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Keine dicke Luft mehr im Archiv: Gerichtsakten nach Schimmelbefall aufgearbeitet 

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Von: Thomas Bender

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Im Altenaer Amtsgericht kann wieder ohne Gesundheitsgefährdung gearbeitet werden: Die Akten sind nach Schimmelbefall wieder aufgearbeitet.
Im Altenaer Amtsgericht kann wieder ohne Gesundheitsgefährdung gearbeitet werden: Die Akten sind nach Schimmelbefall wieder aufgearbeitet. © Thomas Krumm

Die Beschäftigten des Amtsgerichts Altena können das dortige Archiv wieder ohne Schutzkleidung und Maske betreten: Nachdem dort vor etwa einem Jahr ein Schimmelbefall entdeckt wurde, ist die danach angeordnete Reinigung der Dokumente abgeschlossen.

Altena - Das teilt Bernhard Kuchler, Sprecher des Landgerichtes Hagen und damit für den gesamten Landgerichtsbezirk zuständig, auf Anfrage mit.

„Sämtliche noch benötigten Akten, die sich als befallen erwiesen haben, wurden vollständig gereinigt und können wieder in normaler Weise genutzt werden“, schreibt er. Verschimmelte Akten, für die die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen abgelaufen waren, wurden vernichtet.

Ans Licht kam die Sache, als im Archiv aufgeräumt wurde und dabei weit über 100 Jahre alte Nachlassakten entdeckt wurden. Bevor so etwas vernichtet wird, nimmt die Justiz Kontakt mit der Abteilung Westfalen des Landesarchivs in Münster auf. Tatsächlich machte sich ein Mitarbeiter auf den Weg nach Altena, nahm die Akten unter die Lupe und äußerte schnell den Verdacht, dass ein Schimmelbefall vorliegen könnte.

Nachdem sich das bestätigte, wurden diese Akten vernichtet. Das Problem: In dem Raum, in dem sie gefunden wurden, lagen nicht nur die uralten Akten aus dem Jahr 1877, sondern auch solche, die noch gebraucht werden. Fast alle Akten zu Erbscheinen wurden dort aufbewahrt und etwa zehn Prozent der Unterlagen zu Testamenten, erklärte Kuchler nach dem Schimmelfund. Weil es sich dabei um aufbewahrungspflichtige Dokumente handelt, kümmerten sich Fachleute um die Sache. Sie suchten nach weiterem Schimmelbefall und reinigten sie, wenn das nötig war. Weil Schimmel in Archiven immer mal wieder auftritt, gibt es auf die Rettung und Reinigung alter Dokumente spezialisierte Fachfirmen wie die, die sich zur Zeit um die bei der Flutkatastrophe beschädigten Bestände des Kreisarchivs kümmert. Üblicherweise wird der Schimmel abgebürstet und abgesaugt.

Interessant: Für in Papierform archivierte Akten gibt es bei der Justiz keinerlei Vorschriften zur Datensicherung – was weg ist, ist weg, wie zum Beispiel jene Akten, die im Jahr 2019 bei einem Brand im Amtsgericht der hessischen Stadt Kirchhain vernichtet wurden. Nur wenn digitale Inhalte gespeichert würden (beispielsweise die Beteiligtendaten im Register und die vom Gericht elektronisch erstellten Schriftstücke), unterlägen diese den normalen Datensicherungsroutinen der Justiz, erklärt Kuchler und ergänzt, dass die Akten der Justiz mehr und mehr digital geführt und regelmäßig automatisch gesichert würden.

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