Industriebrache mit historischer Bedeutung

Dach-Gastro und Co: Große Pläne für bedeutenden Schandfleck im MK

Große Pläne gibt‘s für einen bedeutenden Schandfleck im MK.
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Große Pläne gibt‘s für einen bedeutenden Schandfleck im MK.

Vormals wurde hier deutsche Industriegeschichte geschrieben, nun ist es einer der Schandflecke im MK. Dort könnte aber Großes entwickelt werden. Bürger und Studenten entwickelten nun Pläne - und die überraschen.

„Das ist schon eine richtig geile Nummer, was hier in den letzten drei Tagen entstanden ist“, sagte Helmar Roder erfreut. Als CDU-Ratsmitglied, Dahles Ortsvorsteher und Bürger nahm er voller Begeisterung am Ideen-Workshop zur Industriebrache Schwarzenstein in Altena teil. Die Ergebnisse überraschten und begeisterten nicht nur ihn.

Wie wird aus einem zeitgeschichtlich wertvollen Gebäudekomplex, der eigentlich nur noch ein unansehnlicher Schandfleck ist, ein echtes Schmuckstück? Vor dieser Fragestellung standen Studierende der Universitäten Siegen und Köln am Wochenende. Gemeinsam mit den Pionieren diskutierten sie drei Tage lang über eine mögliche Nutzung und Umgestaltung der Industriebrache zwischen Bundesstraße und Finanzamt.

Zukunft des Schwarzenstein: Kaum Vorgaben für Ideen

Am Freitag (1. Oktober) verschafften sich die Studierenden erst einmal vor Ort einen Überblick am Schwarzenstein. Die Pioniere hatten sich dort bereits zum Auftakt des Projekts „Summer of Pioneers“ umgesehen. Der Samstag (2. Oktober) stand im Zeichen der Ideenfindung. Auch Bürger waren am Samstag und Sonntag dabei und konnten sich in den Prozess einbringen. „Ganz wichtig: Wir sind hier in einem Ideenworkshop. Das sind keine fertig geplanten Maßnahmen, die jetzt zeitnah umgesetzt werden“, betonte Pionierin Gisela Möller, die die Abschlusspräsentation moderierte, zu der rund 25 Bürger in die Burg Holtzbrinck gekommen waren.

Brache Schwarzenstein von oben: Spektakuläre Fotos einer Drohne

Drohnenflug über Industriebrache
Drohnenflug über Industriebrache
Drohnenflug über Industriebrache
Drohnenflug über Industriebrache
Brache Schwarzenstein von oben: Spektakuläre Fotos einer Drohne

Viele Vorgaben hatten die Studierenden nicht, die alle Architektur oder Stadtentwicklung im Master studieren. Einzige Grundvoraussetzung: Die Ideen für den Schwarzenstein müssen zu Altena passen und sollen in Richtung Freizeitgestaltung gehen. Denn das hat der Rat der Stadt bereits beschlossen. Auch der zeitgeschichtliche Hintergrund des Schwarzensteins soll bei der künftigen Nutzung sichtbar werden. Die Ideen für die einzelnen Teile des Komplexes im Überblick:

Alte Gießerei: Gastro mit Dachterrasse möglich

Die erste Gruppe nahm sich Teile der alten Gießerei vor. Unter dem Titel „Menschen verdrahten“ lieferten sie die wohl stärkste Präsentation des zweieinhalbstündigen Ideenaustauschs. Nach ihrem Plan sollen die Hallen der alten Gießerei weitestgehend erhalten bleiben und zum Ort für Kunst, Kultur und Begegnungen werden. Die Studenten machten zunächst deutlich, wie gut die Lage und das Gelände sind. Verkehrstechnisch gut angebunden und die Nähe zur Lenne seien große Pluspunkte.

Studierende der Unis in Siegen und Köln präsentierten ihre Ideen für die Zukunft der Industriebrache Schwarzenstein in Altena.

In ihrer Vorstellung könnte das Obergeschoss teilweise abgerissen und zur Dachterrasse umgebaut werden. Dabei sollen aber vor allem die stählerne Dachkonstruktion und Teile der Mauern stehen bleiben, um den besonderen Industriecharme und den zeitgeschichtlichen Bezug zu erhalten.

Europas erste Fahrrad-Seilbahn

Mit rankenden Pflanzen soll zum einen eine besondere Atmosphäre geschaffen werden, zum anderen aber auch deutlich werden, wie die Natur sich den Raum auf schöne Weise zurückerobert. Vorstellbar wäre eine temporäre Gastronomie mit Foodtrucks. Eine dauerhafte Bewirtung sei eher ausgeschlossen, da die Nutzung des Geländes saisonal abhängig sei und auch Hochwasser eine Rolle spielt.

Auf dem Geländeteil, der aus statischen Gründen abgerissen werden muss, könnte ein Platz der Begegnungen entstehen. Mit Freitreppen zur Lenne, einem Skaterpark und Spielplatz. Ein echtes Highlight wäre die Reaktivierung der Seilbahn über die Lenne. „Das könnte wohl Europas erste Fahrrad-Seilbahn werden“, meinte Gisela Möller.

