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Knerling soll klimaneutral werden: Impulse von Schülern

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Von: Jona Wiechowski

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Der Knerling hat rund 400 Wohneinheiten und soll klimaneutral werden.
Der Knerling hat rund 400 Wohneinheiten und soll klimaneutral werden. © Bender, Thomas

Die Altenaer Baugesellschaft (ABG) will den Knerling mit seinen gut 400 Wohneinheiten unter Denkmalauflagen klimaneutral gestalten. Wie genau das umgesetzt werden kann, erarbeitet die ABG seit einigen Monaten mit Experten des Fraunhofer-Instituts. Zusätzliche Impulse sollen jetzt auch von Schülern des Burggymnasiums Altena (BGA) kommen.

Altena – Das Knerling-Projekt, das die Baugesellschaft vor einigen Monaten angefangen hat, geht voran. Aktuell soll die Vorstudie abgeschlossen werden, wie Vorstand Manfred Haupt im Gespräch erklärte, der von einem „schwierigen, aber spannenden Thema“ sprach. Bis jetzt gab es vier Workshops mit den Experten, dazu hat die Baugesellschaft jede Menge zugearbeitet und beispielsweise Daten zusammengetragen. Erste Lösungsansätze gibt es. Und doch fängt die Arbeit erst jetzt so richtig an. „Wir haben nur an der Oberfläche gekratzt.“ Mit der Vorstudie soll ein zwei- bis dreijähriges Forschungsprojekt beim Bund beantragt werden. Denn ohne Fördergelder könne die ABG das weiterführende Projekt nicht stemmen. Läuft alles rund, könnten die ersten vorbereitenden Maßnahmen in den nächsten zwei bis drei Jahren umgesetzt werden, hofft Haupt.

Das Projekt ist riesig: Gut 400 Wohneinheiten gibt es am Knerling, die zusammen auf rund 24 000 Quadratmeter Wohnfläche kommen. Jährlich werden allein rund 3,6 Millionen Kilowattstunden Gas für die Heizungen gebraucht. Geheizt wird in den meisten Wohnungen mit Gasetagenheizungen: In 82 Gebäuden sind Einzelfeuerstätten verbaut; dazu gibt es 20 Zentralheizungsanlagen. Alle Überlegungen müssen im Vorfeld mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. „Ein Wärmedämmverbundsystem kommt nicht in Frage, da beispielsweise nicht viel an den Fassaden gemacht werden darf“, erklärt Haupt.

Dass die Baugesellschaft das Projekt breit aufstellt, hat sie von Beginn an klar gemacht: Erkenntnisse sollen so später auch für andere Quartiere umgesetzt und anderen Gesellschaften zugänglich gemacht werden. Am Projekt beteiligt werden sollen nun auch Schüler. Rund 20 Zehntklässler aus dem Physik-Leistungskurs des Gymnasiums nahmen am Donnerstag an einem Workshop teil. „Wir wollen junge Menschen für ihre Region und die Umwelt begeistern“, erklärte Haupt. „Und vielleicht finden wir so zusätzliche Ideen, die wir oder das Fraunhofer-Insititut noch nicht berücksichtigt haben.“

20 Zehntklässler haben am Donnerstag am Workshop mit Baugesellschaft, Fraunhofer-Institut und Stadtwerken teilgenommen. Dabei beschäftigten sie sich mit der Frage, wie das Wohngebiet Knerling in der Zukunft klimaneutral aufgestellt werden kann.
20 Zehntklässler haben am Donnerstag am Workshop mit Baugesellschaft, Fraunhofer-Institut und Stadtwerken teilgenommen. Dabei beschäftigten sie sich mit der Frage, wie das Wohngebiet Knerling in der Zukunft klimaneutral aufgestellt werden kann. © Wiechowski, Jona

Das Fraunhofer-Institut Umsicht aus Oberhausen war mit den beiden wissenschaftlichen Mitarbeitern Britta Puyn und Pierre Krisam vor Ort, die schon seit einigen Monaten am Knerling-Projekt beteiligt sind. Sie teilten die Schüler in vier Gruppen ein, die sich jeweils mit Wärmeerzeugung, Stromerzeugung, der Energiespeicherung oder der Sanierung von Gebäuden auseinandersetzen sollten. Später wurden die Gruppen durchgetauscht – und zwar so, dass aus jeder Gruppe immer ein Experte am Tisch saß. Zusammen haben sie dann mögliche Lösungen erarbeitet, wie CO2-Neutralität erreicht werden kann. Später stellten sie ihre Ergebnisse in Präsentationen vor und stellten sich den Fragen der anderen Schüler, den wissenschaftlichen Mitarbeitern und der ABG. „Das ist sehr nah dran an dem, was wir auch machen“, erklärte Puyn. Am Institut würde allerdings mit mehr Daten und anderen Methoden gearbeitet – und auch die Wirtschaftlichkeit mit einbezogen.

Dabei war am Donnerstag auch Stephan Bergelt von den Stadtwerken, der verantwortlich ist für die Energienetze in Altena. Er war als zusätzlicher Berater für die Schüler gekommen, um technische Fragen zu den Gasnetzen zu beantworten. Er zeigte auch auf, was es für Ausbildungsmöglichkeiten bei den Stadtwerken gibt. Wenn im Rahmen des Klimaneutralitäts-Vorhabens über Veränderungen am Netz nachgedacht würde, dann müssten auch die Stadtwerke im Boot sein, erklärte Haupt. Deshalb solle die Zusammenarbeit weiter vertieft werden, die schon seit einigen Monaten läuft.

Nach einer Pizza-Pause – zu der die Schüler überredet werden mussten, weil sie mit ihrer Präsentation noch nicht fertig waren, wie Haupt im Nachgang berichtete – konnten sie ihre Vorträge vorstellen. „Die Zusammenarbeit mit den hochmotivierten Schülern war für alle etwas ganz Neues und hat allen sehr großen Spaß gemacht“, war nicht nur der Vorstand mit der Veranstaltung zufrieden. Mit der Beteiligung des Gymnasiums traf die Baugesellschaft offenbar auch bei den Jugendlichen einen Nerv: „Mich interessieren erneuerbare Energien, weil sie zukunftsorientiert sind“, erklärte ein Schüler. Ein anderer fand die Vorgehensweise bei wissenschaftlichen Arbeiten spannend. Wieder ein anderer erzählte: „Ich möchte herausfinden, was man so machen kann, um dem Klimawandel zu begegnen.“

Für das BGA kommt die Zusammenarbeit sehr gelegen. Wie Dennis Knebel, seit diesem Schuljahr neuer Schulleiter, erklärt, will das Gymnasium Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz mehr in den Vordergrund rücken und zum wesentlichen Teil der Schulentwicklung machen. In den vergangenen Jahren seien diese Themen etwas ins Hintertreffen geraten, da es vor allem um Corona und etwa die Digitalisierung gegangen sei. „Das ist ein guter Start“, blickte der Schulleiter zuversichtlich auf das Projekt mit ABG, Fraunhofer-Institut und Stadtwerken. Sollte das Knerling-Projekt gefördert werden, würde auch die Zusammenarbeit mit der Schule weiter vertieft, so Haupt.

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