Aufenthaltsgestattung für den Iraner Esmaeil Alikhanian:

Kirchenasyl mit Erfolg beendet

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Esmaeil Alikhanian (Mitte) hat gut lachen: Nach drei Monaten Kirchenasyl im Lutherhaus kann er sich wieder frei bewegen. Unterstützung erfuhr er von Dan Ossenberg-Engels, Pfarrerin Merle Vokkert und anderen Gemeindegliedern.

Altena - Esmaeil Alikhanian kann sich endlich wieder frei bewegen. Drei Monate nach Beginn des Kirchenasyls im Lutherhaus erhielt der 28-Jährige Anfang der Woche seine Aufenthaltsgestattung. Mit der darf er sich in der Bundesrepublik aufhalten, solange sein Asylantrag läuft. Er hat ihn am Dienstag bei der Ausländerbehörde des Märkischen Kreises gestellt.

Rückblick: Am 6. April nahm die Evangelische Gemeinde Altena den jungen Iraner in ihre Obhut. Er war über Frankreich und die Niederlanden nach Deutschland gekommen. Dadurch fiel er unter die Bestimmungen des so genannten Dublin-Abkommens, es drohte die Abschiebung nach Frankreich. Von dort wäre er wahrscheinlich in den Iran zurückgeschickt worden, wo ihm nach Überzeugung von Pfarrerin Merle Vokkert Gefahr für Leib und Leben gedroht hätte, weil er gläubiger Christ ist. Die Kirche könne es nicht dulden, dass Flüchtlinge in Heimatländer zurückgeschickt würden, in denen ihnen konkrete Gefahr drohe.

Konkrete Gefahr

Diese Auffassung vertritt nicht nur Pfarrerin Merle Vokkert, sondern auch das Presbyterium der Gemeinde. Es beschloss im April ohne Gegenstimme, Alikhanian Kirchenasyl zu gewähren. Schnell bildete sich ein Helferkreis, der unter anderem die Verpflegung des jungen Mannes übernahm. Die Gemeinde habe diesen Schritt mitgetragen, glaubt Vokkert – „ich habe jedenfalls nichts Negatives gehört“. Alikhanian beteiligt sich am Gemeindeleben und wurde sonntags zur Kirche geleitet, wo er am Gottesdienst teilnahm. Der Asylbewerber wird noch für rund zwei Wochen im Lutherhaus wohnen und dann Mitglied einer Wohngemeinschaft, für die gerade eine Wohnung hergerichtet wird.

Großwetterlage

Gerade angesichts der „unheilvollen Großwetterlage“ in Sachen Asyl sei das Engagement der Kirchen wichtig, glaubt Vokkert und weist darauf hin, dass Esmaeil Alikhanian jenem Personenkreis angehöre, der nach dem Asylkompromiss vom Wochenbeginn nach der Einreise in so genannten Transitzentren festgehalten werden sollten, wo dann im Schnelldurchgang über ihre Zukunft entschieden werden soll. Der Asylantrag, den der Iraner in dieser Woche gestellt hat, ist schon sein zweiter in der Bundesrepublik Deutschland. Der erste wurde abgelehnt – allerdings aus rein formalen Gründen, wie Presbyter Dan Ossenberg-Engels gestern betonte. Damals vertraten die Behörden nämlich die Auffassung, dass Frankreich für das Asylverfahren zuständig ist.

Abschiebung

Deshalb wurde die Abschiebung des 28-Jährigen angeordnet. Damit begann die sogenannte Überstellfrist von sechs Monaten. Nachdem sie Anfang Juni abgelaufen war, hatte Esmaeil Alikhanian die Möglichkeit, erneut in Deutschland Asyl zu beantragen. Jetzt muss sein Anliegen inhaltlich bewertet werden. Etwa 60 Prozent der Asylanträge von Iranern sind in Deutschland von Erfolg gekrönt.

Was ist Kirchenasyl?

Als Kirchenasyl bezeichnet man laut Wikipedia die vorübergehende Aufnahme von Flüchtlingen durch eine Pfarrei oder Kirchengemeinde zur Abwendung einer von den Gemeindemitgliedern als für die Schutzsuchenden an Leib und Leben bedrohlich angesehenen Abschiebung. Es bezweckt grundsätzlich eine Wiederaufnahme oder erneute Überprüfung des asyl- oder ausländerrechtlichen Verfahrens bzw. eine Härtefallprüfung durch dafür zuständige Behörden. Im April befanden sich deutschlandweit 674 Menschen im Kirchenasyll

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