Vatikan-Fragebogen beschäftigt Christen

Stefan Kemper, Katholikenrat Lüdenscheid-Altena: „Diese Themen beschäftigen uns.“

ALTENA - „Getrennt Lebende und wiederverheiratete Geschiedene gehören zur Realität in den katholischen Gemeinden. Unter den Eltern der Erstkommunionkinder wird dies am deutlichsten abgebildet.“

Von Johannes Bonnekoh

Klare Worte aus der Pressestelle des Ruhrbistums Essen, das in diesen Tagen die Rückmeldungen aus einem vom Vatikan aufgelegten Fragebogen auswertet. Rom und allen voran Papst Franziskus wollen die „pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“ in diesem Jahr durch eine außerordentliche Weltbischofssynode neu annehmen. Die Antworten seien „nicht repräsentativ aber aussagekräftig“, heißt es dazu weiter aus der Pressestelle in Essen.

Stefan Kemper aus Altena ist Mitglied im Kreiskatholikenrat Lüdenscheid-Altena. Er sagte auf Anfrage, dass die Umfrage „natürlich auch im Kreiskatholikenrat Thema war.“ Sie sei aber wegen des sehr straffen Zeitplanes „leider vor Ort nicht in der Tiefe diskutiert worden.“ Die Fragestellungen, so sagt es der engagierte Laie, seien zudem sehr komplex und hochtheologisch formuliert worden. „Vielfach mussten sie für die Diskussion an der Basis ,übersetzt’ werden.“ Hier müsse die katholische Kirche offenbar noch lernen. Kemper ist dennoch dankbar, dass der Weg mit dem Fragebogen beschritten wurde und sieht aktuell „eine große Spanne zwischen (amts-)kirchlichem Verständnis von Ehe, Familie und Partnerschaft und dem gelebten Verständnis vieler Katholiken.

Pfarrer Ulrich Schmalenbach begrüßt ebenfalls die neuen Gedankengänge, mahnt aber auch: „Es ist nicht alles erlaubt“. Der Pastor erinnert daran, dass Kirche immer Wertmaßstäbe setzen müsse und – bei allem Willen zum Umgestalten – „nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten.“ „Halt geben, die Richtung zeigen, aber sich auch bewegen“, das sind für ihn wichtige Botschaften. Ausdrücklich bezieht sich Schmalenbach auf die jüngste Silvesterpredigt von Karl Kardinal Lehmann. „Er hat den Punkt getroffen“, sagt der Altenaer Pfarrer und empfiehlt Interessenten die Internetseite des Bischofs, wo die Predigt nachzulesen sei.

Stefan Kemper, der wie andere Altenaer Christen aktiv am Dialogprozess „Kirche der Zukunft“ der Essener Diözese im vergangenen Jahr teilgenommen hat (AK berichtete), weiter: „Im Rahmen dieses Prozesses sind an verschiedenen Stellen diese Fragen sehr offen diskutiert worden. Ich habe eine hohe Nachdenklichkeit der Bistumsleitung und insbesondere des Bischofs festgestellt.“ Overbeck habe auch die Zusage gegeben, diese Themen in allen Facetten in Rom vorzubringen. Er selbst sei, was die Bischofssynode angehe, „in froher Erwartungshaltung.“ Allerdings sei auch klar: „Die katholische Kirche dreht sich nicht allein um die deutsche Kirche.“

Kemper hofft auf eine Stärkung der Ortsbischöfe und ein Zurücknehmen des römischen Dirigats. Leider habe er aber auch die Sorge, dass unachtsames und fehlerhaftes Vorgehen (siehe Beispiel Limburg) „oft gute Ansätze wieder zunichte macht“.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare