Kinderfeuerwehr: Abkühlung kommt aus dem C-Rohr

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Die Kinderfeuerwehr-Mitglieder rollen die Schläuche aus.

Altena – 21 Kinder trainieren zweimal im Monat fürs Leben retten und Brände löschen. Die Kinderfeuerwehr kommt gut an, viele wollen mitmachen. Ein Besuch.

Jonas, Paul und Jan strahlen: Endlich sind Plätze frei in der Kinderfeuerwehr, endlich dürfen sie mitmachen. Fast ein Jahr lang haben sie darauf gewartet. Zuerst geht’s in die Kleiderkammer. T-Shirt, Kappe, Handschuhe und zu guter Letzt eine Jacke, die der Ausrüstung der großen Feuerwehrleute zum Verwechseln ähnlich sieht. 

Stolz wie Oskar sind die Drei, nachdem Anna Denkhaus sie ausgestattet hat. Dann heißt es „aufsitzen“: Kai Spelsberg, Philipp Selle und Ramona Stäblein haben schon die Fahrzeuge vorgefahren. Da ist zum einen ein kreisweit vermutlich einmaliger VW-Bus. Blaulicht, Martinshorn. „Feuerwehr-Altena“-Aufschrift: Von außen sieht das Fahrzeug ganz normal aus.

Innen gibt es sechs Maxi-Cosi-Kindersitze. Die kleinsten der kleinen Feuerwehrleute können nur so sicher befördert werden. Die etwas Größeren nehmen auf Sitzerhöhungen im Auto der Jugendfeuerwehr Platz – und auf die „ganz Großen“ sind alle anderen neidisch, weil die ins Löschfahrzeug klettern dürfen. 

21 Kinder dabei

„Ganz groß“ ist man in der Kinderfeuerwehr übrigens mit zehn Jahren, danach geht’s in die Jugendfeuerwehr. Die Jüngsten sind gerade mal sechs Jahre alt. 21 Kinder machen mit, Jungs sind deutlich in der Überzahl. 

„Die Jacken braucht ihr heute nicht“, instruiert Ramona Stäblein die Kinder. Viel wichtiger ist ihr, dass die Eltern Wechselkleidung mitbringen, wenn sie die Kinder nach eineinhalb Stunden wieder abholen. Bei Temperaturen jenseits der 30 Grad wurde der Kinderfeuerwehrdienst am Montag nämlich ein pitschnasses Vergnügen. 

Maues Tröpfeln statt Wasserstrahl

Es geht zum Hegenscheider Weg. Dorthin, wo der Wald vor einem Jahr lichterloh brannte. „Und jetzt die Schläuche verlegen“ kommandiert Philip Selle. Die Kinder üben mit D-Rohren, die etwa Gartenschlauchformat haben, aber tatsächlich zur Normausstattung eines jeden Löschfahrzeuges gehören. Es dauert nicht lange, da liegen fünf solcher Schläuche auf dem Waldboden. Nicht gut, weil der Verteiler nur drei Anschlüsse hat. 

Nach einigem Hin und Her ist auch dieses Problem gelöst, Strahlrohre können montiert werden. „Wasser marsch“, kommandieren dann drei Kinderstimmen, Kai Spelsberg dreht am Tanklöschfahrzeug die Hähne auf. Der Effekt ist überschaubar. 

„Wie Pipi“ tröpfelt es aus den Schläuchen, stellt einer der Knirpse fest. „Da müsst ihr Euch dran gewöhnen, dass nicht immer alles sofort klappt“, sagt Ramona Stäblein. Es liegt am für Spelsberg ungewohnten Fahrzeug und an einem falsch angeschlossenen Schlauch, dass kein Druck auf die Schläuche kam. 

Sturzregen als Abkühlung

Als der Fehler behoben ist, geht’s los mit Löschen. Die Kinderfeuerwehrwarte achten genau darauf, dass jedes Kind mal dran kommt. Und dann heißt es noch einmal „Wasser marsch“, aber diesmal von Philip Selle. Mit einem Hohlstrahlrohr lässt er einen Sturzregen über der Rasselbande niedergehen. 

Mittendrin fällt Ramona Stäblein die Frage ein, ob möglicherweise eines der Kinder ein Smartphone in der Hosentasche hat. Glück gehabt: Beim Dienst bleiben sie offensichtlich zuhause. 1600 Liter Wasser sind schnell verbraucht.

 „Viele Hände, schnelles Ende“ heißt es dann. Die Kinder räumen auf. Kai Spelsberg hat etwas Luft, um über die Kinderfeuerwehr zu berichten. Gemeinsam mit Anna Denkhaus hat er sie 2017 aufgebaut, Stäblein und Selle werden jetzt folgen. 

Stadt zahlt Kinderfeuerwehr

Insgesamt neun Feuerwehrleute haben einen Jugendleiterschein gemacht und sich so für die Arbeit mit Kindern qualifiziert. Die Kosten der Kinderfeuerwehr – Spelsberg: „20 000 Euro sind da schnell mal weg.“ – trägt die Stadt. Möglicherweise auch mit dem Hintergedanken, auf diesem Wege neue Feuerwehrleute zu gewinnen. „Sinn der Kinderfeuerwehr ist aber nicht die Nachwuchsgewinnung“, betont Spelsberg. „Uns geht es einzig und allein um Jugendarbeit."

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