Evingsen: Presbyterium kennt keine Denkverbote / Friedhof erhalten

Kleintierfriedhof bleibt nur ein Gedankenspiel

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Der Friedhof in Evingsen gleicht einer öffentlichen Parkanlage. Er ist gepflegt und hat großen alten Baumbestand.

Altena - Der evangelische Friedhof in Evingsen bereitet den Verantwortlichen des Presbyteriums große Sorgen. Denn: Der Betrieb von Friedhöfen muss kostendeckend sein. Doch das ist nicht so einfach. Wie Presbyter Dirk Mischnick erklärt, sind dafür etwa 30 Bestattungen im Jahr notwendig.

Aktuell gab es in Evingsen im laufenden Jahr aber nur neun Beisetzungen. „Viel zu wenig“, so Mischnick. Denn: Die Anlage muss gepflegt, die Kapelle unterhalten und in Schuss gehalten und auch die sonstige Infrastruktur (Wege, Wasserzapfstellen, Müllcontainer, Bäume) in gutem Zustand gehalten werden. Das erledigt ein Gärtner. Doch das alles kostet Geld.

Modern und funktional: Die Friedhofskapelle. Doch auch ihre Unterhaltung kostet Geld.

Deshalb beschäftigt sich das Presbyterium wieder und wieder mit dem Thema. Mischnick: „Wir sind heute wieder in einer Phase der Veränderung. Es gibt fast ausschließlich Urnen- und einige Reihengrabbestattungen. Normale Familiengrabstätten werden kaum noch genutzt.

Auch die Anzahl der Freiflächen auf dem alten Friedhofsteil ist unübersehbar.“ Die Rücklagen, so schreibt Mischnick in einem Beitrag „Neues zum Friedhof“ in der aktuellen Ausgabe des Gemeindebriefes, schrumpfen. Zur Erinnerung: In den 1920er Jahren haben die Presbyter den Friedhof in Eigenregie gepflegt.

Große Hürden für Kleintierfriedhof

Heute undenkbar, der Friedhofsgärtner habe mit der Pflege der Anlage gut zu tun. Mischnick: „Wir sind gefordert, diesen Umbruch zu meistern. Unsere Aufgabe ist, Kosten müssen drastisch gesenkt werden und vielleicht sollten wir auch einmal andere Wege gehen, um unseren Friedhof weiterhin langfristig in einem würdigen Zustand zu erhalten.“ Deshalb gab es die Idee, vielleicht sogar einen Kleintierfriedhof anzulegen.

Ein Kleintierfriedhof scheitert auch an der Unteilbarkeit des Friedhofsgrundstückes obwohl es viele freie Flächen gibt.

Doch was gut klingt, hat gewaltige Hürden. Und je tiefer das Presbyterium in diese Materie eindrang, je klarer wurde, das geht an dieser Stelle nicht. Denn: Menschliche Gräber und Tiergräber müssten deutlich räumlich voneinander getrennt werden. Mindestens durch Hecke oder Zäune. 

In Evingsen unmöglich. Und auch ein solcher Friedhof müsste sich gebührentechnisch tragen. Doch was ist dem Menschen das Ende seines liebsten Begleiters wert? „Fragen, die wir immer wieder diskutiert und uns auch auf Erkenntnisse der Kirche gestützt haben. Heute müssen wir sagen, wir hatten eine Idee, können sie aber nicht umsetzen. Jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“ 

Tiere, die eingeäschert werden, dürfen aber bereits heute schon auf einem belegten Grab ebenfalls eingebracht werden. Mischnick richtet den Blick nach vorn und sagt abschließend: „Wir vom Presbyterium sind selbstverständlich auch für zweckgebundene Spenden und Zuwendungen offen und dankbar. Unsere Zielsetzung ist klar und eindeutig: Wir wollen unseren Friedhof in einem guten Zustand erhalten und hoffen, diese Herausforderung erfolgreich zu meistern.“

Der Friedhof im Dorf Evingsen hat eine mehr als 200jährige Geschichte.

Stichwort Friedhof: Blick zurück in die Geschichte

Dirk Mischnick ist im Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Evingsen für die Angelegenheiten des Friedhofs zuständig. Und er hat jetzt einen Artikel im neuen Gemeindebrief veröffentlicht, der sich unter anderem mit der Geschichte dieses Ortes, des Gottesackers, mitten im Dorf beschäftigt. So schreibt Mischnick, dass es in Evingsen seit 1784 einen eigenen Friedhof gibt. 

Vor dieser Zeit, also immerhin vor stattlichen 234 Jahren, mussten die Verstorbenen in Iserlohn bestattet werden. Evingsen gehörte damals zur Gemeinde der Bauernkirche. Im Jahr 1800 musste der Friedhof, der damals genau in der Dorfmitte lag, erstmals um etwa 338 Quadratmeter erweitert werden. Doch bereits 50 Jahre später stieß er erneut an seine räumlichen Grenzen. 

Im engeren Umfeld gab es keine Grundstücke mehr und deshalb, sowie auf behördliche Anordnung, wurde das Grundstück für den heutigen Friedhof erworben. Die Anlage wurde am 13. November 1857 offiziell eingeweiht und musste 1921 in nördliche Richtung vergrößert werden. 1976 trat eine neue Friedhofsordnung in Kraft. Kernpunkt: eine Ruhezeit von 30 Jahren. 

Das sorgte für eine enorme Platzentspannung. Deshalb fand erst 1993 die erste Beerdigung auf einem neuen Friedhofsteil statt. Evingsen hatte 25 Jahre Zeit gewonnen

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