König Artus war ein Legionär

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Wolfewicz mit einer Rautenfidel, wie sie im 11. Jahrhundert in Südfrankreich gebaut wurde.

ALTENA - Wer sich mit einem schweren und verwobenen Stoff wie der Artus-Sage vor Publikum begibt und dieses dann auch noch zu unterhalten und zu amüsieren versteht, der kann was. Karsten Wolfewicz hat das für seine Person am Dienstagabend in der Burg Holtzbrinck unter Beweis gestellt.

Gut 80 Altenaer – und Gäste von außerhalb – waren gekommen, um die Premiere der Veranstaltungsreihe „Garten der Geschichte“ zu erleben. Sie sollten nicht enttäuscht werden: Wolfewicz zeigte sich als leidenschaftlichen Rezitaor, Geschichtenerzähler und Musikanten. In mühevoller Arbeit und mit Liebe zu seinem Stoff hatte Wolfewicz „mehr als 20 Kilo Pergament“ durchgearbeitet, um sich der Gestalt des sagenhaften „Königs“ zu nähern. Zunächst: Ein König war er nicht, da ist sich Wolfewicz sicher. Eher ein römischer Heerführer („dux bellorum“) namens Lucius Artorius Castus. Der Hinweis auf den römischen Legionär, der in Britannien gedient hatte, war erst vor einigen Jahren auf einer Grabstele in Dalmatien entdeckt worden – „ein Meilenstein der Artusforschung.“

Die vielen Legenden und Mythen machen es nicht einfach, die Gestalt hinter ihnen zu zu erfassen. Oder beide Gestalten? Artus tritt nämlich zweimal in die Geschichte ein – einmal um 180 nach Christus und ein mal um 500.

„Den Artus“, berichtet Wolfewicz, „muss man sich aus allen Ecken zusammenklauben.“ Dass dabei allerhand Spannendes herauskommen kann, bewies Wolfewicz an etlichen Beispielen: Die Sache mit Artus’ Schwert im Stein zum Beispiel – Exkalibur. Dahinter, da ist sich Wolfewicz sicher, steckt ein übermüdeter Mönch in der Schreibstube. Obwohl den Schreibern Prügelstrafen drohten, waren Fehler an der Tagesordnung. So kam es, dass aus „ex saxone“ (von einem Sachsen) ein verkürztes „ex saxo“ (aus dem Stein) wurde. Der Mythos vom Schwert, dass in den Stein gerammt wurde, war geboren. Ob das Schwert in jenen kriegerischen Zeiten auch „in einem Sachsen“ gesteckt haben mag, ließ Wolfewicz mit einem Augenzwinkern offen.

Ebenso interessant fiel die Erklärung aus, was das wohl für ein Schwert war. Aus „Sternen-Eisen“ habe es bestanden, heißt es in der Sage . Geschmiedet also aus einem Meteoriten? Wolfewicz kennt auf jeden Fall den Schmied, der es anfertigte: Wieland. Seine Arbeiten seien schlicht und ergreifend die „Premium-Marke der europäischen Eisenzeit“ gewesen.

Karsten Wolfewicz konnte aus dem Vollen schöpfen – und er tat es gerne. Wer wusste vorher, dass in der Sage vom „Tanz der Steine“ um 177 v. Chr. eine Erweiterung von Stonehenge beschrieben wird? 80 Blöcke Blaustein von vier Tonnen Gewicht, die als Beutegut eines bronzezeitlichen Herrschers über fast 400 Kilometer zu transportieren waren – wahrlich ein anstrengender Tanz.

Am 22. Mai öffnet sich der „Garten der Geschichte“ zum zweiten Mal: Dann wird es richtig spannend für alle, die sich für die sagenhafte Frühzeit des heimischen Raumes interessieren. Das Kapitel „Nordwärts - Hildebrand“ nimmt die Leser mit über den Rhein und den Hellweg in Richtung Soest. Es wartet nichts Geringeres als eine „Sensation der Nibelungenforschung.“

von Thomas Keim

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