Klönen trotz Corona: So läuft's auf dem Wochenmarkt

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Buntes Markttreiben in der Burgstadt in Corona-Zeiten: Die Kunden halten sich vorbildlich an den gebotenen Mindestabstand, tragen Masken und stoßen auf weitgehend zufriedene Händler.

Altena - Kurz hinter dem Eiscafé Cappuccino wird’s ein wenig drubbeliger in der Altenaer Innenstadt. Es ist Donnerstag und damit Markt-Tag in der Burgstadt. Ein kurzer Griff in die Hosentasche, den schneeweißen Mund-Nasen-Schutz möglichst richtig ins Gesicht gefuckelt und hinein geht’s in das bunte Markttreiben in Zeiten der Corona-Pandemie.

Nach den reihenweisen Lockerungen der vergangenen Wochen geht es gefühlt auch locker zu zwischen frischen Erdbeeren, Schnittblumen und Backfisch. Die Kunden sind augenscheinlich gut drauf, ein Lächeln lässt sich hier und da auch hinter den meist farbenfrohen Masken erkennen. Mit dem nötigen Mindestabstand wird zwischen den einzelnen Ständen auch mal gequatscht, geklönt, gelacht. Und natürlich eingekauft. „Die Geschäfte laufen normal“, sagt Kay Blasberg. 

Der Marktbeschicker aus Hagen hat ordentlich zu tun. Sein Frischfisch, geräucherter Fisch oder auch Backfisch scheint den Altenaern wieder einmal zu schmecken. „Wir kommen seit etwa 20 Jahren nach Altena“, sagt Blasberg, „für mich ist Altena auch einer der stabilsten Wochenmärkte und der Markt mit dem meisten Flair.“ Viele Händler haben Sicherheitsvorkehrungen getroffen in Form von Folien oder Glas, die Mehrheit trägt zudem Masken – so auch die Kunden, die vor der Verkaufstheke den gebotenen Abstand einhalten, bis sie an der Reihe sind.

Auf den ersten Blick vorbildlich, auf den zweiten auch. „Hier in Altena haben wir inzwischen sowieso ein richtig gutes Abstandsmanagement“, betont Kay Blasberg, der mittwochs und samstags seinen Fisch auf dem Markt in Lüdenscheid anbietet, und schaut dabei in die Runde: „Wegen Corona haben wir jetzt mehr Abstand zwischen den Ständen. Und es funktioniert gut.“ In den Anfängen der Corona-Krise habe er „sehr gute Marktgeschäfte“ gehabt, ergänzt Blasberg, „weil der Markt ein Einkaufserlebnis im Freien geboten hat. Jetzt normalisiert es sich wieder.“

Von Normalität ist Harjit Reichert hingegen noch weit entfernt. Vor der Markt-Apotheke bietet der Händler Textilien an, die Nachfrage nach Hemden, Blusen oder Sommerkleidchen ist jedoch überschaubar. „Der Verkauf läuft seit Corona schlecht. Aber das ist nicht nur in Altena so. Wir stehen auch im Kreis Unna, da ist es nicht besser“, sagt Reichert, der eine Begründung gleich mitliefert: „Viele ältere Menschen haben vielleicht noch Angst und kommen nicht.“

Während die Blusen an Reicherts Stand einsam im lauen Sommerwind wehen, klingelt bei „Wurst und Imbiss“ Müller aus Lüdenscheid die Kasse. „Ich bin zufrieden, es hat sich wieder alles normalisiert“, sagt Hans Werner Müller, der Würstchen grillt und dabei ein Gesichtsvisier trägt.

Händler Kay Blasberg lobt das „gute Abstandsmanagement“ auf dem Altenaer Wochenmarkt.

Auch die Wurstwaren in der Auslage des Wagens sind heiß begehrt, zudem suchen die Kunden auffällig gerne das Gespräch mit dem Händler. „Natürlich wird dann auch gefragt, wo unsere Produkte herkommen“, sagt Müller. Ein paar Meter neben dem Stand des Bergstädters steht Fritze Grüber. Der 70-Jährige zählt donnerstags zu den Stammgästen auf dem Markt, weil er von der Qualität der vielen regionalen Produkte überzeugt ist. „Man schaut genauer hin, was man für Fleisch und Wurst kauft. Vor allem jetzt nach der Sache bei Tönnies“, sagt Grüber und schüttelt mit dem Kopf, als er über den massiven Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück nachdenkt. Corona, Tönnies, Bundes- oder Lokalpolitik: Es sind Themen, die gerne mal zwischen oder nach den Einkäufen diskutiert werden. „Es ist schön, hier mit Leuten zu quatschen. Der Markt ist ja auch ein Treffpunkt“, sagt Grüber.

Der Duft der Bratwurst vermischt sich inzwischen unter der Maske mit dem Duft des Grillhähnchens vom Nachbarstand, vor dem inzwischen auch vermehrt die Kunden stehen. Läuft! Es geht weiter zu Stefan Dietrich, der Obst und Gemüse anbietet. „Das Geschäft läuft normal“, sagt der Händler aus Soest, „nur mit der Maske ist es alles ein bisschen umständlicher.“ Die Erdbeeren gehen an diesem Donnerstag besonders gut. „Vorher war der Spargel der Umsatzbringer“, betont Dietrich.

Apropos Umsatz: Von der Mehrwertsteuersenkung, die am Mittwoch in Kraft getreten ist und den Konsum der Verbraucher während der Pandemie ankurbeln soll, ist im Markttreiben wenig bis nichts zu merken. „Das ist nichts, was hier ins Gewicht fallen würde“, sagt Dietrich, „aber man macht den Kunden auch so immer mal wieder ein Angebot.“ Er verweist auf die 500-Gramm-Schalen deutscher Erdbeeren, die vor ihm liegen. Statt für vier Euro ist das Schälchen für drei Euro zu haben – und die nächste Kundin schlägt prompt zu an diesem Donnerstag auf dem Altenaer Wochenmarkt.

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