Musik weckt Gefühle

Dorothea Ihde (rechts) ist fasziniert von der Art und Weise, wie Bewohner des Kohlberghauses die Schlitztrommel für eine ganz neue Art der Kommunikation nutzen. -  Foto: Hornemann

ALTENA - Torsten Severing muss an Herbert Grönemeyers Stück „Musik nur, wenn sie laut ist“ denken, wenn die Schlitztrommel im Kohlberghaus in Gebrauch ist. Dieses besondere Instrument ist kürzlich in den Therapieraum des Kohlberghauses eingezogen.

Von Ina Hornemann

Es macht Musik nicht nur zu einem Klangerlebnis, sondern lässt die Bässe durch den ganzen Körper gleiten.

Das gehörlose Mädchen in der Grönemeyer-Komposition träumt von einem Bassisten, weil eben sein Instrument die Musik durch Mark und Bein gehen lässt. Ganz ähnliche Erfahrungen macht Musiktherapeutin Dorothea Ihde, wenn stark sinnesbehinderte Bewohner die Schlitztrommel benutzen: „Es gibt hier Menschen, die nichts mehr hören können. Aber dieses Instrument lässt sie die Musik fühlen.“

Andere Bewohner haben keine Sprache mehr, die sie zur Kommunikation nutzen können. Auf dem breiten Kasten, gezimmert aus stabilem Kiefern- und afrikanischem Padouk-Holz, können zwei Personen Platz nehmen und mit den gepolsterten Schlägeln die ausgesägten Klangzungen anspielen. Mit leichtem Schwung werden dem Instrument die dumpfen und tiefen Klänge entlockt. „Ich habe in der Musiktherapie Bewohner ganze Dialoge entwickeln sehen mit diesem Instrument“, erklärt Dorothea Ihde. Der Musiktherapeutin war es schon aus ihrer beruflichen Station in der Kinderpsychiatrie bekannt.

Die Schlitztrommel ist nicht nur ein Musik- sondern auch ein Entspannungsinstrument. Wer unter innerer Unruhe leidet, der darf sich verwöhnen lassen, indem er sich längs auf die zur Seite gedrehte Trommel legt und die Klangzungen von einer zweiten Person anspielen lässt. Die Bässe wandern durch Brust, Kopf, Bauch und Rücken und die sanften Vibrationen erzeugen einen leichten Massageeffekt.

„Das tut nicht nur dem Körper gut, sondern gibt auch dem Geist Gelegenheit, sich neu zu sortieren“, erklären Dorothea Ihde und Einrichtungsleiter Torsten Severing. Mit Hilfe eines Rollwagens ist das große und schwere Instrument transportabel und kann auf allen Etagen im Kohlberghaus eingesetzt werden.

Viel berühmter als in Deutschland ist die Schlitztrommel in Afrika, wo es viele Varianten dieses Instruments gibt. Ob es nun therapeutisch, musikalisch oder eben zur reinen Entspannung eingesetzt wird, bleibt dem Nutzer selbst überlassen.

Pädagogische Einrichtungen oder andere Institutionen, die Interesse daran haben, die Trommel auszuprobieren, können gern einen Termin im Kohlberghaus vereinbaren und sie dort „bespielen“. „Verbunden mit einem Besuch in unserem Klanggarten ist das ein Highlight!“ verspricht Dorothea Ihde. Sie hält es nicht für empfehlenswert, einfach auf gut Glück eine Schlitztrommel zu bestellen: Denn mit Kosten von 1800 Euro ist das Instrument keine Schnäppchen-Investition. „Für uns hat es sich aber schon gelohnt!“ sagen nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch Bewohner des Kohlberghauses.

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