Keine kleinen Fische

ALTENA ▪ Seit Montag müssen sich ein Pizzabäcker und ein Kfz-Mechaniker aus Altena gemeinsam mit einem Bauarbeiter aus Dortmund und einem Champignonzüchter aus Bonn vor dem Landgericht Hagen verantworten. Ihre bürgerliche Berufe warfen offenbar nicht genug Geld zur Befriedigung all ihrer Bedürfnisse ab, wenn das stimmt, was Staatsanwalt Axel Noelle den Männern im Alter zwischen 27 und 39 Jahren gestern beim Verlesen der Anklageschrift vorwarf: bandenmäßig organisierten Handel mit Marihuana, Amphetaminen und Kokain in großem Stil - das heißt: Nur selten wechselten Drogenmengen, die kleiner waren als ein Kilo, den Besitzer.

Der 39-jährige Dortmunder soll dabei als Organisator und Koordinator regelmäßiger Drogenverkäufe der Hauptdrahtzieher und Kopf der Bande gewesen sein, zu der auch der 23-jährige Kfz-Mechaniker und der 31-jährige Pizzabäcker aus Altena gehörten. Die beiden jungen Männer sollen im Zeitraum von März 2010 bis zu ihrer Verhaftung im Juni 2011 Drogen für den Weiterverkauf in mehreren Verstecken gelagert, als Kuriere fungiert und diverse Kontakte zu Drogenringen unter anderem in Göttingen, Marburg und Northeim hergestellt und „gepflegt“ haben. Weitere Geschäftsbeziehungen der Drogenbande reichten bis Berlin, Italien und in die Niederlande.

Viele der Verkäufe und Zwischenlagerungen sollen dabei in Altena stattgefunden haben. Immer sollen große Mengen Rauschgift im Spiel gewesen sein – auch wenn die Polizei im Nachhinein in vielen Fällen nicht mit Sicherheit angeben konnte, ob es sich um Amphetamine oder Kokain handelte. Sicher feststellen ließ sich die Art des Rauschgiftes bei einem „Deal“, der am 3. Dezember 2010 in Northeim über die Bühne gehen sollte. Dabei nahm die Polizei einen Kurier fest und stellte zwei Kilogramm Kokain sicher. Doch auch von diesem Rückschlag ließen sich die Täter nicht abschrecken. Der jüngere der beiden Altenaer Angeklagten soll im Auftrag des Kopfes der Gruppe den Kontakt zu einem Drogenhändler in Marburg hergestellt haben. Der dortige Kontaktmann soll sich die Ware, vor allem Amphetamine, pfundweise bei mehreren Besuchen persönlich in Altena abgeholt haben. Am 22. Januar 2011 wurde der Marburger Drogenhändler im Rahmen einer Polizeikontrolle mit 1607 Gramm Amphetaminen verhaftet. Weitere Geschäfte wurden offenbar ohne Beteiligung der Altenaer Angeklagten abgewickelt.

Alle vier Angeklagten befinden sich derzeit in Untersuchungshaft oder in Strafhaft. Zu den Vorwürfen des Staatsanwalts wollten sie noch keine Stellung nehmen. Lediglich der 23-jährige Altenaer ließ über seinen Anwalt verlauten, dass er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestreite. Der Verteidiger des angeblichen Drahtziehers der Bande aus Dortmund beantragte eine Aussetzung beziehungsweise Einstellung des Verfahrens, da die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft „kein Faktum und keine Beweistatsache“ gegen seinen Mandanten vorbringe. „Schlussfolgerungen sind nicht verteidigungsfähig“, sagte Rechtsanwalt Dr. Ulrich Busch. Diesem Antrag widersprach die Kammer nach langer Beratung. Die Taten seien hinreichend konkretisiert, hieß es zur Begründung, und mögliche Mängel machten die Anklageschrift nicht unwirksam. Die Aussetzung des Verfahrens lehnte das Gericht auch mit Blick auf die ablaufende Sechsmonatsfrist der Untersuchungshaft der Angeklagten ab.

Die Vernehmung der Zeugen soll am 10. Januar im Rahmen des zweiten von insgesamt 19 geplanten Verhandlungstagen beginnen.

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