Klimaschutz endet an Bord: Reisende setzen weiterhin auf Flieger

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Reisende setzen weiterhin auf Flugreisen.

Altena -  Beim Urlaub hört für viele der Klimaschutz auf: Die Nachfrage nach Flugreisen ist weiter sehr hoch. Und Kreuzfahrten legen sogar noch zu. Altenas Reisexperten sehen die Bahn in der Verantwortung.

Große Auswirkungen auf das Reiseverhalten scheint die Fridays-for-Future-Bewegung nicht zu haben. Während Greta Thunberg gerade zur Klimakonferenz in den USA segelt, gehen viele Altenaer in Flugzeugen und auf Kreuzfahrtschiffen an Board, um den Sommerurlaub zu genießen. 

„2019 wurden – das hat uns selbst gewundert – noch einmal mehr Kreuzfahrten gebucht als im Vorjahr“, sagt Saskia Krüger vom Reisebüro Zöller. Sie vermutet, dass dies mit den sinkenden Preisen für solche Reisen zusammenhängt. 

Auch Markus Tenne von der hiesigen Allgemeinen Reise-Agentur (ARA) sagt: „Dass die Klimademonstrationen zu weniger Kreuzfahrten oder Flügen führen, sehe ich nicht. Ganz im Gegenteil: Es werden sogar deutlich mehr Kreuzfahrten gebucht als noch vor einigen Jahren.“ 

Kreuzfahrten werden lockerer

Zurückzuführen sei dies auf das attraktive Bordprogramm der Kreuzfahrtgesellschaften. „Die Tagesabläufe sind nicht mehr so strikt durchgetaktet, wie es einmal war. An Bord geht es lockerer zu und auch für das jüngere Publikum ist das Angebot ansprechend.“ 

Außerdem „sind Kreuzfahrten insgesamt deutlich günstiger geworden“. Und auch der Flugverkehr boomt. „Ich glaube, dass der Klimagedanke noch nicht in den Köpfen der Reisenden angekommen ist“, sagt Tenne. „Obwohl wir gerade den zweiten Extremsommer in Folge erleben. Beim Einkaufen verzichtet man eher auf die Plastiktüte und denkt an das Klima. Beim Reisen ist das nicht so.“ 

Problem: Bahn viel teurer als Flug

Der zweite Grund: „Der Mehrpreis, den man bei der Bahn im Vergleich zum Flugzeug häufig zahlt, steht in keinem Verhältnis zur Leistung“, sagt Krüger, die selbst schon Erfahrungen mit „horrenden Ticketgebühren“ gemacht hat. Für die Strecke Dortmund-Hamburg „hätte ich mit der Bahn für Hin- und Rückweg insgesamt 160 Euro gezahlt. Hin- und Rückflug dagegen kosteten zusammen gerade einmal 60 Euro.“ 

Es sei denn, der Reisende kommt in den Genuss einer Rabattaktion. Dann kann man mit der Bahn auch für 29,90 Euro von Altena nach Hamburg oder Berlin fahren. Doch einzelne Rabatte alleine reichten nicht. Krüger meint: „Es muss sich auf jeden Fall etwas ändern. Bahnfahren muss wieder attraktiver werden. Kreuzfahrtschiffe sollten auf saubere Antriebstechniken setzen.“ 

Ähnlich äußert sich Markus Tenne: „Vor dem Hintergrund des Umweltschutzgedankens begrüße ich die Forderungen aus der Politik, Flüge teurer und den Schienenverkehr günstiger zu machen.“ 

Junge Familien reisen klimabewusst

Saskia Krüger stellt nämlich eine Veränderung im Reiseverhalten fest: „Es wird zunehmend spontan gereist. Wir haben es in diesem Jahr oft erlebt, dass Kunden nur wenige Tage vor Reiseantritt gebucht haben.“ Wenn dann nicht zufällig eine Rabattaktion laufe, sei Bahnfahren dann für viele schlicht zu teuer. „Insbesondere für Jugendliche oder Schüler. Diese fragen zwar sehr häufig nach Alternativen, sind aber natürlich finanziell oft eingeschränkt.“ 

Deutlich öfter würden junge Familien auf ihre Ökobilanz achten. „Manche Kunden sagen, dass sie aus Umweltgründen nicht fliegen möchten und setzen diese Vorstellung auch konsequent um. Wir haben schon einigen Menschen Zugfahrten vermittelt, die deutlich unkomplizierter hätten fliegen können. Aber sie nehmen es in Kauf, fünf oder sechs Mal umsteigen zu müssen.“ 

Tenne weist Reisende darauf hin: „Die große Zeitersparnis bringt das Fliegen bei Inlandsreisen nicht immer. Mit Anreise, Bording und der eigentlichen Reisezeit braucht man in der Regel fast genauso lange wie mit der Bahn.

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