Kneipensterben: Viele Kultlokale stehen leer 

Die Ritter-Schänke an der Kirchstraße in Altena
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Die Ritter-Schänke an der Kirchstraße in Altena steht leer.

Schwarzer Rabe, Talstation, Ritter-Schänke: Sie alle waren Kult in Altena, sie alle sind geschlossen. Die Zukunft vieler Kultkneipen ist ungewiss.

Altena – Wer die Kirchstraße und an der Lennestraße entlang geht, sieht nicht nur viele leer stehende Ladenlokale. Es gibt auch mehrere Lokale, die früher tatsächlich welche waren. „Kneipe“, wie es im Sauerland heißt. Dort tobte einst das pralle Leben, jetzt herrscht Ödnis. Manch einer erinnert sich nicht nur an die „Altenaer“ Kneipennacht, bei der in mehreren Gaststätten für Programm gesorgt wurde.

Eine lange Geschichte liegt beispielsweise hinter dem Haus „Zum Schwarzen Raben“ an der Freiheitstraße. Die Gaststätte war für Generationen mit dem Namen Busch verbunden. 2007 übernahm Eberhard Theymann mit seiner Tochter Anna das Haus und wurde neuer Pächter.

„Frikadellenschrank“ und Sessel aus Omas Zeiten

Voraussetzung für den Pachtvertrag war, dass das Lokal im Stil der 50-er Jahre geführt wurde. Es gab ein Waschbecken aus Stein und eine alte WMF-Kaffeemaschine. „Die hat Mitte der 50er Jahre 290 Mark gekostet, damals eine Rieseninvestition“, sagte Theymann. Die Maschine bleibt, ebenso wie das Waschbecken, um das Gesamtbild abzurunden.

Alles, was zum Betrieb einer Gaststätte in den 50er Jahren benötigt wurde, war vorhanden und wurde auch weiter benutzt. Der „Frikadellenschrank“, die alten Tische und Stühle – sie erlebten eine Renaissance. Auch im kleinen Saal neben dem Schankraum standen noch die gemütlichen Sessel aus Großmutters Zeiten.

Schwarzer Rabe seit 2021 zu

Kein Wunder, begann die Geschichte des Lokales doch bereits 1847, als Schneidermeister Friedrich Busch eine Konzession beantragte und die Gaststätte 1848 eröffnete. Im April 2012 endete die zweite Ära des „Schwarzen Rabens“ nach nur fünf Jahren, seither ist die Gaststätte verwaist.

Verwaist: Das trifft auch auf die ehemalige Gaststätte Santos an der Kirchstraße 35 zu. Hier trafen sich die Burggymnasiasten zu einem fröhlichen Umtrunk an Heiligabend. Zuletzt firmierte das Haus als „Altena Legends“, das 2018 durch einen Auftritt von Erotik-Sternchen Micaela Schäfer auf sich aufmerksam machte. Erst fielen Schäfers Hüllen, dann der letzte Vorhang.

Pläne für indisches Restaurant in der Ritter-Schänke

In der Ritter-Schänke schräg gegenüber wurden ebenfalls viele Gymnasiasten-Feten gefeiert. Als „Banane“ bekannt, gehörte die Gaststätte einst Wolfgang Kleist. Zuletzt hatte ein Pächter geplant, hier ein indisches Restaurant zu eröffnen. Diese Pläne sind aber offenbar im Sande verlaufen. Das gesamte Gebäude steht augenscheinlich leer.

Das Café Talstation an der Lenneuferstraße in Altena steht leer.

Ungewiss ist auch die Zukunft der „Talstation“, einst „Feedback“, gegenüber vom Burgaufzug an der Lennestraße. Letzter Betreiber war Günter Engelskircher, der auch das Haus Mayweg auf dem Nettenscheid betreibt und auf der oberen Lenneterrasse mit einer pfiffig designeten Bar vertreten war, die einer riesigen Getränkedose glich.

„Hardys“: Mit dem Wirt stirbt die Kneipe

„Vorübergehend geschlossen“ steht seit Monaten auf einem handgeschriebenen Zettel im Fenster an der Lennestraße. Wann das „vorübergehend“ endet, ist nicht in Erfahrung zu bringen, denn Engelskircher war für eine Stellungnahme trotz mehrfacher telefonischer Versuche nicht zu erreichen.

Am Markaner schließlich ein weiteres Beispiel einer verwaisten Kneipe: „Hardy’s“. Dieses Lokal bewirtschaftete zuletzt Hardy Frahm, ein in Altena sehr bekannter und beliebter Gastronom. Er starb überraschend im Jahr 2019. Von der Talstation aus, die er vor Engelskircher auch mal führte, übernahm Hardy Frahm einst auch die Bewirtung der oberen Lenneterrasse.

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