Mitteralterfest

Kirchen protestieren gegen Auftritt von Rabenschrey

Die Gruppe Rabenschrey kommt nach Altena.

ALTENA - Noch ist kein Akkord der Gruppe Rabenschrey über den Burg-Innenhof gewabbert, da regt sich bereits Protest. Die Kirchengemeinden kritisieren die Liedtexte der Musiker.

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Pfarrer Ulrich Schmalenbach für die katholische Kirchengemeinde St. Matthäus und Pfarrerin Merle Vokkert für die evangelische Kirche und das örtliche Presbyterium haben den Veranstaltern des Mittelalterfestes einen Brief geschrieben und darin ihre Sorge ausgedrückt, dass Teile des Liedgutes der als Top-Act beworbenen Folk-Rock-Metaller, die am Freitag, 3. August, 20.15 Uhr, auftreten werden, auch kirchenfeindliche Texte und Lieder enthalte.

Corina Turner vom Verein für Stadtmarketing, eine der Organisatorinnen, war schlichtweg geschockt. „Ich glaube, dass die Besucher sehr wohl differenzieren können zwischen künstlerischer Darbietung und der Realität“, sagte sie auf Anfrage. Und fügte an: „Wir haben Kontakt aufgenommen, es wird definitiv keine kirchenfeindlichen Lieder geben.“ Immerhin brächten sich die Kirchen von Anfang an auch als Aussteller und Standbetreiber des Festes mit ein. Man habe Rabeschrey verpflichtet, „weil sie in der Mittelalterszene eine Marke sind“, so Turner weiter. Die Gruppe gehöre aktuell – und das seit einigen Jahren – sogar zu den Top Ten in diesem Genre. Selbst die sonst so pingelige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften habe nicht einen einzigen Text moniert oder gar auf dem Index. Für sie und alle anderen Mitglieder des Organisationsteams komme es darauf an, auch Zielgruppen wie Jugendliche anzusprechen. Und Rabenschrey treffe deren Geschmack ganz sicher. „Im Mittelalter ging es rau zu, keine Frage. Und wenn ich über unseren Markt gehe und sehe, dass eine Gruppe auf der Lenneuferpromenade sogar schon geteert und gefedert hat, um die drastischen Strafen dieser Epoche deutlich zu machen, ja dann frage ich mich doch: Dürfen wir denn diese Art von Schau überhaupt noch zulassen?“

Pfarrer Ulrich Schmalenbach ordnete Rabenschrey „eher der Gothic-Szene, denn der Mittelaltermusik“ zu, wie er auf Anfrage sagte. Nach seinen Recherchen und seinem Kenntnisstand vermische diese Gruppe überlieferte mittelalterliche Standards mit aktuellem Wissen, was man nicht hinnehmen könne und was bedenklich sei. „Im Mittelalter gab es – und das wird niemand bezweifeln – stets den Glauben an Gott. Selbst Verbrecher haben ihre Angst vor göttlicher Strafe oder der Hölle nicht geleugnet.“ Jetzt Texte und religiöses Empfinden jener Zeit zu vermengen, fordere zu Distanz heraus.

Musiker-Frontmann Donar von Rabenschrey reagierte ausgesprochen überrascht. „Dass sich die Kirche über uns beschwert, das hat es noch nicht gegeben. Das ist neu.“ Zur vorgetragenen Kritik, die sich auf den Artikel in unserer Zeitung auch hier auf come-on.de abspieltmeinte er: „Man sollte unsere Texte schon mit Augenzwinkern sehen. Wir sind als Musiker sehr, sehr gefestigte Menschen, einer unserer ehemaligen Schlagzeuger, Gregor Seidelmeier, war sogar einst Messdiener. Wir haben sogar schon auf Events in Klöstern gespielt.“ Donar von Rabenschrey wies die Kritik zurück und betonte „Wir sind Rockmusiker, die Spaß an der Musik haben und Spaß machen wollen. Mehr nicht.“ Im aktuellen Programm für Altena seien keine kirchenfeindlichen Lieder aufgenommen worden. „Schon vor der Diskussion nicht.“ Doch das man zum Ende das „Hey, wir sind Heiden“, spielen werde, stehe jetzt schon fest. „Das gehört zu uns.“ Und kämpferisch fügt er an: „Feststellen möchte ich noch: Wir lassen uns nicht zensieren!“

Er hat die come-on-Diskussion auf die Facebook-Seite seiner Band gestellt und sagt: „Bin gespannt, was kommt.“

von Johannes Bonnekoh

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