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Marode B236-Brücke: Bürgermeister drängt auf raschen Ersatzbau

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Von: Volker Heyn

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Die erst vor Monaten angebrachten Verstärkungslaschen der Doppel-T-Träger sind stark angegriffen.
Die erst vor Monaten angebrachten Verstärkungslaschen der Doppel-T-Träger sind stark angegriffen. © Heyn

Die plötzliche Sperrung für Lkw der B 236-Brücke an der Bahnhofstraße über die Bahnstrecke hat in Altena eine Art Erdbeben ausgelöst. Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit und Wut breiten sich rasend schnell aus.

Erste Einzelheiten berichtete der sichtlich angegriffenen Bürgermeister Uwe Kober (CDU) am Dienstagabend vor dem Planungsausschuss.

Die Unterkonstruktion der Brücke sei aus den 1960er-Jahren und damals für die Maximallast einer 24-Tonnen-Dampfwalze konzipiert gewesen. Im Laufe der Jahrzehnte sei die Brücke mehr oder weniger „stümperhaft“ auf höhere Tonnagen und Lasten verstärkt worden. Von einer sogenannten Ablastung auf 30 Tonnen sei deshalb schon immer die Rede gewesen – bis am 22. Dezember 2022 bei Straßen.NRW ein Gutachten vorlag, das die sofortige Sperrung der Brücke für Lkw mit mehr als 3,5 Tonnen zwingend verlangte.

Bis zu 70 Zentimeter lange Risse

In dem Gutachten wurde festgestellt, dass die auf die Doppel-T-Träger aufgeschweißten Laschen deformiert sind und bis zu 70 Zentimeter lange Risse aufweisen. Kober: „Es ist ein kurzfristiger Kollaps zu befürchten, wenn weiterhin schwere Lkw darüber fahren.“ Die Brückenauflage ist genau 17,10 Meter lang.

Bürgermeister Uwe Kober stellte am Dienstag während der Planungsausschusssitzung mehr oder weniger fassungslos dar, welche Katastrophen er aufgrund der Sperrung der B 236-Brücke für den Schwerlastverkehr auf die Stadt Altena zukommen sieht.
Bürgermeister Uwe Kober stellte am Dienstag während der Planungsausschusssitzung mehr oder weniger fassungslos dar, welche Katastrophen er aufgrund der Sperrung der B 236-Brücke für den Schwerlastverkehr auf die Stadt Altena zukommen sieht. © Heyn, Volker

Kober ist daran gelegen, keine politischen oder persönlichen Schuldzuweisungen aufkommen zu lassen. Mittlerweile formuliert er zwei Ziele: Ein Ersatzbauwerk müsse so schnell wie möglich her, am besten im Sommer 2023. Und die Lenneufestraße müsse unter allen Umständen vor Lkw-Verkehr geschützt werden.

Beim Bürgermeister laufen die Telefone heiß

Seitdem laufen alle Telefone heiß, um in einem ersten Schritt die Umleitungsstrecke durch die Nette abzusichern. Möglicherweise wird die Kalotte des Kreisverkehrs am Markaner abgesenkt. Einseitige Parkverbote in der Nette und an der Linscheidstraße werden kommen. Der gesamte Busverkehr wird über den Markaner geführt. Alle Schüler vom BGA müssen zu Fuß zu den Bussen am Markaner. Oberstes Ziel ist, die Feuer- und Rettungswache in der Nette erreichbar zu halten.

Für Dienstag, 24. Januar, ist eine Informationssitzung des Rates mit Vertretern von Straßen.NRW in der Burg Holtzbrinck geplant. Es solle aber keine öffentliche Diskussionsveranstaltung werden, so Kober. Wie der zu erwartende Besucherandrang bewältigt werden kann und wie eventuell eine Live-Zuschaltung für Unternehmer bewerkstelligt wird, muss noch geplant werden.

Ein ungenehmigter 80-Tonnen-Transport

Weitere Details gab es am Mittwochmorgen im Düsseldorfer Landtag. Per Anfrage hatte die SPD das Thema in den Ausschuss für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Industrie gebracht. Achim Frieling aus dem Verkehrsministerium sprach explizit von einem „Einzelfall“. Ein Domino-Effekt, wie vom SPD-Landtagsabgeordneten Alexander Vogt angesprochen, sei nicht zu erwarten. Nach Frielings Aussagen hätte sich der Zustand der Brücke durch die Durchfahrt eines einzelnen 80-Tonnen-Schwerlasttransporters erheblich verschlechtert. Auf Nachfrage der Redaktion bei Straßen.NRW erklärte deren Sprecher Andreas Berg, dass dieser Vorfall – ein Sondertransport, der keine Genehmigung hatte – an die Landesbehörde herangetragen worden sei, woraufhin diese eine Sonderprüfung veranlasst habe. Die Ergebnisse daraus haben nun die Sperrung für alles über 3,5 Tonnen zur Folge.

