Keine Probleme mit dem „guten Nachbarn“

Nachbarn haben für den vom Sohn getöteten Chafik Itani eine kleine Gedenkstätte an der Industriebrache am Winkelsen errichtet.

ALTENA ▪ Viele Menschen, die Chafik Itani näher kannten, sind geschockt von den Schilderungen seines Sohnes Muhamed . Der 25-Jährige hat seinen Vater vor dem Hagener Schwurgericht als Familientyrann, der ihn immer nur gedemütigt und gequält habe, beschrieben. „So haben wir Chafik nicht erlebt“, erklärte ein Ehepaar, das der öffentlichen Sitzung am Donnerstag beiwohnte.

Mehr als 30 Jahre hätten sie geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen mit dem 65-Jährigen gepflegt, berichtet das Ehepaar. Sie haben auch die Kinder kennen gelernt. Chafik Itani hätten sie immer nur nett und freundlich erlebt. „Aber gut, man schaut den Menschen ja nur vor den Kopf“, gaben beide zu bedenken. Dennoch, dass er ein Tyrann gewesen sein soll, können sich beide nicht vorstellen. „Die Kinder haben doch auch immer alles bekommen. Sie durften studieren“, erklärte der Mann. „Ich verstehe die Tat nicht. Wenn man sich nicht versteht, sollte man getrennte Wege gehen – aber ihn zu töten... “, meinte die Frau kopfschüttelnd.

Ein weiterer Zuhörer im Gerichtssaal war ein Mann aus Werdohl. Durch seine Tätigkeit bei der Stadtverwaltung habe er geschäftlich mit Itani zu tun gehabt. „Ich hatte nie Probleme mit ihm. Er war immer zuvorkommend.“

Auch Chafik Itanis Nachbarn haben Schwierigkeiten mit den Behauptungen seines Sohnes, der jetzt wegen Totschlags vor Gericht steht. Der 25-Jährige gab am ersten Verhandlungstag zu, den Vater erstochen und verbrannt zu haben. Er berichtete dem Gericht aber auch dreieinhalb Stunden lang von einem Leben mit dem Vater, „das sehr schmerzhaft“ gewesen sei. Der 25-Jährige erzählte von Demütigungen und Misshandlungen, die bei den Zuhörern zunächst Bestürzung hervorrufen. Am Ende meinte Muhamed: „Ich hoffe, dass es klar geworden ist, wie schrecklich das Leben mit ihm war.“

„Der lügt, da bin ich mir ganz sicher“ und „mit dem stimmt etwas nicht“, meinten ehemalige Nachbarn dazu. Eine Zeugin sagte vor dem Schwurgericht aus, sie habe im Haus nie etwas mitbekommen vom Streit zwischen dem Vater und seinen Kindern, die nur ab und an da gewesen seien. „Es gab kein Geschrei oder so. Er war ein guter Nachbar.“ Sie berichtete dem Gericht aber auch von exhibitionistischen Handlungen Muhameds. „Der stand splitternackt am Fenster und onanierte.“

Insgesamt sind noch sechs Verhandlungstermine angesetzt. Gehört werden unter anderem die Schwester des Angeklagten, ein psychologischer Gutachter und der Gerichtsmediziner. Unklar ist, ob die Stiefmutter aussagen wird. Für Muhameds Anwalt, Prof. Dr. Ralf Neuhaus, tötete der 25-Jährige im Übrigen in Notwehr. ▪ Von Ilka Kremer

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