Kirche ist nicht mehr viel wert

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Es gibt viele Probleme, aber keine Lösung. Der Frust unter den Mitgliedern der Kolpingfamilie ist groß. ▪

ALTENA ▪ Die Kirche steckt im Wandel. Das macht sich auch in Altena bemerkbar. Aus diesem Anlass hatte die Kolpingsfamilie Evingsen am Freitag zur Gesprächs- und Diskussionrunde unter der Leitfrage „Was uns in der Kirche bewegt. Von der Versorgung zur Mitsorge“ aufgerufen. Ein Thema, das Referent Diakon Heinz-Georg Voß am Herzen lag.

Die Kirche habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert und der Prozess sei noch längst nicht abgeschlossen. Es fehle der Nachwuchs, bei den Priestern sowie dem Ehrenamt, meinte Voß. Das kirchliche Ehrenamt wurde in seiner heutigen Form erst 1965 mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeführt. Bis dato arbeiteten die Priester nahezu autonom. Damals hatte man beschlossen, die Laien stärker einzubinden und unter anderem Pfarrgemeinderäte zu etablieren. Heute kommt der Großteil der Mitarbeiter aus dem Ehrenamt. Für viele Priester der alten Schule sei die neue Regelung damals allerdings undenkbar gewesen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Während es 1964 in Altena noch fünf katholische Priester gab, so ist es heute nur noch einer. Die Hauptamtlichen hatten Angst die neuen Regelungen umzusetzen und von den christlichen Laien verdrängt zu werden. Mittlerweile ist es so, dass Priester in den Gemeinden mehr Verwaltung als Seelsorge betreiben. Deswegen ist eine stärkere Einbindung des Ehrenamts unabdingbar.

Eine größere Entscheidungsfreiheit berge allerdings auch immer mehr Verantwortung, so Diakon Voß. Es habe ein Wechsel von der bloßen Versorgung zur Praxis statt gefunden. Ausreden vieler Gemeindemitglieder („Ach, ich kann das doch gar nicht.“), lässt Diakon Voß nicht durchgehen. „Jeder hat etwas, das er gut kann.“ Deswegen müsse auch jeder Einzelne lernen Verantwortung zu übernehmen. Ein Problem sei auch der gravierende Priestermangel. Es gebe aktuell mehr Todesfälle aus neue Priesterweihen.

Viele Klagen, keine Lösungen

Die Krise sei deswegen noch lange nicht überwunden, so der Diakon. Die Kirche stecke viel mehr mittendrin. Sie sei keine immer verfügbare Volkskirche mehr. Anstatt sich allerdings gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben, müsse man gemeinsam nach Perspektiven suchen.

In Evingsen habe es immer ein starkes Ehrenamt gegeben. Viele hätten damals voller Freude mitgeholfen, die neue St. Theresia-Gemeinde aufzubauen. Doch im Ehrenamt ist niemand mehr nachgerückt. Immer noch säßen dieselben Leute in den Reihen von Kolpingsfamilie und Gemeinderat. Junge Leute hätten meist aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr sich zu engagieren. „Eine Ausrede“, wie einige der Kolpingmitglieder finden. „Wir haben früher auch gearbeitet“. Doch Voß warnt vor Schuldzuweisungen. Auch wenn er sich selbst manchmal über fehlendes Engagement ärgert.

Seiner Meinung nach gibt es viele kleine Probleme, die zu einem großen wachsen. Eine Lösung hat allerdings auch er nicht parat. „Die, die helfen wollen, können nicht mehr – und die, die können, wollen nicht“, so die einfache Gleichung. Er kritisiert, dass zu viele sich nicht darauf besinnen, was wirklich wichtig sei. Schließlich müsse man sich nichts vorsetzen lassen. Das Schöne am Ehrenamt sei ja schließlich, dass man aktiv werden, etwas bewegen könne. Doch der Frust unter den Mitgliedern der Kolpingsfamilie ist groß. Junge Familien blieben der Kirche fern, Freizeiten und Schulungen trügen nur kurzzeitig Früchte. Es gibt viele Klagen, aber keine Lösungen.

Fest steht, die Kirche befindet sich im Wandel. „Die Kirche hat nicht mehr den Wert wie früher“, ist sich die Kolpingfamilie sicher. Deswegen ruft Diakon Voß dazu auf, gemeinsam etwas zu bewegen. Jeder könne seinen Beitrag leisten. Man müsse allerdings konsequent sein. „Denn“, so brachte es der Diakon,auf eine Formel, „wenn ich nicht im Kleinen verbindlich bin, kriege ich Großes nicht mehr bewegt“. ▪ ch

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