Keine Kneipe in der Kirche: Viele Kaufinteressenten für St. Paulus

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Zu verkaufen: Die Kirche St. Paulus.

Altena – Weder Kneipe noch Bordell oder Spielhalle: Dafür gibt die Gemeinde St. Paulus nicht her. Das Kaufinteresse ist groß an der Kirche. Sie wird  bald versteigert.

„Eine Kneipe, hier, in unserer ehemaligen Kirche? Das kommt überhaupt nicht infrage!“ Ulrich Schmalenbach, Pfarrer von St. Matthäus, hielt sich kein bisschen zurück. 

Als er am Freitag gemeinsam mit Dietmar Flusche, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, und Gabor Kaufhold vom Auktionshaus Westdeutsche Grundstücksauktionen AG (Köln) Kaufinteressierte an der ehemaligen St. Paulus-Kirche, dem Pfarrhaus und langjährigem Bürgertreff traf, fragte er auch nach möglichen Nutzungen. 

Versteigerung am 14. September in Köln

Der Kneipenplan eines Dortmunder Interessenten, von ihm als ein „gehobenes Angebot der Erlebnisgastronomie“ bezeichnet, war für den Pfarrer „kein weiteres Thema.“ 

Im Vorfeld der öffentlichen Versteigerung dieses Kircheneigentums am 14. September um 11 Uhr im Hilton Cologne Hotel in Köln, stellten Schmalenbach und Flusche aber erfreut fest: „Es bewegt sich was. Heute sind acht Personen hier, weitere haben sich bereits umgeschaut, und auch beim Auktionshaus selbst gab es noch zusätzliche Anfragen.“ 

99 000 Euro sollen die drei Gebäude als Erlös bringen. „Mindestens“, wie Schmalenbach hofft. Und so nahm er sich mit dem Auktionator und Flusche gestern viel Zeit, um allen Interessierten die Gebäude schmackhaft zu machen. 

Pfarrer: "Das nimmt mich emotional mit"

Die Gruppe kletterte auf Dachböden, durchstreifte Kellerräume und sah sich auch im Inneren der 2005 aufgegebenen Kirche um. „Wir müssen noch viel wegräumen“, sagte Flusche. „Doch in der Kirche bleiben die aussagekräftigen Fenster. Sie sind ein Kleinod“, sagte Schmalenbach. 

„Ich habe die Verkaufsaktivitäten bewusst an Dietmar Flusche abgegeben. Ich kann das nicht. Das nimmt mich emotional zu sehr mit.“ Es seien schwere Tage für ihn und die ganze Gemeinde. Nur: „Die Unterhaltung aller Gebäude kostet Geld, wir mussten diesen Weg gehen.“ Und er erinnerte an vorherige Verkaufsaktionen, die „aber alle nichts gebracht haben“. 

Besichtigung in der Kirche

Auktionator Gabor Kaufhold erläuterte beim Gang durch Kirche, Pfarrhaus und Bürgerzentrum im Detail den Ablauf der Auktion. Er gab Hinweise und Tipps, wie Interessenten vorgehen können, wie ihre Bonität geprüft und anschließend ein Notar eingeschaltet wird. 

Das Auktionshaus bringt das Kircheneigentum mit einer Klausel auf den Markt. Die schließt Gaststätten, Bordelle, Spielhallen oder andere dem katholischen Glauben entgegenstehende Nutzungen gänzlich aus. „Das ist kein Papiertiger. Das wird amtlich in alle Dokumente eingetragen“, sagte Kaufhold. 

Tanzschule, Trauerräume oder Fotostudio

In der Rahmede hat der Bischof von Essen das letzte Wort in Sachen Verkauf. Erst wenn er das vom Käufer vorgelegte Nutzungskonzept billigt, wird der Verkauf amtlich. Gestern waren vier von acht Interessenten bereit, anzudeuten, was sie sich in der Rahmede vorstellen könnten – nämlich Therapie- und Trauerräume, eine Tanzschule, eine Kneipe oder ein Fotostudio.

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