„Das Bunte ist die Liebe“

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Ein Besuch im evangelischen Kindergarten am Knerling: Die so genannten Jenseitskisten helfen den Junioren dabei, sich mit dem schwierigen Thema Tod auf altersgerechte Art und Weise auseinanderzusetzen.

Altena -  Der Tod gehört zum Leben. Das wird gerade in diesen Tagen vielen Menschen bewusst. Kinder sind besonders sensibel und spüren die Trauer. Umso wichtiger ist es, auch sie so früh wie möglich mit dem Thema vertraut zu machen – auch, wenn das manch einem Erwachsenen schwer fällt.

Das zumindest ist die Meinung von Pfarrerin Merle Vokkert und der Erzieherinnen Jasmine Wille und Britta Mertens. Gemeinsam starteten sie im evangelischen Kindergarten am Knerling ein ganz besonderes Projekt.

„Natürlich hatte auch ich meine Bedenken, ob so ein Thema in den Kindergarten gehört. Aber jetzt bin ich davon überzeugt. Es gab tolle Reaktionen und es war unheimlich intensiv“, erklärt Wille. Zuvor sei das Vorgehen selbstverständlich mit den Eltern besprochen worden, schließlich ging es um ein Thema, das in der Gesellschaft oft tabu ist. Dabei, so Vokkert, sei es wichtig, Kinder mit dem Thema Tod vertraut zu machen. Denn in gewisser Weise könne man auch lernen zu trauern.

Wie sich herausstellte, hatte bereits fast jedes Kind Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Sei es durch Oma und Opa oder durch ein Haustier. „Es ist also Quatsch zu sagen, so ein Thema könne man Kindern nicht zumuten. Sie werden früher oder später damit konfrontiert“, sagte die Pfarrerin.

Der große Vorteil, so früh damit anzufangen, liege in der Unbefangenheit der Kinder. Das wurde beim Basteln sogenannter Jenseitskisten deutlich. Mit jeder Menge Kreativität gingen die Kinder ans Werk. Kevin und Lukas malten die Kiste liebevoll an und verzierten sie mit einem Kreuz. „Wenn man tot ist, wird man vergraben und bekommt ein Kreuz“, erklärte Kevin. Und Lukas ergänzte: „Ich habe noch meinen Opa auf die Kiste gemalt, der ist nämlich auch tot.“

Nick und Luca waren derweil damit beschäftigt, bunte Schnipsel in ihre Jenseitskiste zu werfen. Das aber war kein Streich oder eine lustige Idee, wie sich herausstellte. „Das Bunte, das ist die Liebe. Denn die ist immer da, auch wenn man tot ist“, sagte Nick. Die kindliche Logik rührte die Erzieherin. „Das sind wunderbare Momente, wo man echt auch mal schlucken muss“, sagte Wille.

Luca verzierte die Wand der Kiste mit Engeln. Denn er ist davon überzeugt, dass man zu einem Engel wird, wenn man stirbt. Auf der anderen Seite ist Mariella am Werk. Das Mädchen hat ihre Oma und viele Blumen gemalt. „Oma ist tot. Auf dem Grab soll es immer schön sein“, sagt sie.

Luis ist dabei, seine Kiste ganz in blau zu streichen. „Wenn man stirbt, ist man im Himmel. Deswegen habe ich noch Gott gebastelt. Den kann man dort kennenlernen. Deshalb ist es dort schön, weil Gott ist lieb“, sagt der Fünfjährige. „Wie man hier wunderbar sehen kann, haben Kinder eine eigene und vor allem direkte Art, mit dem Thema umzugehen“, erklärt Vokkert.

Die Pfarrerin weiß aus ihrer Arbeit, dass Kinder eine unverblümte Art der Trauer hätten. „In dem einen Moment sind sie traurig und dann stehen sie auf und spielen. Das ist völlig normal“, sagte sie. Dennoch müsse man Trauer bei Kindern ernst nehmen und auch Raum bieten.

Von Lydia Machelett

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