Kein Denkmalschutz für prägende Gebäude: Das ist der Grund

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Früher und heute: die Gebäude am Nalshof.

Altena – Alt und schön reicht nicht aus: Wenn es um Denkmäler geht, zählen auch die inneren Werte. Und die reichen bei der Selve-Villa und dem Nalshof nicht, um geschützt zu werden.

Wenn es um Denkmäler geht, zählen auch die inneren Werte. So erklärt Jürgen Wagner aus dem Bauamt die für Laien überraschende Tatsache, dass die „Alpenburg“ an der Lüdenscheider Straße kein Baudenkmal ist. 

Sie taucht noch nicht einmal in dem opulenten Werk „Die Profanbaukunst im märkischen Sauerland 1815 bis 1880“ auf, die die Freunde der Burg 1983 herausgaben. Es handelt sich dabei um die Doktorarbeit von Ulrich Barth, der sich auf über 1000 Seiten mit der Architektur in der Region befasst. Allein für Altena sind deutlich über 300 herausragende Objekte aufgezählt. 

Villa zu stark verändert

Die Stadt ist untere Denkmalbehörde, Wagner kümmert sich um alles, was alt und schützenswert sein könnte. Unterstützt wird er dabei vom Amt für Denkmalpflege beim Landschaftsverband in Münster, wo es eine eigene Abteilung für die Inventarisierung von Baudenkmälern gibt. 

Die Selve-Villa steht nicht unter Denkmalschutz.

Mit deren Fachleuten war Wagner vor etwa zehn Jahren in der einst von Gustav Selve bewohnten Villa – der damalige Eigentümer hatte angefragt, ob es sich womöglich um ein Baudenkmal handeln könnte. „Bei der Begehung wurde damals festgestellt, dass es in dem Gebäude im Laufe der Jahre erhebliche Veränderungen gegeben hat“, erklärt Wagner. 

Es sei so gravierend in die Substanz eingegriffen worden, dass die Fachleute aus Münster keinen Denkmalstatus erkannt hätten. 

Denkmalbereich Knerling

Das ist kein Einzelfall. Kürzlich hat sich Wagner am Nalshof, also an dem Treppenweg von der Lennestraße zur Burg, umgesehen. Dort standen mehrere Häuser zum Verkauf. Wenn er erfahre, dass historische Objekte auf den Markt kämen, dann schaue er sich das an, erklärt der Mitarbeiter des Bauamtes. 

„Sie glauben ja gar nicht, wo ich in den letzten Jahren schon überall herumgekrochen bin.“ Für den Nalshof schwebte Wagner ein Denkmalbereich vor. 

Sowas gibt es bereits am Knerling. Vor Jahren schon stellte der Stadt den kompletten Stadtteil unter Schutz. Denkmalbereich bedeutet, dass das Gesamtbild einer Gruppe von Gebäuden geschützt werden soll. Alle Maßnahmen, die das Erscheinungsbild betreffen (zum Beispiel Anstricharbeiten, Erneuerung der Dacheindeckung oder der Austausch von Fenstern) müssen von der Stadt genehmigt werden. 

Balkone und Vordächer angebaut

Auch im Fall des Nalshof senkte sich der Daumen des Amtes für Denkmalpflege nach unten. Wie an der Alpenburg seien auch dort erhebliche Veränderungen an den historischen Häusern vorgenommen worden, etwa durch den Anbau von Balkonen und Vordächern. 

Mit dem Thema Denkmalschutz beschäftigen sich Rat und Verwaltung seit dem Beginn der 1980er Jahre. Die ersten Unterschutzstellungen erfolgten im Oktober 1983: 48 Objekte wurden damals in die Liste der Denkmäler eingetragen, darunter die Burg, die Stadtbücherei, die Burg Holtzbrinck und fast alle Kirchen. 

Inzwischen wurde die Liste mehrfach ergänzt. Sie umfasst heute rund 120 Objekte. Wer Steuern zahle, für den sei Denkmalschutz durchaus attraktiv, betont Wagner. 

Investitionen wie neue Heizungen oder Badezimmer können bei Denkmälern nämlich zu 90 Prozent von der Steuer abgesetzt werden. Besitzer normaler Eigenheime müssen solche Arbeiten komplett aus eigener Tasche bezahlen, wenn sie die Immobilie selbst bewohnen.

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