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Rolle rückwärts: Kita-Neubau vom Tisch - Investor irritiert

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Von: Ines Engelmann

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Bleibt erhalten: Die Kita St. Matthäus direkt neben der Pfarrkirche soll ausgebaut werden. Der vormals geplante Neubau einer großen gemeinsamen Kita für St. Matthäus und St. Katharina ist damit vom Tisch.
Bleibt erhalten: Die Kita St. Matthäus direkt neben der Pfarrkirche soll ausgebaut werden. Der vormals geplante Neubau einer großen gemeinsamen Kita für St. Matthäus und St. Katharina ist damit vom Tisch. © Kremer

Anstatt eines Kita-Neubaus plant der Kita-Zweckverband in Altena nun einen Ausbau der Kita St. Matthäus. Doch das freut nicht alle. Der Investor ist irritiert.

Altena – Ausbau statt Neubau: Das ist der aktuelle Plan des Kita-Zweckverbandes für die katholischen Einrichtungen in Altena. Die Kitas St. Matthäus und St. Katharina sind zu klein. Zudem ist die Bausubstanz der Kita St. Katharina am Breitenhagen nicht die beste. Deshalb war ursprünglich ein großer Neubau für beide Einrichtungen zusammen am Breitenhagen geplant. Dafür fanden auch bereits Gespräche mit der Altenaer Baugesellschaft (ABG) als möglichem Investor statt. Doch diese Pläne sind nun vom Tisch. Die Kita St. Matthäus soll stattdessen für vier Gruppen ausgebaut werden.

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie hatte der Kita- Zweckverband im Bistum Essen als Träger der beiden Einrichtungen zum einen die Erweiterung der bestehenden Kita St. Matthäus am Pfarrzentrum und zum anderen den Neubau einer Kita am Breitenhagen geprüft. „Die Prüfung hat ergeben, dass die Kita St. Matthäus am bisherigen Standort neben der Kirche erhalten bleiben und ausgebaut werden kann. Die Zusammenarbeit mit dem externen Investor für den Neubau wurde als nicht länger notwendig eingeschätzt“, teilt Lina Strafer, Pressereferentin des Kita-Zweckverbands, auf Nachfrage mit.

Kita-Neubau vom Tisch: Ausbau hat mehrere Vorteile

Dass die Kita am katholischen Zentrum der Pfarrei bestehen bleibt, habe gleich mehrere Vorteile: „Für den Kita-Zweckverband ist es besonders wertvoll, wenn die katholische Kita am Kirchenstandort verbleiben kann“, sagt Strafer. So werde eine bessere Anbindung an die Pfarrei und Kirche ermöglicht. Zudem sei die religionspädagogische Arbeit erleichtert, da die Kirche fußläufig mit den Kindern besucht werden kann. Strafer: „Auch die Pfarrei befürwortet den Verbleib am katholischen Standort.“ Die Pfarrbeauftragte Sandra Schnell bestätigt, dass sich die Pfarrei über den Ausbau der Kita St. Matthäus sehr freue: „Für uns ist es natürlich ein Traum, dass die Kitas nun an einem Standort zusammen an der Kirche entstehen und wir so zu einem zentralen katholischen Standort werden.“

Für den Ausbau der Kita St. Matthäus gibt es auch schon Pläne. „Die Vorplanungen für die Erweiterung der aktuell zweigruppigen Kita St. Matthäus laufen“, erklärt Strafer. Ein Grundriss sei bereits vorhanden, er werde aber weiterhin angepasst. Denn unter dem Programm „KiTa 4.0“ muss auch der Umbau der Kita St. Matthäus die einheitlichen Vorgaben erfüllen. Räume sollen dann nicht mehr länger nur funktional genutzt, sondern für die pädagogische Arbeit erlebbar gemacht werden. Spätestens 2025 soll die erweiterte Kita dann mit Platz für rund 75 Kinder in vier Gruppen eröffnet werden. Aktuell bietet die Kita St. Katharina 45 Betreuungsplätze und die Kita St. Matthäus 33 Betreuungsplätze an. Somit wird es dann drei Betreuungsplätze weniger geben.

