1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Altena

Kein Anschluss unter dieser Nummer: Kfz-Werkstatt im MK kämpft mit der Telekom

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Die Telekom-Anschlussbox an der Werkstatt-Wand. Das Equipment ist also vorhanden. Doch Carl-Heiko Juckel ist für seine Kunden telefonisch dennoch nicht erreichbar.
Die Telekom-Anschlussbox an der Werkstatt-Wand. Das Equipment ist also vorhanden. Doch Carl-Heiko Juckel ist für seine Kunden telefonisch dennoch nicht erreichbar. © Beil, Jürgen

„Ich bin kurz davor, mit einer Dachlatte durchs Land zu ziehen.“ Carl-Heiko Juckel muss selber schmunzeln, wenn er beschreibt, wie es ihm geht. Doch das Drama, in dem er steckt, könnte ihn seine Existenz kosten. Seine Auto-Werkstatt am Brachtenbecker Weg ist per Festnetz nicht mehr erreichbar. Kunden landen telefonisch auf einem Anrufbeantworter, den er nicht abhören kann, und dessen Textansage er auch nicht ändern kann. Seit Wochen kämpft der 56-Jährige mit der Telekom.

Altena – Im Zuge des Breitbandausbaus hatte sich Carl-Heiko Juckel im vergangenen Jahr für das Glasfaserangebot entschieden und für einen Vertrag mit der Telekom. „Das war ein gutes Angebot“, sagt der Kfz-Technikermeister, der vom Anbieter 1 & 1 wechseln wollte. „Irgendwann war der Tag gekommen, als das Kupferkabel abgeschaltet und das Glasfaserkabel eingeschaltet werden sollte“, erzählt Juckel. Das war am 19. April. Bis zu diesem Zeitpunkt waren acht verschiedene Gewerke bei ihm am Brachtenbecker Weg, um die Kommunikations-Wege in die Zukunft zu ebnen.

Im Kabel gibt es zwölf Glasfasern. Zwei Anschlüsse werden benötigt: einer für die Mietwohnung oben im Haus, einer für die Werkstatt. Doch nur eine Glasfaser ist aufgelegt. „Man nennt das Auflegen, nicht Anschließen“, sagt Carl-Heiko Juckel. Die Mietwohnung ist versorgt, die Werkstatt nicht. „Eigentlich müsste also nur einer hierhin kommen und sich um das Zweite kümmern“, versteht der Kfz-Profi das Problem nicht.

Mit Unterstützung seiner Frau Sylvia versuchte er alle Hebel in Bewegung zu setzen: immer wieder über E-Mail, immer wieder über Handy. „Wir haben Kontakt mit der Telekom aufgenommen, mit 1 & 1 auch. Ständig.“ Letztlich gab es auch das eine oder andere freundliche Gespräch, aber überhaupt kein Ergebnis. „1 & 1 hat es dann hinbekommen, einen halben Anschluss aufrecht zu halten. Ich kann jetzt heraustelefonieren.“ Doch das nützt ihm herzlich wenig: Die Kunden kommen ihrerseits nicht bei Carl-Heiko Juckel durch. „Wie viele Kunden von der Schüppe springen, krieg ich ja nicht mit“, sagt der Kfz-Technikermeister. Dass Kunden einfach vorbei kommen, um zu fragen, was los ist, kommt auch mal vor. Aber natürlich sehr selten. „Sie gehen dann einfach woanders hin. Es kommt bald der Punkt, da haben wir hier nichts mehr zu tun.“

Carl-Heiko Juckel betreibt seit acht Jahren eine Werkstatt am Brachtenbecker Weg.
Carl-Heiko Juckel betreibt seit acht Jahren eine Werkstatt am Brachtenbecker Weg. © Beil, Jürgen

Fakt ist: Es ist seit fast vier Wochen für den Werkstatt-Chef ein Kampf gegen Windmühlen. „Wir sind alles nur Menschen, dass mal etwas nicht klappt, ist doch völlig normal. Aber wir sind in der vierten Woche, das kann es nicht sein“, ärgert sich der gebürtige Altenaer, der seit acht Jahren am Brachtenbecker Weg 19 selbstständig ist. Nachdem er sechs Jahre nach einem Mechaniker gesucht hat, arbeitet er als Einzelkämpfer und mit Unterstützung seiner Frau. In der vorletzten Woche haben die beiden ein neues Handy gekauft und die Telefonnummer ins Internet gestellt. Allerdings ist selbst die Webseite nicht immer erreichbar.

„Wir lassen das Anliegen von unserer zuständigen Abteilung prüfen. Unseren Kunden Herrn Juckel werden wir über die Bearbeitung informieren. Bisher konnten wir ihn leider nicht erreichen. Als Übergangslösung wurde dem Kunden bereits ein Magenta-Zuhause-Schnellstart-Paket bereitgestellt. Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unseren Kunden und bitten um Entschuldigung“, so Marianthi Kokkini-Hanné von der Pressestelle der Telekom auf AK-Anfrage. Doch auch das Schnellstarter-Paket hilft dem KFZ-Meister nicht aus der Klemme. Er bleibt nicht erreichbar.

Und am Rande: 1&1 schickten Sylvia Juckel neue Zugangsdaten, mit denen sie versuchte, sich einzuloggen. Sie landete schließlich bei dem Satz: „Kundenkontakt ist nicht erwünscht.“

Nun erklärt 1&1 gegenüber unserer Zeitung: „Leider sind die Voraussetzungen seitens der Deutschen Telekom noch nicht für den Anbieterwechsel gegeben und die Telekom hat uns nicht über diese Verzögerung informiert. Damit Herr Juckel die Rufnummern wieder schnell nutzen kann, haben wir umgehend eine Rückportierung der Rufnummern veranlasst. Diese sind voraussichtlich heute wieder nutzbar. Für den Telefonie-Ausfall und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten entschuldigen wir uns ausdrücklich und haben die letzte Grundgebühr soeben storniert.“ Vielleicht wird Freitag, der 13., ein Glückstag für Carl-Heiko Juckel. Wenn nicht, erreicht man ihn weiterhin nur unter Telefon 0163-8721401.

Auch interessant

Kommentare