Kluge Kinder, die sich in der Gruppe schwer tun

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Lehrer der Grundschule Mühlendorf sowie Erzieherinnen der kooperierenden Kindertagesstätten nahmen gestern Nachmittag an der Fortbildung zum Thema „Autismus“ mit Christina Panzer teil.

ALTENA - An der Grundschule Mühlendorf nehmen aktuell drei Kinder mit Asperger Syndrom am regulären Unterricht teil.

Sie können dem Lernstoff genauso folgen wie alle anderen gleichaltrigen Kinder, aber ihnen fällt es schwer, Kontakte zu knüpfen oder sich in einer Gruppe zu orientieren, beschreibt Schulleiter Wolfgang Wilbers. Für ihn war das der Anlass, alle Mitglieder des Kollegiums sowie Erzieherinnen der Kindertagesstätten, mit denen die Schule zusammenarbeitet, zu einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Autismus“ einzuladen. Das Asperger-Syndrom ist eine von drei Formen autistischer Störungen, die unterschieden werden, erklärte Christina Panzer vom Autismus-Therapie-Zentrum Dortmund. Sie leitete die Veranstaltung gestern Nachmittag.

Die Diplom-Heilpädagogin erläuterte die Unterschiede zwischen dem frühkindlichen Autismus, dem Asperger Syndrom und dem atypischen Autismus. Danach gab sie den Lehrern und Erzieherinnen einige Hinweise an die Hand, worauf sie beim Umgang mit betroffenen Kindern achten sollten und was sie tun können, wenn die Kinder sich schwierig verhalten. Wolfgang Wilbers berichtete von einem Beispiel aus dem Sportunterricht zu Schuljahresbeginn, als ein Kind das erste Mal beim Völkerball getroffen wurde. Es rannte einfach aus der Halle. Inzwischen hat das Kind verstanden, dass es sich um ein Spiel handelt, bei dem man sich woanders hinstellen muss, wenn man getroffen wird. „Ein großer Fortschritt“, sagt Wilbers.

Christina Panzer erläuterte dazu, dass Menschen mit Asperger Syndrom oft eine geringe Frustrationstoleranz haben. Oft hätten sie auch ein ganz spezielles Interesse an einem bestimmten Thema, in dem sie sich dann besonders gut auskennen. Viele seien hochintelligent. Dies untermauerte sie mit einigen prominenten Beispielen wie Ludwig van Beethoven oder Albert Einstein von denen angenommen wird, dass sie das Asperger Syndrom hatten.

Die drei betroffenen Kinder an der Grundschule Mühlendorf werden jeweils von einer Integrationshelferin begleitet, erläuterte Wilbers. Durch die Teilnahme am regulären Unterricht lernten sie eine Menge und machten im sozialen Miteinander große Fortschritte. Wilbers hofft, dass diese Fortbildung ein Einstieg zu weiteren Veranstaltungen sein könnte. Inklusion  – die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen am gesellschaftlichen Leben – werde ein immer wichtigeres Thema. Wichtig sei dabei eben auch der Übergang vom Kindergarten in die Schule.

von Bettina Görlitzer

Stichwort: Autismus und Asperger-Syndrom

Die autistische Störung (syn. frühkindlicher Autismus) ist eine Entwicklungsstörung, die in den ersten drei Lebensjahren beginnt. Die Symptome zeigen sich im sozialen Umgang mit Mitmenschen, in der Kommunikation und in sich stets wiederholenden Handlungen. Das Asperger-Syndrom unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus in erster Linie dadurch, dass oft keine Verzögerung bzw. kein Entwicklungsrückstand in der Sprache oder der kognitiven Entwicklung vorhanden ist. Hingegen sind in der psychomotorischen Entwicklung und der sozialen Interaktion Auffälligkeiten festzustellen. (Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus)

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