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Kaum noch genutzt: Ende Januar werden die letzten Telefonzellen abgestellt

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Auch die letzten Telefonzellen in Altena sollen bald aus dem Stadtbild verschwinden. Die Telekom lässt sie abbauen.
Auch die letzten Telefonzellen in Altena sollen bald aus dem Stadtbild verschwinden. Die Telekom lässt sie abbauen. © Bender, Thomas

Über 90 Prozent der einst mehr als 160 000 öffentlichen Telefonen in Deutschland sind bereits verschwunden, auch in Altena – aus einem einfachen Grund: Sie werden schlicht nicht mehr genutzt.

Geblieben sind bis heute noch rund 12 000 der Telefone. Auch die werden jetzt nach und nach abgeschaltet. Ende Januar ist Schluss.

Ein paar Telefonzellen gibt es noch in der Burgstadt. Einen genauen Plan kann die Telekom auf Nachfrage nicht nennen – zu viele Anfragen machten eine konkrete Aufschlüsselung nicht leistbar. Abgesehen davon: „Wann welcher Standort, auch in Altena, abgebaut wird, werden wir den betroffenen Kommunen rechtzeitig vorab mitteilen“, berichtet Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney.

Wann genau das passiert, konnte er nicht im Detail sagen – „aufgrund der Menge an Standorten und des hohen Koordinierungsaufwands, wie zum Beispiel auch durch Abhängigkeiten der Gewerke, wie der Stromabschaltung durch den regionalen Stromnetzbetreiber oder je nach Lage eine durchzuführende Baustellensicherung.“ Vier Wochen bevor die Zellen physisch zurückgebaut werden, würden die Kommunen informiert.

Bedarf geht immer weiter zurück

Grundsätzlich ist aber klar: „Der Bedarf an öffentlichen Telefonen – auch in Altena – ist seit Jahren stark rückläufig“, sagt der Sprecher. „Öffentliche Telefonstellen werden dementsprechend bereits seit längerem einvernehmlich mit den Kommunen und Gemeinden zurückgebaut.“ Eine Verpflichtung zum Betrieb öffentlicher Telefone besteht seit der Änderung des Telekommunikationsgesetzes Ende 2021 ohnehin nicht mehr. „Der Gesetzgeber hat erkannt, dass aufgrund der geringen Nutzung die öffentlichen Telefone nicht mehr zu einer Grundversorgung der Bevölkerung beitragen.“

Die Gründe für den Abbau sind „vielschichtig“, wie es von der Telekom heißt. Mit dem Mobilfunk habe jeder seine „persönliche Telefonzelle“ dabei – und ist nicht mehr auf öffentliche Telefone angewiesen. Entsprechend unwirtschaftlich ist der Betrieb: An rund einem Drittel der öffentlichen Telefone, also 3800 Standorten, ist im vergangenen Jahr kein einziges Gespräch geführt worden, verdeutlich der Sprecher. Und weiter: „Im Schnitt macht ein öffentliches Telefon bei der Telekom nur noch wenige Euro Umsatz pro Monat. Das steht in keinem Verhältnis zu den Unterhaltskosten, die den Umsatz um ein Vielfaches übersteigen.“ Die Unterhaltskosten setzen sich dabei aus den Betriebskosten, der Standmiete und Reinigung sowie auch immer wieder den Kosten für die Beseitigung von Schäden, zum Beispiel durch Vandalismus und Diebstahl, zusammen. Und hier gehen die Probleme direkt weiter: Ersatzteile lassen sich demnach immer schwieriger beschaffen. „Neuere Entwicklungen bei externen Zulieferern erschweren zunehmend die Instandhaltung“, erklärt der Sprecher. „Ersatzteile für öffentliche Telefone werden kaum noch produziert und sind teilweise gar nicht mehr erhältlich.“

Telekom spart jede Menge Strom ein

Darüber hinaus weist die Telekom darauf hin, dass die geplanten Rückbaumaßnahmen „erheblich Energie einsparen“ werden. Das Unternehmen rechnet vor: „Im Schnitt verbraucht ein öffentliches Telefon zwischen 500 und 1250 Kilowattstunden im Jahr – je nach Ausstattung. Mit der Abschaltung lassen sich so zwischen sechs und 15 Millionen Kilowattstunden jährlich einsparen.“ Soviel Strom verbrauchen mehrere tausend Wohnungen im Jahr.

Die Außerbetriebnahme der öffentlichen Telefone erfolgt nun schrittweise. McKinney: „Im ersten Schritt wurde am 21. November 2022 zunächst die Münzzahlung an den Fernsprechern bundesweit deaktiviert.“ Ab Ende dieses Monats wird dann auch die Zahlungsfunktion per Telefonkarten und somit der gesamte Telekommunikationsdienst an den öffentlichen Telefonen eingestellt. Danach erfolgt der Abbau der letzten Telefonstellen – bis voraussichtlich Anfang 2025 soll der dann abgeschlossen sein.

Telefonzellen-Kauf ist nicht möglich

Kaufen kann man die Zellen übrigens nicht mehr. „In der Vergangenheit hat die Deutsche Telekom alte Telefonzellen aufgearbeitet und an Interessierte verkauft“, erklärt McKinney. „Und das, obwohl diese nur an Selbstabholer gingen und etwa 300 Kilogramm wiegen.“ Ausrangierte Telefonzellen gebe es jedoch kaum noch.

Die gelben Zellen – „längst ausverkauft“ – wurden in den vergangenen Jahren ohnehin gegen die deutlich schlichteren, silbernen Stelen ausgetauscht – und auch für diese Rest-Exemplare habe es lange Wartelisten gegeben. „Das Interesse war jedoch bereits in der Vergangenheit größer als die Anzahl der potenziell verfügbaren Zellen.“ Daher könnten keine neuen Interessenten berücksichtigt werden. Bei den heute noch vorhandenen Geräten handele es sich in der Regel um die Stelen aus Edelstahl, die nach deren Abbau fachgerecht recycelt werden. „Insofern werden wir Interessierten leider keine alten Telefonstellen anbieten können.“

Museumsbesuch: Ein Tipp für Nostalgiker

Nostalgiker können sich aber in Frankfurt am Main im Museum für Kommunikation weit über 50 Objekte rund um die öffentliche Telefonie ansehen. Gemeinsam mit den Museen für Kommunikation Berlin und Nürnberg gehört es zur Museumsstiftung für Post und Telekommunikation.

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