Jenseitskisten im Kindergarten

Mit Kindern über den Tod sprechen

+
So sieht der Himmel aus: Kindergartenkinder zeigen ihre Jenseitskisten.

Altena - Kinder und Tod, das passt für viele Menschen nicht gut zusammen. „Aber der Tod gehört zum Leben dazu. Daher halte ich es für wichtig, auch mit Kindern über dieses Thema zu sprechen“, erklärte Pfarrerin Merle Vokkert. Aus diesem Grund gibt es seit geraumer Zeit themenbezogene Projekte in den beiden evangelischen Kindergärten.

„Wir basteln heute sogenannte Jenseitskisten. Die Kinder können alles hineintun, was sie mit dem Thema verbinden oder sie so gestalten, wie sie meinen, dass es im Himmel aussieht“, erklärt Vokkert. Wie sich herausstellte, hatte bereits fast jedes Kind Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Sei es durch Oma und Opa oder durch ein Haustier.

Vorteil liegt in der Unbefangenheit

„Es ist also Quatsch zu sagen, so ein Thema könne man Kindern nicht zumuten. Sie werden früher oder später damit konfrontiert“, sagte die Pfarrerin. Der große Vorteil, so früh damit anzufangen, liege in der Unbefangenheit der Kinder. 

Das wurde beim Basteln deutlich. Mit jeder Menge Kreativität gingen die Kinder ans Werk. „Bei Gott sind viele Wolken und da ist es ganz bunt und fröhlich“, erzählte ein Mädchen und ihr Kumpel ergänzte: „Da sind Blumen mit Wolken. 

Ganz bunte Federn sind auch da und ganz flauschig ist es da“. Vokkert weiß aus ihrer Arbeit als Seelsorgerin, dass Kinder eine unverblümte Art haben, mit Trauer umzugehen. „In dem einen Moment sind sie traurig und dann stehen sie auf und spielen. Das ist völlig normal“, sagte sie. Dennoch müsse man Trauer bei Kindern ernst nehmen und auch Raum bieten.

Besonders sensibel

Kinder seien besonders sensibel und spürten die Trauer. Umso wichtiger sei es, sie mit dem Thema vertraut zu machen – auch, wenn das manch einem Erwachsenen schwerfalle. Währenddessen erklärte ein Mädchen ihre Kiste: „Sterne sind da, ganz helle. Bei Gott ist es warm.“ Ein anderes Mädchen malte alles mit Glitzer an. „Da treffen wir dann auch die Katze von Schmidts und Engel“, erzählte sie. 

Zuvor sei das Vorgehen selbstverständlich mit den Eltern besprochen worden, schließlich ging es um ein Thema, das in der Gesellschaft oft tabu ist. Dabei, so Vokkert, sei es wichtig, Kinder mit dem Thema Tod vertraut zu machen. Denn in gewisser Weise könne man auch lernen zu trauern. „Als wir damit vor ein paar Jahren anfingen, wurde das kontrovers diskutiert. Inzwischen finden es eigentlich alle gut. Denn kommt es wirklich zu einem Trauerfall in einer Familie, sind oft alle überfordert“, sagte Vokkert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare