Kindergarten Nettenscheid in akuter Gefahr

ALTENA Bittere Pille für die Kindergarteneltern vom Nettenscheid: Wenn nicht bis Dienstag nächster Woche mindestens vier Kinder für das Kindergartenjahr 2012/2013 angemeldet werden, schließt die Einrichtung im Sommer ihre Pforten. 18 Kinder müssten wenigstens angemeldet sein, „damit wir mit Schweiß auf der Stirn das nächste Kinderjahr dort planen können“, sagte Pfarrer Uwe Krause bei einem Informationsabend im Bürgerzentrum.

Deutlich wurde dort auch, dass es sich allenfalls um eine Gnadenfrist handeln würde: 16 Kinder besuchen zurzeit den Kindergarten, zwei wechseln nächstes Jahr in die Schule – theoretisch wohnen in dem Stadtteil im Moment noch genug Kinder, um das aufzufangen. 2013 sieht das anders aus: Dann gibt es viel mehr Schulanfänger, aber weniger Kinder, die nachrücken könnten. Etwa ein Dutzend Jungen und Mädchen pro Jahrgang gebe es zukünftig in diesem Stadtteil, berichtete Fachbereichsleiter Friess – eindeutig zu wenig. „Wir stünden also ein Jahr später wieder vor der gleichen Entscheidung“, sagte Krause. Er vertrat die evangelische Kirchengemeinde Evingsen, die Trägerin dieser Einrichtung ist.

Die Eltern wussten, was auf sie zukommt – trotzdem reagierten einige geschockt. „Das wäre der dritte Kindergartenwechsel für unseren Sohn“, berichtete eine Mutter, die gerade erst zum Nettenscheid gezogen war. Eine andere sah große Probleme auf sich zukommen, wenn sie ihr Kind vor Arbeitsbeginn noch in einen anderen Kindergarten bringen müsste. Immer wieder angesprochen wurden die weiten Wege, die dann zurückgelegt werden müssten – es sei denn, die Kindern würden In die Heimecke wechseln. Es wurde allerdings schnell deutlich, dass das für einen großen Teil der Eltern nicht in Frage kommt: „Da kommt doch keine Sonne hin“.

Natürlich wurde nach Lösungen gesucht. Beispiel: Der Kirchengemeinde gehört auch der Kindergarten in Evingsen, dort gibt es 2,6 Gruppen – man könne doch einfach „die 0,6er Gruppe zum Nettenscheid verlagern“, schlugen die Eltern vor. Friess warnte in diesem Zusammenhang vor dem Versuch, zur Rettung einer Einrichtung andere notleidend zu machen. Krause erinnerte an den Elternwillen – die Evingser wären mit einer solchen Lösung nicht unbedingt einverstanden, ahnte er. Bittere Antwort aus dem Publikum: „Nach unserem Willen fragt ja auch keiner“. Dr. Rita Rüth von den Grünen wies darauf hin, dass die Schließung des Kindergartens die Vermarktung der städtischen Baugrundstücke nicht eben erleichtere,

Einen interessanten Zwischenton gab es, als die Sprache auf die Innenstadt kam., wo zwei Kindergärten direkt nebeneinanderliegen – „noch“, betonte der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Scholz, als die Sprache auf die dortige Überversorgung kam. Das sich auch dort Veränderungen anzubahnen scheinen zeigt die Tatsache, dass die Verwaltung in dieser Sache für den kommenden Montag zu einer Pressekonferenz geladen hat.

Das Grundproblem hat Wolfgang Friess, der für die Kindergärten zuständige Fachbereichsleiter der Stadtverwaltung, schon bei der Begrüßung kurz erklärt: 2001 gab es in Altena 700 Kindergartenkinder, aktuell sind es noch 400. Für die nächsten Jahre rechnet er mit einem weiteren, drastischen Einbruch von rund 100 Kindern pro Jahrgang. Friess schilderte, welche Anstrengungen Stadt und Träger in den vergangenen Jahren unternahmen, um Schließungen zu verhindern. Dazu seien in den einzelnen Einrichtungen die Kinderzahlen abgesenkt worden – mit der Folge, dass die Träger weniger Geld bekamen und dementsprechend mehr aus eigener Tasche bezahlen mussten. Er ließ durchblicken, dass die evangelische Kirchengemeinde Evingsen pro Jahr einen fünfstelligen Betrag für den Kindergarten Nettenscheid aufbringen muss.

So geht es jetzt weiter: Bis Dienstag können Kinder im Kindergarten Nettenscheid angemeldet werden, die Verwaltung wird alle in Frage kommenden Elternteile darüber informieren. Sollte die Zahl von 18 Kindern nicht erreicht werden, werden die Eltern umgehend zu einer weiteren Versammlung eingeladen. Die Kindergärten In der Heimecke, Evingsen und Dahle sind bereit, Kinder vom Nettenscheid aufzunehmen. Bei der Entscheidung darüber, welches Kind wohi n kommt, werde auf die Wünsche der Eltern größtmögliche Rücksicht genommen, sicherten Friess und Krause zu. Die Kirche wird auch Sorge dafür tragen, dass die am Nettenscheid tätigen Erzieherinnen weiterbeschäftigt werden.

von Thomas Bender

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