Im Sommer Gastro, im Winter Fotoshootings

Denn der Lenneradweg, der auf der anderen Flussseite verläuft, hat keine Anbindung an die Gebäudekomplexe an der Bundesstraße. Über die vorhandene Brücke sei Fahrradverkehr zu gefährlich. Eine Seilbahn für Räder sei also nicht nur eine Attraktion, die auf die Historie anspielt, sondern auch nützlich.

Zudem könnten durch Parkplätze und eine Bewirtung neue Ausgangspunkte für Wanderungen und Radtouren geschaffen werden. Aufgrund der saisonal ausgerichteten Ideen, die dort nur im Sommer möglich sind, wäre eine duale Nutzung möglich – im Winter beispielsweise als Ort für Industriefotografie oder Messen. Schon jetzt ist der Komplex für Fotografen ein – derzeit illegaler – Anziehungspunkt. Immer wieder treffen Ordnungshüter dort auf Freunde von „lost places“, die sich im Schwarzenstein umsehen.

Die Brücke muss bleiben

Die historische Brücke über die Lenne stand im Fokus der zweiten Präsentation. Ganz klar ist: Die Brücke muss erhalten bleiben und ist ein echtes Schmuckstück. Dadurch, dass Teile des Gebäudekomplexes abgerissen werden, wird sie auch von der Straße aus sichtbarer.

Das Problem: Eigentlich ist geplant, dass das Gebäude auf der Straßenseite der Lenne, an dem die Brücke andockt, abgerissen werden soll. Die Studenten hatten dafür eine neue Idee: Vom Haus könnte das Untergeschoss erhalten bleiben – als Tiefgarage. Darüber soll eine Art Plateau, entstehen, das auf die Brücke führt. Viel Platz für Begegnungen, Spiel und Sport könnte dort entstehen.

Brücke mit Licht- und Toneffekten

Das Highlight wird aber die Brücke selbst. Sie soll mittels Licht und Toneffekten zur Erlebnisbrücke werden. Vorstellbar wäre, Geräusche einzuspielen, die die Arbeiter früher bei ihrem Gang über die Brücke hörten. Die Altenaer Schwerindustriegeschichte soll so wiederbelebt werden.

Eine Idee, die vor allem bei den Bürgern richtig gut ankam. Insbesondere in Kombination mit den anderen Erlebnispunkten in der Stadt, wie dem Burgaufzug und dem Selfiespot. Sofort sprudelten weitere Ideen, wie beispielsweise einen Erlebnispfad von der Burg zum Schwarzenstein, der den Tagesausflug nach Altena gerade für Familien noch spannender machen soll.

Verwaltungsgebäude: „Arbeiten und Leben unter einem Dach“

Teile des Lagergebäudes, das an die Brücke grenzt, möchte die Studentengruppe erhalten. Dort könnte ein Multifunktionsraum von 2000 Quadratmetern entstehen, der nicht nur für Feiern, sondern auch von der Industrie genutzt werden könnte, beispielsweise für Messen.

Die letzte Gruppe präsentierte Pläne für das alte Verwaltungsgebäude. Dies soll erhalten, umgebaut und um Terrassen ergänzt werden. „Wohnen, arbeiten und leben unter einem Dach“ lautete das Motto. Es könnten diverse Büros einziehen und temporärer Wohnraum entstehen. Genau der fehle in Altena.

Appell: „Brechen Sie nichts übers Knie“

Auch bei diesem Entwurf soll die Lenne im Mittelpunkt stehen. So soll es freie Sicht aufs Wasser geben. Ganz schlüssig und verständlich war dieses Konzept nicht, wenngleich auch die Ideen gut ankamen. Offen blieb beispielsweise die Frage, wie genau das Wohnkonzept aussehen könnte und warum dauerhaftes Wohnen ausgeschlossen bleibt.

Die Besucher zeigten sich begeistert von der Kreativität der jungen Leute und auch Thorsten Erl, Professor für Stadtentwicklung, der den Prozess begleitete, war angetan. Sein Appell an die Entscheider der Stadt: „Sie sehen, Sie haben hier eine echte Perle. Mein großer Wunsch an Sie ist es, dass Sie sich Zeit lassen, sich die Dinge entwickeln lassen und nichts übers Knie brechen. Seien Sie offen für neue Konzepte, dann wird der Schandfleck zu etwas ganz Besonderem für Ihre Stadt.“ Die Zusammenarbeit mit den Studenten soll fortgesetzt werden. In welcher Form ist noch zu klären.

Im Schwarzenstein wurde mehr als 100 Jahre lang das wohl wichtigste Kapitel der Altenaer Industriegeschichte geschrieben.

Und sie wurde auch schon Mittelpunkt eines spektakulären Mordfalls.

Auch in einem Beststeller spielt sie eine große Rolle, der dann sogar fürs TV verfilmt wurde.

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