der Parteien zu bündeln und umzusetzen.

 Etwas sattgesehen haben sich alle Kandidaten offenbar am Mittelaltermarkt. „Es ist immer das Gleiche“, monierte Hebel, auch Hübenthal und Spitz verlangten nach frischem Wind. Am weitesten ging Kober: Er könne sich gut vorstellen, die Großveranstaltung nur noch alle zwei Jahre durchzuführen, sagte er und bemühte sich gleichzeitig auch, auf keinen Fall anzuecken. „Natürlich“ wolle er mit einem solchen Statement nicht das hohe ehrenamtliche Engagement schmälern, das hinter dieser Veranstaltung stecke, ergänzte er schnell. 

Einig waren sich die Kandidaten darüber, dass mehr (Klein)Kunst die Attraktivität der Stadt steigern könnte. Unterschiedliche Konzepte präsentierten die Bewerber, als es um die Belebung der Innenstadt ging. Man müsse auch Läden nach Altena holen, „die es anderswo nicht gibt“, verlangt Hübenthal und sprach sich dafür aus, mit den vorhandenen Gastonomen und Ladeninhabern ein Entwicklungskonzept zu erarbeiten. Kober hält es wegen der aktuellen Pandemielage für schwierig, Gründer zu finden. 

Erfahrungen in der Verwaltungsarbeit wurden von den Moderatoren anhand von Fallbeispielen abgefragt – beruhigendes Ergebnis: Kreativität und Verständnis zeigen, ist den Kandidaten durch die Bank wichtiger als das Beharren auf der Gemeindeordnung. Die verbietet es zum Beispiel, Lüdenscheider Bürgern in der Fragestunde des Altenaer Rates das Wort zu erteilen – „wenn ich will, dass Leute zu uns ziehen sollen, kann ich denen doch nicht sagen,halt den Babbel’“, sagte Spitz. Für die Podiumsdiskussion gab es ein Hygienekonzept, das unter anderem die Registrierung der Teilnehmer und eine Beschränkung der Teilnehmerzahl vorsah.

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