Kirche kann mit St. Vinzenz machen, was sie will

ALTENA ▪ Bistum, Kirchengemeinde und Krankenhaus-Geschäftsführung waren zur Ratssitzung am Montag eingeladen – gekommen ist keiner davon. Das war das Tüpfelchen auf dem i; in der Diskussion über das Krankenhaus wurde deutlich, dass die Kirche bei den Politikern keine Sympathien mehr genießt. CDU-Sprecher Scholz drohte gar ganz unverhohlen Konsequenzen an: Man sei den Katholiken immer entgegen gekommen, zum Beispiel bei der Kindergartenfinanzierung. „Wir müssen uns jetzt fragen, ob das noch ein verlässlicher Partner ist und ob wir das alles noch so wollen“.

Eine interessante Information trug Bürgermeister Dr. Hollstein zur Diskussion bei: Nach seinen Kenntnissen sei die von der Kirche genannte Auslastung von 50 Prozent falsch, sagte er – „sie liegt bezogen auf die noch vorhandenen Betten eher bei 75 Prozent“. Für Scholz war das ein weiterer Beweis dafür, dass endlich alle Zahlen und Fakten offen gelegt werden müssten.

„Beim Krankenhaus handelt es sich nicht um die Privatangelegenheit der Kirche“, stellte Oliver Held von den Grünen klar und erinnerte daran, dass der Bau des Hauses hoch bezuschusst worden sei. Reiner Kemmerling (SPD) nannte sogar Zahlen: 60 Mio. Mark habe das Land damals gegeben. Das ist allerdings rein juristisch kein Argument mehr, wie gestern die Bezirksregierung bestätigte: In den Zuwendungsbescheiden sei eine Zweckbindung von 20 Jahren festgeschrieben worden, sagte Pressesprecher Christoph Söbbeler. Diese Frist ist vor vier Jahren abgelaufen, die Kirche kann mit dem Gebäude machen, was sie will, ohne Geld ans Land zurückzahlen zu müssen. Wenn das so sei, dann könne „moralisch was nicht stimmen“, sagte Kemmerling.

Eine sehr weitgehende Forderung erhob im Laufe der Debatte Oliver Held: Wenn die katholische Kirchengemeinde nicht mehr in der Lage sei, das Krankenhaus wirtschaftlich zu führen, dann möge sie es abgeben, sagte er – womöglich lasse sich ja ein neuer Träger finden.

Dem Rat lag die kurz zuvor verschickte Stellungnahme von Hans Wehr bereits vor, sie sorgte nicht nur dort für Erstaunen. „Unterste Sohle“ sei das, staunte gestern der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Einhard Pflüger. Wehr lasse nicht nur eine Vielzahl von Veränderungen außer Acht, die die finanzielle Situation nach und nach verbessert hätten. Mit Hans-Joachim Brüggemann vom Caritas-Trägerwerk im Bistum Essen habe stets auch ein sehr sachkundiger Vertreter des Bistums im Verwaltungs- und später im Aufsichtsrat des Krankenhauses gesessen, der „sehr wohl“ gemerkt hätte, wenn die wirtschaftlichen Interessen des Hauses nicht beachtet worden wären.

Michael Kaufmann und Barbara Bieding haben für heute eine Erklärung zu den Ereignissen der vergangenen zwei Wochen angekündigt. ▪ ben.-

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