Steuertopf der Kirche profitiert

Die Banken informieren ihre Kunden über die Neuregelung über die Kontoauszüge. Foto: Bonnekoh

ALTENA -  Ratlosigkeit hinterlässt bei vielen Kunden von Banken und Sparkassen zurzeit ein Kundenhinweis, der über die Kontoauszugsdrucker verbreitet wird. Es geht um den automatischen Einbehalt von Kirchensteuern auf Kapitalerträge ab dem 1. Januar 2015.

Doch nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. „Einkünfte aus Kapitalerträgen (zum Beispiel Zinsen oder Kursgewinne) unterliegen natürlich auch heute bereits der Einkommenssteuer - und damit auch der Kirchensteuer, die bei entsprechender Religionszugehörigkeit auf die Einkommenssteuer gerechnet wird“, erläutert Lavinia Heße, Abteilungs-Direktorin Marketing bei der Volksbank. Sie müsse jeder Steuerpflichtige dem Finanzamt mit seiner Steuer-Jahresmeldung melden und offen legen.

Tomislav Majic, Sprecher der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis, bringt die Neuregelung so auf den Punkt: „Ab dem 1. Januar 2015 werden die Kirchensteuern auf Kapitalerträge automatisch durch uns einbehalten und an die Religionsgemeinschaften abgeführt.“ Das sei im Grunde alles.

Beide Banksprecher erinnern noch einmal an die Freibeträge, die nicht angetastet werden: Es gelten weiter 801 Euro für ledige und 1602 Euro für verheiratete Personen.

Und so geht es für jeden Bank- oder Sparkassen-Kunden weiter: Erstmals im Herbst diesen Jahres wird den Geldinstituten die Religionszugehörigkeit (sofern vorhanden) über das Bundeszentralamt für Steuern mitgeteilt. Dann wäre der Weg frei für die gesetzliche Neuregelung die 2015 eventuell anfallende Kirchensteuer auf Kapitalerträge mit der Abgeltungssteuer einzubehalten und abzuführen.

Doch es gibt auch die Form des Widerspruchs: Heße und Majic unisono: Sofern ein Kunde nicht möchte, dass seine Religionszugehörigkeit seiner Bank mitgeteilt wird, kann er bis zum 30. Juni 2014 beim Bundeszentralamt für Steuern einen entsprechenden Sperrvermerk hinterlegen lassen. In diesem Fall bleibt es dabei, dass die Kirchensteuerpflicht im Rahmen der Einkommensteuererklärung (Anlage KAP) durch den Steuerpflichtigen selbst anzuzeigen ist. Außerdem wird das zuständige Finanzamt über den Sperrvermerk informiert. Aber, auch darüber muss sich jeder im Klaren sein: An der grundlegenden Steuerpflicht ändert sich damit für einen Anleger gar nichts.

Sorgen um den Datenschutz muss niemand haben. Tomislav Majic, Sparkasse: „Das Bundesamt verschlüsselt die Religionszugehörigkeit mit einer Steuer-Identifikationsnummer.“ Fragen, was geht die Bank meine Konfession an, müssten deshalb erst gar nicht gestellt werden. Lavinia Heße, Volksbank, stellt fest, dass die Schalter-Kollegen in diesen Tagen vermehrt Kunden erläutern müssen, dass die Kreditinstitute vom Gesetzgeber zu dieser neuen Praxis verpflichtet wurden. Beide Sprecher wiesen darauf hin, dass ihre Mitarbeiter bereits nach bestehenden Gesetzen und internen Regelungen zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.

Gute Nachricht am Schluss: Beide Gesprächspartner gehen davon aus, dass trotz eines deutlichen bürokratischen Mehraufwandes für die Banken und Kassen am Ende für den Kunden selbst nichts teurer wird.

von Johannes Bonnekoh

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