Programm „KiTa 4.0“

Alle Kindertageseinrichtungen im Kita-Zweckverband des Bistums Essen werden unter dem Programm „KiTa 4.0“ entwickelt. Ziel dieses Programms ist es, dass am Ende nur viergruppige, moderne Einrichtungen betrieben werden sollen. Eine Baubeschreibung einer sogenannten Muster-Kita ist erstellt, fortan gibt es verbindliche und einheitliche Vorgaben für Um- und Neubauten sowie Instandhaltungsmaßnahmen im Verband. Wirtschaftlichkeit ist beim Programm „KiTa 4.0“ eines der wichtigsten Kriterien. Im Programm heißt es auf der Internetseite des Zweckverbands: „Erträge zu steigern und Kosten zu reduzieren, muss immer im Vordergrund stehen.“ Zum Thema Immobilien ist zu lesen: „Ältere, oft kleinere Einrichtungen werden zu größeren, zukunftsfähigen Einheiten zusammengelegt. Dazu planen wir pro Jahr den Neubau von fünf modernen Kitas im Investorenmodell.“

Mitarbeiter und Betreuungsplätze trotz Kita-Schließung sicher

Die Kita St. Katharina wird nach dem Zusammenschluss schließen. Dadurch wird es dann am Breitenhagen keine Kita mehr geben. „Aber so weit weg ist die Kita St. Matthäus von Breitenhagen auch wieder nicht. Der Weg ist kurz“, sagt Pfarrbeauftragte Schnell.

Was mit dem dann leer stehenden Kita-Gebäude passiert, ist laut Schnell noch nicht ganz sicher. „Aber wir haben noch genügend Zeit, um uns das in Ruhe zu überlegen.“ Fest steht, dass die Pfarrei das Gebäude der St.- Katharina-Kita dann nicht mehr brauchen wird. Geklärt ist auch die Frage, was mit den Mitarbeitern passieren wird: „Die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden und die Betreuungsplätze der Kinder sind im Rahmen der Zusammenführung gesichert“, sagt Zweckverbands-Sprecherin Strafer.

Doch nicht alle freut diese Entscheidung. Manfred Haupt, Vorstand der Altenaer Baugesellschaft (ABG), bestätigt auf Nachfrage der Redaktion, dass die ABG der Investor für einen Kita-Neubau am Breitenhagen gewesen wäre. „Erste Gespräche hatten wir mit dem Kita-Zweckverband schon 2019 geführt. Im Februar 2020 haben wir dann den Kontakt erneut gesucht, der Zweckverband zeigte sich aber wenig entscheidungskräftig. Wir haben immer wieder nach dem Stand der Dinge fragen müssen“, erinnert sich Haupt und ärgert sich über die Art und Weise, wie der Zweckverband mit der ABG kommunizierte.

Kita-Neubau vom Tisch: Investor ist traurig über Entscheidung

Auf dem ABG-Grundstück an der Wilhelmstraße hätte die neue Kita entstehen können. „Wir hatten auch schon Ausschreibungen gemacht und uns in Köln Kitas von einem Bauunternehmen angeschaut, das in Betracht kam“, so Haupt. Er betont, dass er über die Entscheidung des Zweckverbandes enttäuscht sei. Erst vor wenigen Wochen habe er in einem Zoom-Meeting mit dem Zweckverband endlich Antworten bekommen. Auch ihm wurde mitgeteilt, dass die Kita St. Matthäus umgebaut werden solle und die räumliche Nähe zur Kirche eine Rolle bei der Entscheidung gespielt habe.

Zudem seien die Grundbesitz-Verhältnisse für den Zweckverband ein weiterer wichtiger Faktor für diese Entscheidung gewesen. Denn mit dem Neubau der Kita am Breitenhagen hätte sich diese auf öffentlichem Grund befunden. Das Areal rund um St. Matthäus gehört der Kirche. Dass der Neubau nicht in die Tat umgesetzt wird, macht Haupt auch persönlich traurig: „Ich bin nach Altena gekommen, um etwas zu bewegen. Für Altena wäre der Kita-Neubau ein gutes Zeichen gewesen, dass sich hier was bewegt.“

Nach mehr als 40 Jahren ging die St.Matthäus-Kita-Leiterin Martina Hochstein in Ruhestand.

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