Die Kegel-Könige der Brachtenbeck und ihre prunkvolle Kette

Das zentrale Ornament hat sich der Kegelclub „Schwagerschaft“ gravieren lassen. In wirtschaftlich schlechteren Zeiten wichen die Brüder auch auf Notgeldmünzen aus, um ihre Kette zu erweitern. Foto: Hornemann

ALTENA -  Eine Königskette verbinden die Altenaer traditionell mit dem örtlichen Schützenwesen. Als Kreisarchivar Ulrich Biroth seinen Vortrag über die alten Gaststätten vorbereitete, da stieß er auf den Kegelclub „Schwagerschaft“ in der Gaststätte „Zur Uhle“ und ein ganz besonderes Exponat: Die Brüder hatten ihrem Kegelkönig zu Ehren ihre eigene Kette geschmiedet. Sie enthält sowohl Ordens- und Ehrenabzeichen, wie auch eine große Auswahl an Notgeldmünzen.

Wie genau dieses außergewöhnliche Stück ins Kreisarchiv gelangt ist, das weiß Ulrich Biroth nicht. „Die Kette war bereits da, als ich 1986 meinen Dienst angetreten habe.“ Weil dem Exponat aber ein umfangreiches Protokollbuch beigefügt worden ist, kann es problemlos dem Kegelclub „Schwagerschaft“ zugeordnet werden. Gegründet wurde der am 18. Mai 1922 im Kegelheim Uhle in der Brachtenbeck, Vorsitzender war über viele Jahre Hermann Welsholz.

Weitere Namen aus den Protokollbüchern lassen erahnen, dass sich der Club weitgehend aus dem Altenaer Mittelstand zusammensetzte. Auch die Aktivitäten über das kegeln hinaus lassen darauf schließen, dass es sich nicht um einen Arme-Leute-Verein gehandelt hat. Allein im Jahr 1926, so steht es im Jahresbericht, unternahmen die Freunde Ausflüge nach Frankfurt am Main, Wiesbaden, Assmannshausen, Niederwald, Bacharach, Königswinter und Köln.

Königsfeste feierte die Schwagerschaft allein vier Mal im Jahr - inklusive „Krönung und Huldigung des Volkes“. In jedem Quartal wurden „Hoheitszeichen“ an den neuen König abgegeben und von Regent Karl Schulze steht geschrieben, dass er zu den strengen Herrschern gehörte, während „Oberschwager“ Heinrich Schmidt sich durch milde Regentschaft auszeichnete.

Die Königskette lässt darauf schließen, dass die „Schwagerschaft“ auch die Kriegsjahre überstanden hat. Darauf deutet hin, dass in ihr auch eine Helgoland-Gedenkmünze aus dem Jahr 1952 verarbeitet wurde.

Alle verwendeten Münzen, darunter auch eine Manfred von Richthofen-Medaille, wurden angebohrt, um Kettenglieder daran zu befestigen. „Die einzelnen Stücke sind dadurch natürlich im Wert gesunken. Unbeschädigt wäre manche dieser Prägearbeiten bestimmt 20 Euro wert. Notgeld wird heute auch noch gesammelt und je nach Zustand gut gehandelt. In der Kette sind sowohl schwere, als auch ganz leichte Aluminiummünzen verarbeitet worden“, erklärt Ulrich Biroth.

Besonders Interessant findet der Archivar, dass die „Schwagerschaft“ schon ganz früh den dekorativen Charakter von Drahtrollen entdeckte: Hunderte Altenaerinnen tragen die aus dem Hause Betzler gefertigten Schmuckstücke an Hals, Ohr und Handgelenk und der Brachtenbecker Kegelclub brachte weit vor der Erfindung dieser Kollektion eine kleine Drahtrolle an seiner Königskette an. Hinzu kam ein kleines Zieheisen, das die Stellung des Drahts in Altena weiter unterstrich.

Im Kreishaus an der Bismarckstraße ist die Kette 2017 nach einigen Jahren erstmals wieder ans Tageslicht gekommen im Rahmen der Gaststättenausstellung. Nebst einem hübschen Kristallglaskrug, den die Schwagerschaft anfertigen ließ und der im Wechsel von den Mitgliedern genutzt werden durfte. Fotos beider Exponate befinden sich in der Kreisbilddatenbank „Canto Cumulus“, das auch dazu dient, weitere Informationen zur Stadt- und Kreisgeschichte zusammenzutragen.

Wer Weiteres zum Kegelclub „Schwagerschaft“ oder seiner Königskette mitteilen kann, kann das bei Kreisarchivar Ulrich Biroth gerne tun: Per Telefon unter 02352/966-7059 oder per E-Mail an u.biroth@maerkischer-kreis.de.

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