Stefan Wurm kennt die Stadt in- und auswendig / Mit Kehrwagen täglich auf Tour

Im Kriechgang wird es sauber

Der orange-farbige Lkw hat das Steuer auf der rechten Seite. Ungewohnt für deutsche Augen. Stets im Blickfeld von Fahrer Andreas Wurm ist dabei die Rückfahrt-Kamera (Bildmitte). Foto: Bonnekoh

Altena -   Andreas Wurm weiß, wo es in Altena schmutzig ist. So richtig schmutzig. Er weiß aber auch, wo Bürger ein waches Auge auf ihr Wohnumfeld haben und Wert auf ein gepflegtes Ambiente legen. Mit durchschnittlich Tempo 7/km/h fährt er Tag für Tag im „Kriechgang durch die Stadt“ – der Burgstädter ist Stammfahrer auf der Kehrmaschine des Bauhofes.

Sein Chef, Volker Richter, macht ihm und seinem ganzen Team gerne jedes Kompliment. „Es läuft problemlos, da gibt es nichts, aber auch gar nichts zu meckern“, sagt der Verantwortliche des Bauhofes. Er schickt „seinen“ Mann täglich auf Tour durch Altena.

Der schwere, orange-farbige Lkw bringt es auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 13,5 Tonnen und basiert auf einem normalen Mercedes-Lkw-Modell. Erst der maßgeschneiderte „Altena-Umbau“ durch das Unternehmen Bucher-Schörling macht das Fahrzeug so einzig artig.

Der Diesel, der leise, ganz leise, daherkommt, hat nämlich Hunger. Hunger auf Staub, Schmutz und jetzt aktuell Laub.

Vier Kubikmeter kann Andreas Wurm laden. „Im Sommer ist das mengenmäßig nicht so viel“, sagt er. Jetzt, im beginnenden Herbst, sei das Volumen zwar gewaltiger, „dafür ist das Gewicht geringer.“

Reicht im Sommer eine Stadtrundfahrt um das Auto „voll“ zu machen, muss der Fahrer aktuell vier bis fünfmal seine Ladung zwischen lagern. Das geschieht am Pragpaul. Dort holen dann Spezial-Fahrzeuge die Laubberge ab. „Wir wollen doch nicht, dass der relativ kleine Lkw nur mit Auf- und Abladen beschäftigt ist“, sagt Volker Richter. Alles werde – an sich selbstverständlich – sowohl im Frühjahr und Sommer und jetzt im Herbst und Winter „natürlich ordnungsgemäß auf entsprechenden Kippen entsorgt. Da muss sich niemand Gedanken machen.“

Andreas Wurm ist seit mehr als 25 Jahren bei der Stadt Altena tätig. Er hat einen gefahrvollen Job. Denn sein Führerhaus ist „verkehrt herum“ – heißt, das Steuer befindet sich rechts. „Das verlangt stets vollste Konzentration“, sagt der Mann. „Ohne Spiegelarbeit und ohne meine Rückfahrkamera geht gar nichts. Unverzichtbar.“

Mit dem schwerem Fahrzeug muss er so manches falsch oder achtlos abgestellte Auto „umfahren“, er kennt alle Engstellen in der Stadt und viele Bürger persönlich.

„Es gibt für alle Straßen einen festen Abfuhrtermin und -plan, sicher“, sagt Volker Richter. Dennoch könne man nicht garantieren, stets an einem bestimmten Wochentag zu kehren. „Wir bitten einfach um Verständnis.“ Denn: Bei Frost rückt das Fahrzeug überhaupt nicht aus. Dann kommt alles durcheinander. Und Richter erzählt, dass es sehr wohl Bürger gibt, die kulanterweise ihre Fahrzeuge besonders eng ans Haus setzen oder in die Einfahrt, nur, damit Andreas Wurm gut arbeiten und vorbeifahren kann. Seine Touren gehen täglich über acht Stunden, und zwar montags bis donnerstags. Freitags ist er meist mit Wartungs- und Reinigungsarbeiten an den komplizierten Aggregaten beschäftigt.

Einziger Luxus der durch und durch mit Hydraulik, vielen Zusatz-Bedienelementen und technisch notwendigen Instrumenten ausgestatteten Fahrerkabine: Der Lkw verfügt über eine Klimaanlage. „Die große Frontscheibe heizt unheimlich auf und wenn ich durch die Stadt krieche, ist das schon ganz schon schweißtreibend.“

Angst, vom Auto selbst schmutzig gemacht zu werden, muss übrigens kein Bürger haben. Es ist eine Sprühanlage vorn eingebaut. Sie garantiert, dass aller Unrat staublos im Bauch des Lkw verschwindet. Wie der Schmutz aus allen Ecken und Enden der Stadt. Auch aus jenen Schmuddelbezirken, die Andreas Wurm zwar kennt, aber nicht benennt. „Für die Beseitigung sind wir doch schließlich da“, sagt er. Und dafür gebührt ihm und seinen Kollegen durchaus einmal ein herzliches „Danke schön!“ Von Johannes Bonnekoh

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