Kirche will Krankenhaus zur Reha-Klinik machen

Dunkle Wolken hängen über dem Altenaer Krankenhaus.

ALTENA- 2001 probte ganz Altena den Schulterschluss mit der katholischen Kirche – nach dem Beske-Gutachten ging es darum, das Krankenhaus zu retten. Jetzt droht erneut Gefahr, Bürger und Politiker werden aber andere Verbündete suchen müssen. Diesmal ist es nämlich die Kirche selbst, die den Charakter des St. Vinzenz völlig verändern will.

Nach dem AK vorliegenden Informationen haben Pfarrer Ulrich Schmalenbach und die neue St. Vinzenz-Geschäftsführerin Bettina Schmidt in den vergangenen Wochen bei mehreren Gesprächen im Altenaer Rathaus, aber auch bei den Märkischen Kliniken für ein Krankenhaus-Konzept geworben, das eine völlige Abkehr vom bisher in Altena geltenden Konsens bedeuten würde: Das ins Haus integrierte Pflegeheim soll deutlich vergrößert werden – 40 neue Plätze wünscht sich die Kirche, die Kapazität würde sich damit verdoppeln. Den Rest des Hauses würde der Träger gerne als gerontologische Reha-Klinik nutzen. Das bedeutet: Keine Ambulanzen mehr für alle Bürger, keine Grundversorgung mehr – zumindest im Bereich der Chirurgie.

Damit würde in etwa das passieren, was Franz Vorrath, Diözesanadministrator des Bistums Essen, noch vor einigen Monaten kategorisch ausgeschlossen hatte: „Die in der Öffentlichkeit gemachten Vermutungen, das Altenaer Krankenhaus werde in ein Altenheim umgewandelt oder aber sogar verkauft, entbehren jeglicher Grundlage und beunruhigen zu Unrecht die Bevölkerung“, ließ er im September mitteilen, nachdem es wegen des Wechsels in der Geschäftsführung in Altena zu erheblicher Unruhe kam.

Im Grundsatz gelte diese Aussage auch heute noch, sagte Bistumssprecher Ulrich Lota gestern auf Anfrage, schob aber zwei Einschränkungen nach: „Am Ende muss sich alles auch rechnen“, sagte er und erwähnte auch, dass das Bistum eigentlich gar nicht zuständig sei. Das Krankenhaus gehört nämlich bis auf einen fünfprozentigen Anteil der Caritas in allererster Linie der katholischen Kirchengemeinde.

Seit dem Rücktritt vieler St. Vinzenz-Aufsichtsräte im Spätsommer 2009 ist der katholische Pfarrer Ulrich Schmalenbach Vorsitzender dieses Gremiums, Bettina Schmidt wurde als neue Geschäftsführerin verpflichtet. Bei ihrer Vorstellung versprach Schmalenbach, „spätestens im Februar“ Maßnahmen zu präsentieren, die das Haus für die Zukunft fit machen sollten. Ein hohes Ziel: 2008 und 2009 wurde ein Defizit von insgesamt 850 000 Euro erwirtschaftet, für 2010 sah der Wirtschaftsplan sogar 1,9 Mio. Euro vor.

Von den von Schmalenbach angekündigten Maßnahmen hat man – abgesehen von der inzwischen abgeschlossenen Verlegung der Intensivstation – nie wieder etwas gehört. Aktuell, so war zu erfahren, sehen die Zahlen für das laufende Jahr zwar etwas freundlicher aus, liegen aber immer noch im siebenstelligen Minusbereich.

Damit entsteht hoher Handlungsbedarf, noch vor den Sommerferien soll eine Lösung gefunden sein. Entschieden sei noch nichts, betonte Bistumssprecher Lota gestern – der Aufsichtsrat (dessen Vorsitzender Schmalenbach gestern für das AK nicht zu erreichen war) verhandelt noch mit möglichen Kooperationspartnern, vor allem mit den Märkischen Kliniken. Von ihnen sollen die gerontologischen Fälle kommen, die medizinisch austherapiert sind und dann in der Reha von St. Vinzenz darauf vorbereitet werden, wieder eigenständig zu leben. Als der neue Ruhrbischof, Dr. Franz-Josef Overbeck, am Donnerstag einen Antrittsbesuch bei Landrat Gemke machte, soll es auch um dieses Thema gegangen sein. Inhalt? „Kein Kommentar“ – das war alles, was Kreispressesprecher Hendrik Klein dazu sagen wollte. Pikant: Die kreiseigenen Märkischen Kliniken betreiben mit der Stadtklinik Werdohl einen direkten Konkurrenten des Altenaer Krankenhauses, der ebenfalls hochdefizitär ist.

In der Altenaer Kommunalpolitik sorgen die Ankündigungen der Kirchengemeinde für große Bestürzung. Die Ratsfraktionen haben für kommenden Donnerstag zu einer gemeinsamen Pressekonferenz eingeladen. Bis dahin mag der Bürgermeister nur eines sagen: „Es gibt Anlass zu ernster Sorge“ – so Dr. Hollstein, als das AK ihn mit dem Ergebnis der Recherchen konfrontierte.

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