Klaus Löttgers kann den Namen erklären

Rätselraten um das Negerdorf

+
Das ist das Negerdorf.

Altena - Auch am Knerling ist der Volksmund gelegentlich alles andere als politisch korrekt. Zum Beispiel dann, wenn es um den hinteren Teil der Eichendorffstraße geht: Hat man den Torbogen am Haus Eichendorffstraße 29 passiert, dann steht man im Negerdorf – und kaum einer weiß warum.

Dank Klaus Möscheid hat das Negerdorf sogar Einzug in die Literatur gefunden. In seinen Erinnerungen „Wie wir wurden, was wir sind“ schreibt er über den Knerling: „In den 50er Jahren wurden zwei Straßen erweitert beziehungsweise angebaut: Die Friedrich-Ebert-Straße wurde ein Stück erweitert, dieses Anhängsel wird im Volksmund Blinddarm genannt. An die Eichendorffstraße wurde ein Stück angebaut, im Volksmund Negerdorf genannt“. Warum das so ist, konnte der Autor gestern nicht erklären. Mit womöglich dunkelhäutigen Gastarbeitern könne der Name nichts zu tun haben, meint er: „Die Häuser heißen schon so, bevor es in Altena Gastarbeiter gab“.

 Weiterführend sind da die Erinnerungen von Klaus Löttgers, der sein ganze Leben lang am Knerling lebt und als Kind den Bau der letzten Häuser an der Eichendorffstraße selbst miterlebt hat. Tatsächlich sei unter den ersten Bewohnern auch ein Mensch mit dunkler Hautfarbe gewesen, berichtete er gestern. „Deshalb hieß dieser Teil des Knerlings bei uns Kindern Negerdorf“ – eine Bezeichnung, die sich bis heute gehalten hat.

Zurück zu Klaus Möscheid: Der kam als Vierjähriger mit seiner Mutter nach Altena und verbrachte Kindheit und Jugend am Knerling. Er erinnert sich: „Schätzungsweise haben zu meiner Zeit hier 1500 bis 2000 Menschen gelebt, meist Familien mit mehreren Kindern. Es gab zum Beispiel um 1950/1960 in der Friedrich-Ebert-Straße, in der wir gewohnt haben, etwa 70 bis 80 Kinder und Jugendliche“. Neben dem Negerdorf gibt es in Altena auch noch eine Mohrenkuhle. Dabei handelt es sich um ein Haus an der Eggestraße, in dem einst Draht geräuchert wurde. „Weil dabei Rauch und Ruß entstanden, sahen die Bewohner bald aus wie die Mohren“, weiß Ulla Rinke, als Stadtführerin sozusagen ein wandelndes Altena-Lexikon, aus den Annalen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare