Für Kinderhospiz: Mönch verkauft Ablassbriefe

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Ulrich Weispfennig verkauft beim Mittelalterfest in Altena Ablassbriefe.

ALTENA ▪ „Bekenne, bereue und erhalte Absolution“ – unter diesem Motto wird Ulrich Weispfennig beim Mittelalterfest Ablassbriefe verkaufen. Inmitten von Rittern und Hexen ist er am Wochenende als Mönch Ulricus von Nettenscheid anzutreffen. Alle Silberlinge, die er dabei einnimmt, sind für das Kinderhospiz in Olpe bestimmt.

„Wenn ich auf dem Fest unterwegs bin, möchte ich auch etwas darstellen und tun“, begründet Weispfennig. Die Idee, als Ablasshändler zum mittelalterlichen Flair beim Fest beizutragen, sei rasch entstanden. Schließlich sei er Versicherungsvertreter von Beruf.

Altes Bettlaken, braun gefärbt

Die Mönchskutte hatte ihm seine Frau Kornelia bereits vor zwei Jahren für das Mittelalterspektakel auf der Burg geschneidert. Ein altes Bettlaken, braun gefärbt und mit einer Kordel um die Hüfte – das musste damals reichen. Für das nahende Mittelalterfest hat Weispfennig sein Gewand detailreich ergänzt. Eine spitze Kapuze – Gugel genannt – hat er im Internet bestellt. Dazu ein Krug zum Umhängen, zeitgemäße Lederschuhe und eine zerschlissene Geldbörse. Sogar seine Brille hat er mit Lederriemen anstelle von Bügeln an sein Kostüm angepasst.

Derart ausstaffiert, mit Ablassbriefen, Federkiel und Tintenfass im Gepäck und in Begleitung eines Novizen, seines Sohnes David, pendelt Ulricus von Nettenscheid von Freitag bis Sonntag zwischen Innenstadt und Burg. „Ich werde alle Leute ansprechen“, hat Weispfennig sich vorgenommen. Schließlich ist das Geld aus dem Ablasshandel für einen guten Zweck – und nicht für den Bau des Petersdoms, wie im 16. Jahrhundert.

Bei sieben Sünden gibt’s Rabatt

Eine Sünde für einen Silberling, bei sieben Sünden gibt es Rabatt: Weispfennig hat sich einiges einfallen lassen, um den Festbesuchern die Ablässe schmackhaft zu machen. Das Drucken der Briefe sponserte die Nachrodter Firma praedata. So kann der gesamte Erlös aus dem Verkauf den todkranken Kindern im Olper Hospiz übergeben werden. „Für die Briefe selbst habe ich meine alten Lateinkenntnisse hervorgekramt“, berichtet Weispfennig. „Litterum Indulgentiales“ steht deshalb auf jedem der Din A5 großen Ablassbriefe. Sieben Sünden, von Hochmut bis Wollust, kreuzt Ulricus von Nettenscheid darauf ganz nach den Wünschen der Käufer an.

Das Kinderhospiz Balthasar in Olpe kennt Weispfennig von einem Besuch persönlich. Die Einrichtung, die unheilbar kranken Kindern und deren Familien hilft, beeindruckte den Altenaer sehr. Nun hofft er, dass seine Idee mit dem Ablasshandel beim Mittelalterfest gut ankommt und er eine ordentliche Spende für das Hospiz einnimmt. ▪ Pia Käfer

Online: http://www.pfiffikus-team.de/mittelalter/

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