In der 17,10 Meter langen Stahlkonstruktion der Brücke finden sich 70 Zentimeter lange Risse.
In der 17,10 Meter langen Stahlkonstruktion der Brücke finden sich 70 Zentimeter lange Risse. © Heyn

Klar wurde in der Sitzung am Mittwoch auch: Die B236 wird reichlich genutzt. Frieling sprach von rund 10 000 Fahrzeugen, die die Strecke täglich befahren, von denen rund zehn Prozent, also rund 1000, Lkw seien. Wohlgemerkt: Diese Zahlen stammten aus einer Verkehrszählung aus dem Jahr 2019. Die verkehrlichen Folgen der seit Ende 2021 gesperrte Rahmedetalbrücke im Zuge der Autobahn 45 sind in dieser Zählung folglich überhaupt nicht berücksichtigt und möglicherweise erheblich höher. Angst vor einem Verkehrsinfarkt hat deshalb auch die Nachbarkommune Nachrodt. Ausgenommen von der Lkw-Sperrung sind Einsatz-Fahrzeuge und die Müllabfuhr.

Brücke ist wohl nicht mehr zu retten

Dass die Altenaer Brücke noch zu retten ist, davon war im Landtag nicht die Rede. Der Tenor ging eindeutig in Richtung Neubau – und das so schnell wie möglich. Planungen habe man bereits angestoßen. Noch sei es allerdings zu früh für eine verlässliche Zeitangabe, hieß es. Bis 2026 zu warten, wenn es durch eine längere Sperrpause der Bahn möglicherweise ein größeres Zeitfenster geben soll, sei keine Option.

Bundestagsabgeordneter Paul Ziemiak und Landtagsabgeordneter Thorsten Schick fordern in einem gemeinsamen Brief an NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne), dass alle Alternativen geprüft werden müssten, „um eine Ertüchtigung der Brücke kurzfristig zu ermöglichen“. Weiter: „Gerade der schnell umsetzbare Überbau der bestehenden Brücke ist eine Möglichkeit, die mit hoher Priorität untersucht werden sollte.“ Diesen Vorschlag hatte demnach Altenas Bürgermeister unterbreitet. Zuvor hatten auch schon die SPD-Politiker Bettina Lugk und Gordan Dudas schnelles Handeln gefordert. Zudem sucht Paul Ziemiak den Kontakt zu Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP).

So fahren die Busse ab Donnerstag

Ab Donnerstag dürfen auch Busse der Märkischen Verkehrsgesellschaft nicht mehr über die Brücke im Verlauf der Bahnhofstraße fahren. Das sorgt dafür, dass die Haltestellen „Am Halse“ und „Bahnhof“ bis auf Weiteres komplett entfallen. Die Ersatzhaltestellen lauten „Am Markaner ZOB“ und „Knerling“. Heißt für Fahrgäste: Teilweise erheblich längere Fußwege. Insgesamt acht Linien sind betroffen, teilt die MVG in einer Übersicht mit.

Beispiel 1: S1 Lüdenscheid – Iserlohn. Von Lüdenscheid kommend fährt die S1 nach Abfahrt von der Haltestelle „Mittlere Brücke“ über die Fritz-Berg-Brücke zur Haltestelle „Am Markaner ZOB“. Dort werden die Haltepositionen entsprechend der Richtung der Linie 37 angefahren. Weiter geht es über die Linscheidstraße (Stadtwerke) zum Kreisverkehr und zurück in den regulären Linienweg. Die Rückfahrten erfolgen sinngemäß.

Beispiel 2: Linie 30 Tiergarten – Bornstraße. Vom Tiergarten kommend fährt die Linie 30 direkt über die Linscheidstraße (Stadtwerke) zur Haltestelle „Am Markaner ZOB“. Die Rückfahrten erfolgen sinngemäß.

Beispiel 3: Linie 34 Nettenscheid – Altena Bahnhof. Die Fahrten der Linie 34, die laut Fahrplan an der Haltestelle „Altena Bahnhof“ enden, enden bereits an der Haltestelle „Am Markaner ZOB“.

Wichtig: Der Bürgerbus darf über die Brücke fahren. Und: Haltestelle „Stadtwerke“ wird mit Ausnahme der S1 von allen Linien als Ersatzhaltestelle angefahren.

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