Iraner Esmaeil A. soll in Deutschland Asyl beantragen können

Kirchenasyl in Altena dient Zeitgewinn

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Carsten Menzel (links) und Merle Vokkert am Montag mit ihrem Schützling Esmaeil A.

Altena - Überraschend viele Mitglieder der Evangelischen Gemeinde Altena seien bereit, das Kirchenasyl für den 28 Jahre alten Iraner Esmaeil A. zu unterstützen. Das berichteten Pfarrerin Merle Vokkert und Presbyter Carsten Menzel, nachdem sich am Montagabend ein Unterstützer-Kreis gegründet hatte.

Dort schlossen sich Männer und Frauen zusammen, die sich um die Versorgung des jungen Mannes kümmern und auch soziale Kontakte sicherstellen werden. Außerdem soll er Deutschunterricht erhalten.

Die Gemeinde wurde tätig, nachdem dem Iraner eine sogenannte „Überstellungsfrist“ mitgeteilt wurde. Darin kündigte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ihm an, dass seine Überstellung nach Frankreich unmittelbar bevorsteht.

Erstes Kirchenasyl überhaupt in Altena

Hintergrund ist das sogenannte Dublin-Abkommen der EU. Es besagt, dass Flüchtlinge in dem Land Asyl beantragen müssen, über das sie in die EU gekommen sind. Im Fall von Esmaeil A. war das Frankreich. Von dort ging es über mehrere Stationen nach Altena, wo der 28-Jährige in der Unterkunft In der Heimecke lebte, bevor er am Freitag von der Kirchengemeinde in Obhut genommen wurde – übrigens das erste Kirchenasyl in Altena.

Wenn auch mit Enthaltungen, so doch einstimmig habe das Presbyterium sich für diesen Weg entschieden, versicherten Vokkert und Menzel – „wäre jemand dagegen gewesen, hätten wir das wohl nicht gemacht“. Der Entschluss hat auch finanzielle Konsequenzen: Die Gemeinde muss jetzt nicht nur für den Lebensunterhalt des jungen Mannes sorgen, sondern im Notfall auch für seine medizinische Versorgung zahlen.

Vor dem Zugriff des Staates sicher

Ein Abkommen zwischen dem BAMF und den Krichen regelt seit drei Jahren den Ablauf eines Kirchenasyls. Nicht nur in Kirchen, sondern auch in Pfarr- und Gemeindehäusern sind Flüchtlinge seitdem vor dem Zugriff des Staates sicher. 

Gemeinden, die Asyl gewähren, sind verpflichtet, ein sogenanntes Dossier zu erstellen und das ans BAMF zu schicken. Dafür gibt es sogar einen Dienstweg. Um Esmaeil A. kümmert sich Helge Hohmann, der Beauftragte für Zuwanderungsarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Im Iran droht Esmaeil A. die Todesstrafe

In dem Dossier wird die Gemeinde schildern, warum Esmaeil A. in Deutschland bleiben soll. Schon in Frankreich ist ihres Erachtens keine angemessene Unterbringung gewährleistet. Außerdem schiebe dieses Land im Gegensatz zu Deutschland iranische Christen in ihre Heimat ab. Dort würden Christen ohne jeden Zweifel verfolgt. Da der 28-Jährige im Iran auch im Visier der Geheimpolizei gestanden habe, drohe ihm dort die Todesstrafe.

Wenn das Dossier das BAMF umstimmen kann, kann Esmaeil A. in Deutschland einen Asylantrag stellen. Wenn nicht, dann bleibt er weiter im Kirchenasyl, und zwar bis Juni. Die Überstellungsankündigung ist nämlich befristet. 

Wenn der Schützling der Gemeinde nicht bis Ende Mai nach Frankreich gebracht werden konnte, habe er Anspruch darauf, in Deutschland Asyl zu beantragen. Iranische Christen würden in aller Regel aus Deutschland nicht abgeschoben, sagen die Kirchenvertreter.

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