Karikaturist will pieksen, aber nicht verletzen

Arnd Hawlina - unser Mann hinter den Karikaturen im Altenaer Kreisblatt.

ALTENA - Ein Bild sagt mehr als 1 000 Worte – Zeitungsfotografen geht bei diesem Satz das Herz auf. Diese Feststellung gilt ganz sicher aber auch für eine andere Art der Darstellung im Pressewesen, nämlich die der Zeitungskarikatur.

Sie ist oft das Salz in der Suppe der täglichen Nachrichtenflut, vielleicht sogar so etwas wie das Sahnehäubchen für den geneigten Leser. Dass es diese zeichnerische Meinungsäußerung auch in einer Lokalzeitung gibt, ist eher ungewöhnlich. Das Altenaer Kreisblatt bietet seinen Leserinnen und Lesern seit fast einem Jahrzehnt regelmäßig alle 14 Tage samstags Karikaturen. Und hinter den teils bissigen, oft auch überspitzten oder humorigen Darstellungen steht Arnd Hawlina.

Der 42-Jährige wurde in Attendorn geboren, wuchs in Aachen auf und zog später in den Märkischen Kreis. Seit 2009 lebt er in Bochum und arbeitet freiberuflich als Karikaturist, Illustrator und Musiker.

„Nulla dies sine linea“ – kein Tag ohne Zeichnung, und: Kein Tag ohne Vorsatz. Danach lebt der Künstler, der in Berlin Architektur studierte und sich schon früh mit seinem älteren Bruder, welcher heute ebenfalls als Grafiker tätig ist, im Zeichnen maß.

Kein Tag ohne Zeichnung

Kein Tag ohne Zeichnung – dieser Leitsatz des griechischen Malers Apelles ist für Hawlina gerade in unserem digitalen Zeitalter sehr wichtig, denn: „Ich bin davon überzeugt, dass man anders mit dem Bleistift als mit dem Computer entwirft.“ Und folgerichtig hat er seine Bochumer Agentur „FreiHand“ genannt. „Ich zeichne mit der Hand, lediglich das Colorieren findet am PC statt, wenn die Layoutstifte nicht reichen.“

Diese „Handarbeit“ verleiht den Arbeiten mehr Authentizität, ein Markenzeichen, auf das neben Tageszeitungen auch Kunden für Werbekampagnen setzen. Der handgezeichnete Werbeträger ist im Trend.

Wie kommen Arnd Hawlina die Ideen zu seinen Karikaturen? Der Künstler muss nicht lange überlegen und sagt: „Ich lese Zeitungen und habe oft nach der Lektüre von Artikeln schon eigene Bilder im Kopf.“ Er gehe an das Karikieren „eher über das Sprachliche ran. Ich denke an Sätze, an Redewendungen, Sprichwörter und versuche sie zeichnerisch darzustellen.“

Eine gute Karikatur macht für Hawlina aus, dass der Leser mit der Zeichnung beim Betrachten direkt etwas anfangen kann. Deshalb füge er nur manchmal Sprechblasen ein, aber an sich solle die Zeichnung für sich sprechen.

Hawlina teilt im übrigen nicht die Meinung zahlreicher Kollegen, Karikaturen müssten möglichst einfach dargestellt und zeichnerisch umgesetzt werden. „Ich finde, es kommt auf den richtigen Strich an, die feine Feder.“ Natürlich müsse auch er Gesichter üben, mag es nicht besonders, Personen grob zu verzerren oder gar lächerlich zu machen, denn: „Karikaturen sollten schon pieksen, vielleicht sogar etwas zynisch sein und ironisch. Aber wenn sie Menschen verletzen, das ist nicht mein Ding.“ Deshalb hat Arnd Hawlina auch eine klare Meinung zu den umstrittenen Mohammed-Karikaturen. „Satire darf nicht alles. Ich kann verstehen, dass sich gläubige Menschen von diesen Zeichnungen verletzt fühlen. Das sollte man respektieren.“

Fachmann für Comics

Arnd Hawlina ist viel zu sehr Künstler, als dass er „nur“ Schwarz-Weiß oder colorierte Karikaturen anfertigt. Mit seinen geschickten Strichen entstehen auch Comics oder ganze Bildergeschichten zu aktuellen Themen aus Politik, Kultur, Sport oder Wirtschaft. Das sei für ihn eine lockere und fröhliche Art, dem Zeitungs- oder Magazinleser einen komplexen Inhalt zu vermitteln.

Als Karikaturist hat er denselben Anspruch, an dem er sich auch als Architekt messen lässt: „Wir sollten uns ständig weiterbilden – und nicht nur durch Seminare, sondern durch ein stetes analytisches Wahrnehmen unsrer (Um)-Welt.

Einen ganz anderen Arnd Hawlina können die Altenaer persönlich im Juli 2011 kennen lernen: Dann gastiert der Musiker und leidenschaftliche Klavierspieler mit einem Jazz-Ensemble auf Einladung des Kulturringes in der Stadt.

von Johannes Bonnekoh

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