Kreisveterinär ist sich sicher

Köpfe von toten Tieren im Wald: Kuriose Erklärung für Grusel-Funde im MK

Vierhornziege Tierpark Hamm
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Der Kopf einer solchen Vierhornziege fand sich im Wald.

Kuh, Ziegen, Schafe, Wild: Immer wieder entdecken Spaziergänger derzeit abgetrennte Köpfe und andere Teile von Tieren im Märkischen Kreis. Für all diese Gruselfunde könnte es eine Erklärung geben.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde – Auf diese Begegnung hätten die Spaziergänger gerne verzichtet: Seit Mitte November tauchen immer wieder Körperteile toter Tiere in den Wäldern rund um Altena auf. Den bislang letzten Gruselfund gab es erst an den Weihnachtfeiertagen. Eine Anwohnerin, die auf einem Weg zwischen der L 692 und Großendrescheid mit ihren Hunden spazieren ging, fand den abgetrennten Kopf einer Ziege mit vier Hörnern, wie sie der Lokalstimme berichtete.

StadtAltena
LandkreisMärkischer Kreis
Fläche44,29 km²
Einwohner16.718 (31. Dez. 2019)

Grusel-Funde in Altena und im MK: Mehr als zehn Teile toter Tiere aufgetaucht

Es dürfte sich um eine so genannte Vierhornziege – eine Mutante der Hausziege – handeln. Von diesem Fall ist der Polizei bislang noch nicht bekannt, wie Kreispolizeisprecher Christof Hüls am Montag auf Nachfrage sagt.

Doch mittlerweile gibt es eine ganze Serie solcher Funde: Kühe, Ziegen, Schafe, Wild – oder vielmehr etliche Teile dieser Tiere – fanden Spaziergänger in den vergangenen sechs Wochen im Wald. Vor allem am Drescheider Berg. Es begann mit dem Kopf einer Kuh am 14. November. Kurze Zeit später fand ein weiterer Spaziergänger ganz in der Nähe ein Kuhbein. Mittlerweile sind es mehr als zehn Teile toter Tiere.

Allein acht bis neun Köpfe von Schaf- oder Ziegenböcken entdeckten Zeugen am 16. Dezember zwischen Oevenscheid und Großendrescheider auf Wiblingwerder Flur, wie Polizeisprecher Hüls berichtet. Am selben Tag ein weiterer Fund in der Ludmecke in Dahle: Dort lagen Eingeweide einer Kuh sowie ein weiteres abgetrenntes Bein einer Kuh im Wald. Auch Kadaver eines Wildschweins und eines Rehs, dem ein Bein fehlte, fanden sich in den vergangenen Wochen im Wald rund um Altena.

Grusel-Funde in Altena und im MK: Funde haben viele Gemeinsamkeiten

Viele Fälle weisen auffällige Gemeinsamkeiten auf: Immer wurden die Körperteile fachgerecht abgetrennt, die meisten fanden sich am Drescheider Berg, fast immer in der Nähe gut frequentierter Spazierwege. „Die Ermittlungen laufen“, sagt Polizeisprecher Hüls. Auch das Ordnungsamt der Stadt sei involviert. Hinweise auf die Besitzer der Tiere oder denjenigen, der die Teile im Wald entsorgte, gibt es bislang nicht.

Im Wald rund um Altena tauchen immer wieder Gruselfunde auf.

Dabei gab es zunächst sogar eine heiße Spur. Denn an einem der Ziegenköpfe, die Mitte Dezember in Wiblingwerde auftauchten, hing noch eine Marke am Ohr. „Die Spur führte nach Hessen“, sagt Hüls. Doch es stellte sich heraus, dass der frühere Besitzer seine Herde bereits vor vielen Jahren aufgelöst und die Tiere verkauft hat.

Grusel-Funde in Altena und im MK - Kreisveterinär: „Eindeutig Schlachtabfälle“

Auch Kreisveterinär Trappe stand bezüglich dieses Falls mit der Polizei in Kontakt und recherchierte. Doch die Spur der toten Ziege verlor sich vor sechs Jahren in Sundern. „Es ist tatsächlich merkwürdig, dass so viele Tierteile rund um Altena im Wald auftauchen“, sagt Polizeisprecher Hüls. Die Funde deuten ihm zufolge auf verschiedene Täter und Gründe hin.

Dass es sich bei den Gruselfunden um das Werk eines Tierschänders handeln könnte, glaubt Kreisveterinär Jobst Trappe aber nicht. Für ihn ist die Sachlage recht klar: „Das sind eindeutig Konfiskate.“ Also Schlachtabfälle von Tieren, die einfach im Wald entsorgt wurden. „Solche Abfälle finden wir immer wieder das ganze Jahr über im gesamten Märkischen Kreis. Sie sind nichts ungewöhnliches“, sagt der Tiermediziner.

Funde in Altena und im MK: Borkenkäfer macht Gruseliges sichtbar

Überall dort, wo eine Autobahn verlaufe „und man gut seinen Dreck schnell im Wald entsorgen kann“, fänden sich solche Teile toter Tiere. Dass nun so viele rund um Altena auftauchen, hat seiner Einschätzung nach einen simplen Grund: Durch das massive Fichtensterben gibt es mittlerweile große, kahle Flächen, sodass Schlachtabfälle viel eher gefunden würden, die früher oftmals unentdeckt blieben.

Trappe ist sich sicher: „Hierbei handelt es sich primär um eine Müllentsorgung.“ Allerdings auf illegale Art und Weise. Denn laut Gesetz müssen Schlachtabfälle ordentlich – und nicht ganz günstig – entsorgt werden „Dafür gibt es strikte Vorgaben“, sagt Polizeisprecher Hüls.

Daher hat die Polizei Anzeigen wegen Verstoßes gegen das sogenannte „tierische Nebenproduke-Beseitigungsgesetz“ geschrieben. Die illegale Entsorgung von Schlachtabfällen ist eine Ordnungswidrigkeit. Und sicher ein Schock für all diejenigen, die Köpfe und Beine toter Tiere im Wald finden.

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