Kletterer reinigen Fuelbecker Talsperre / Bis zu sechs Stunden am Seil

Hängepartie mit dem Kärcher

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Ein Job für Schwindelfreie: Bis zu sechs Stunden pro Tag hängen Jens Schäfer und seine Mitarbeiter in den Seilen, um die Staumauer der Fuelbecker Talsperre zu reinigen.

Altena – 145 Meter lang und 29 Meter hoch ist die Staumauer der Fuelbecker Talsperre. Da kommt einiges an Quadratmetern zusammen, auf denen sich Moose, Algen und anderer Bewuchs breitmachen können. Das wird noch dadurch begünstigt, dass die Mauer meist im Schatten liegt. Das freut auch die vier professionellen Kletterer, die derzeit an der Talsperre im Einsatz sind. Sie schauen alle paar Jahre vorbei, um die Mauer sauber zu machen.

 Die Schattenlage der Mauer war angesichts der glühenden Hitze der letzten Tage recht angenehm für sie. „Das geht hier nicht um Kosmetik“, erklärt Ralf Beriet, der technische Leiter der Stadtwerke. Denen gehört die Talsperre, und sie geben im etwa fünfjährigen Turnus deren Reinigung in Auftrag. „Wenn der Bewuchs in die Fugen geht, dann werden sie beschädigt und es kann vor allem bei Frost Probleme geben“, erklärt Berlet. Deshalb muss die Mauer gereinigt werden. Dafür ein Gerüst aufzubauen wäre viel zu teuer. So kam man auf die Idee mit den Kletterern.

Sie lassen sich an langen Seilen von der Mauerkrone ab und kärchern zunächst die Außenseite der Staumauer ab. Dazu sind Hochdruckreiniger mit sehr hoher Leistung erforderlich. Anschließend werden die Spezialisten die Mauer auf Schäden absuchen und Risse in den Fugen mit Trassmörtel verschließen. „Der ist für Natursteine besonders gut geeignet, weil er nicht ausblüht“, erklärt Jens Schäfer. Der Unternehmer aus Herscheid kümmert sich nicht nur um die Fuelbecke, sondern auch um eine Reihe weiterer Talsperren im Sauerland und arbeitet dazu mit Kletterern aus dem Raum Leipzig zusammen. Die sind bei den herrschenden Temperaturen natürlich froh um die Schattenlage der Mauer. Auch der Wassernebel, der sie wegen des Einsatzes der Hochdruckreiniger umgibt, ist jetzt eher angenehm. Bis zu sechs Stunden lang hängen sie an der Mauer – kein Problem, sagt Schäfer: Die von den Spezialisten genutzten Klettergurte seien extra für diese Zwecke konzipiert und einigermaßen bequem. Für die Arbeiten wurde übrigens die Mauer gesperrt. Es sei zu gefährlich, wenn Spaziergänger Zugang zu den Sicherungsseilen hätten, meint Schäfer. Längst nicht jeder akzeptiere, dass er nicht mehr rund um die Talsperre laufen könne, klagt er. Aber das kennt er schon von seinen Einsätzen an den Talsperren im Sauerland: „Das ist immer so ein Zirkus mit den Leuten.“

 Die Stadtwerke seien auf die Zusammenarbeit mit Schäfer und anderen Spezialisten dringend angewiesen, erklärt Berlet: „Mit unserem eigenen Personal könnten wir das niemals leisten.“ Die Stadtwerke hätten natürlich ein Interesse daran, die Mauer stets in Ordnung zu halten: „Je eher man Schäden entdeckt, um so besser“. Deswegen wird auch das Grün am Fuß der Mauer regelmäßig gemäht. Darauf achte auch die Bezirksregierung, erklärt Berlet. Deren Talsperren-Aufsicht kommt einmal im Jahr vorbei. Nächsten Monat ist es wieder soweit. Was die Aktion kostet? Darüber schweigen sich Schäfer und Stadtwerke aus. Vier Leute, wenigstens fünf Arbeitstage: Da kommt einiges an Stunden zusammen, die Spezialisten wollen entsprechend ihrer Erfahrung bezahlt werden. Wieder ein paar tausend Euro mehr, die die Kasse des Wasserwerks belasten und damit Einfluss auf den Wasserpreis haben. Kosten, die kaum einer auf dem Schirm haben wird, wenn über den hohen Wasserpreis gemeckert wird. Rund eine Million Kubikmeter Trinkwasser verkaufen die Stadtwerke pro Jahr.

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